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Alpenvereinsführer Österreich

Kaisergebirge alpin

Alle Routen für Wanderer und Bergsteiger

Alpenvereinsführer Kaisergebirge alpinTitel: Alpenvereinsführer Kaisergebirge alpin

Autor: Horst Höfler, Jan Piepenstock

Verlag: Bergverlag Rother

Seiten: 174

Auflage: 12. Auflage, September 2006

Sprache: deutsch

Für wen: Wanderer und Bergsteiger, die einen umfassenden Überblick über die Wanderungen und Gipfelanstiege im Zahmen und Wilden Kaiser bekommen wollen.

Wo:AMAZON

Rezension:

Es ist ruhig geworden um die Alpenvereinsführer aus dem Bergverlag Rother, möchte man meinen. Die Aufsplittung der umfassenden Gebietsbeschreibungen in zwei - auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtete - Bände war das Konzept, das man sich ausgedacht hatte, um der Flut an neuen Kletterrouten Herr zu werden und trotzdem die Beschreibung der leichteren, alpinen Routen und Gipfelanstiege nicht völlig zu vernachlässigen. Allerdings ist seit dem Start dieses neuen Konzepts die Erscheinungshäufigkeit der Führerreihe (oder scheint es nur so) deutlich rückläufig. Nach dem AVF Kaisergebirge Extrem von Pit Schubert ist nun endlich der zweite Band AVF Kaisergebirge Alpin erschienen.

Wohl in keinem anderen Führergebiet wie dem Kaiser ergibt sich allerdings ein derartiges Ungleichgewicht zwischen sehr vielen Kletterrouten und verhältnismässig wenigen leichten Anstiegen und Wanderungen, was vor allem an der geringen räumlichen Ausdehnung des Gebiets liegt. Das wird sofort deutlich, wenn man das Büchlein das erste mal in Händen hält. Ganze 174 Seiten umfasst der Band - ganz im Gegensatz zu dem mit 400 Seiten mehr als doppelt so starken Extrem-Band.

Dieser Führer richtet sich ganz klar an die Bergsteiger und versierten, alpin erfahrenen Wanderer. Der Nur-Kletterer wird sich für dieses Buch höchstens am Rande interessieren, genauso wie der Spaziergänger und Gelegenheitswanderer. Für die Zielgruppe allerdings stellt dieses Werk ein hervorragendes, gut recherchiertes und professionell gemachtes Nachschlagewerk dar, das kaum Wünsche offen läßt. Eine wirkliche Lücke stellt m. M. nach nur der fehlende Schnellaufstieg in die Steinerne Rinne dar. Aspiranten für z. B. Predigtstuhl Normalweg oder Goingerhalt Nordgrat werden mit dem Führer den (für diese Könnensstufe absolut unüblichen) Umweg über den Wildanger nehmen müssen.

Höchstens für die absoluten Freaks (wozu ich wohl zum Leidwesen für die beiden engagierten Autoren gehöre) hätte man den ein oder anderen (fast) vergessenen alpinen Anstieg noch mitaufnehmen können. Ohne zu wissen, ob handfeste Gründe für das Weglassen vorliegen, fallen mir hierzu beispielsweise der Maukspitze-Ostanstieg oder der Schneeloch-Anstieg auf die Fleischbank ein. Insgeheim hatte ich auch gehofft, vielleicht Informationen zu (mir nur aus der AV-Karte bekannten) Pfaden, wie z. B. dem Pfandl Steig, seinem Gegenüber auf der Schattseite des Kaisertals oder dem "Abkürzer" durch den Straßwalchgraben zu erhalten. Ohne dies ernsthaft kritisieren zu wollen, soll es vor allem eine Anregung an die Autoren für zukünftige Auflagen sein.

Sehr positiv ist der umfassende und sehr informative Vorspann, der alle wichtigen Daten zum Gebiet, zur Geschichte, zur Tier- und Pflanzenwelt und einen ausführlichen Geologischen Überblick enthält. Neben dem Inhalt fällt beim Durchblättern auf den ersten Blick die hohe Qualität der Bilder auf. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Übersichts- und Anstiegsbilder in bestem Licht von guten Standpunkten aufgenommen und sehr aussagekräftig. Als Führerautor weiss ich selbst, wie schwierig es ist einen Anstieg ideal zu fotografieren. Vor allem bei klein abgedruckten Formaten werden die guten Bilder allerdings manchmal durch dick durchgezogene Routenlinien arg in Mitleidenschaft gezogen. Hier würden möglicherweise gestrichelte Linien etwas angenehmer wirken.

Fazit: Für den alpin erfahrenen Wanderer und Bergsteiger, der sich nicht über den 3. Grad hinausbewegt, ein unverzichtbares Standardwerk, das (nahezu) alles enthält, was zum Unterwegssein im Wilden Kaiser notwendig ist - und das in bewährter und sehr gut umgesetzter Art und Weise. Für den extremeren Kletterer wird der Führer als Ergänzung zu Kletterführer und Karte höchstens einen angenehmen Luxus, aber kaum eine Notwendigkeit darstellen. Und der alpin unerfahrene Wanderer legt sich besser für den Anfang einen Wanderführer zu, da der AVF doch oft schon etwas mehr Routine bei der Tourenplanung voraussetzt und auch ein Großteil der beschriebenen Routen zu anspruchsvoll ist