Karwendel: Laliderer Falk (2427 m) Nordwand,
„Im Reich des Ungenannten“

Saugende Tiefe..
Saugende Tiefe...

Allgemeines: Ralf Sussman durchstreift seit Jahren das weitläufige Karwendel und findet immer wieder mehr oder weniger unbekannte Wände mit tollem Fels, der dem Karwendelklischee vom "Bruchhaufen" Lügen straft. Seine neuste Entdeckung ist an der Nordseite der Falkengruppe im Falkenkar. Die Nordwand des Lalidererfalk durchzog bisher nur eine selten begangene direkte Kletterroute aus den 50er Jahren ("Direkte Nordwand") - ansonsten wurde die Wand kaum beachtet. Umso überraschender, dass nun hier eine weitere Klassetour begangen wurde, die für ambitionierte, alpin erfahrene Kletterer - die den 7. Grad einigermaßen sicher beherrschen eine tolle Genußtour sein dürfte.

Erstbegehung: Ralf Sussmann, Richard Baur, Michael Warscher, Andreas Wunsch 2009 und 2010.
Gipfeldurchstieg am 8.10.2010 nach sechstägigen Vorarbeiten. Die Erschließung erfolgte durchgehend von unten, ohne vorheriges Erkunden von oben und ohne Verwendung von Fixseilen. 1. Wiederholung am 13.10.2010 durch Ralf Sussmann und Volker Benz in 7 h
Kletterzeit.

Schwierigkeit: 8 (eine Seillänge), zwei Seillängen 8-, eine weitere 7+/8- und zwei Längen 7+; Rest überwiegend sechsten Grad.
etwa 7- obligat.

Kletterstrecke: Wandhöhe 600 m, 19 überwiegend lange SL.

Charakter:
Genussreiche und gut gesicherte Kletterei in grandiosem Nordwand-Ambiente mit eindrücklichem „Laliderer-Flair“. Sehr abwechslungsreich an senkrechten Sloperwänden, senkrechten rauen Wasserrillen, geneigten Lochplatten und klassischen Kaminverschneidungen. Überwiegend perfekter Fels mit kaum brüchigen Passagen.

Verhältnisse: Nordwandkletterei, trocknet dennoch nach Schlechtwetter ungewöhnlich schnell ab. Die Headwall (Längen12-19) ist nordwestseitig verschränkt, hier kommt am Spätnachmittag die Sonne rein.


Absicherung: Durchgehend solide Absicherung mit 10 mm Edelstahl-Bohrhaken, alle Stände zum Abseilen eingerichtet. E1-2; man sollte den 7. Grad beherrschen. In den schweren Passagen hervorragende Absicherung, in Längen 6. Grades etwas weitere Abstände (bis 10 m), hier ist alpine Orientierungsgabe und teilweise eigenverantwortliches Absichern, bzw. Wegsteigen gefordert.

Material: 12 Express, 60 m Zwillingsseil. Klemmkeile sind wegen der Eigenheit des Gesteins kaum anzubringen.

Anfahrt:
Auf der Mautstraße in die Eng bis zum Parkplatz in der Karwendelau.

Zustieg: Vom Parkplatz in ca. 2 h ins obere Falkenkar und zum weithin sichtbaren Einstieg. Eine gute Beschreibung des Zustiegs findet sich auf der Homepage von Harry Breitkreuz bei der Bergtour zum Laliderer Falk. Hilfreich ist auch der Kartenausschnitt.

Abstieg: Abseilen über die Route mit 60 m Zwillingsseil. Die Längen 13+14 können auf einmal abgeseilt werden, ebenso die Längen 1+2. Die 12. Länge (Quergang, 4) muss rückwärts geklettert werden. Zeitbedarf 1h 45 min bis 2.5 h je nach Routine.

Alternative (nur für sichere Alpinisten, zeitl. etwa gleich lang): Abstieg über die Ostflanke in die Scharte zum Turmfalk und nordseitig über Rampen in stellenweise leichter Kletterei (Passagen 2-3) zurück ins Falkenkar. Für die letzten 50 hm (3) wurde eine gebohrte
Abseilstelle eingerichtet. Ein Topo hierfür findet sich wiederum bei Harry Breitkreuz. Zeitaufwand ähnlich wie Abseilen.

Topo von der Laliderer Falk Nordwand "Im Reich des Ungenannten"

Das Original-Dokument zum Download gibts auf der Homepage von Ralf Sussmann.

Infos und Fotos: Ralf Sussmann