Karwendel, Schaufelspitze: "Sitz des Zeus "

Die 4. Seillänge verläuft in perfektem Fels
Die 4. Seillänge verläuft in perfektem Fels

Allgemeines: Die Südwestwand der Schaufelspitze ist ein verstecktes Kleinod des Karwendel. Ralf Sussmann - seines Zeichens Qualitätsfelssucher aus Oberbayern - hat diese Wand für das alpine Sportklettern entdeckt. Hoch über der Eng fällt sie dem Betrachter bei der riesigen Auswahl an alternativen Felswänden kaum ins Auge und beim üblichen Zustieg aus dem Gramaital erblickt man sie ebenfalls erst am Bärenlahnersattel, 5 Minuten bevor man am Einstieg steht. Die Kletterei übertrifft dafür dann sämtliche Erwartungen - der Fels ist über weite Strecken perfekt. Bombenfester, rauher und meistens auch überraschend griffiger Kalk. Nur das breite Grasband nach dem ersten Wanddrittel stört den Kletterfluss etwas - aber das kann man verschmerzen. Die grandiose Landschaft, die sonnige Ausrichtung, der relativ gemütliche Zu- (und dank vieler optimaler Geröllfelder) vor allem Abstieg tun ihr übriges dazu, dass diese Wand zum Pflichtprogramm jedes genussorientierten alpinen Sportkletterers gehören sollte. Die Route "Sitz des Zeus" ist die zweite Route von Ralf Sussmann in dieser Wand und augenscheinlich noch etwas besser als "Götterfunken".

Erstbegehung: Ralf Sussmann und Hans Hornauer am 27.6.2008 von unten.

Schwierigkeit: 8+ (9-?); (1 Seillänge), auch A0 möglich, eine Stelle 8-/8 - sonst sehr homogen 7- bis 7+/ E1+

Charakter:
Ausgezeichnete alpine Sportkletterei in über weite Strecken perfektem Fels. Meist eher plattige Kletterei mit immer wieder guten Griffen. Einige kurze Überhänge erfordern aber auch mal Blockiervermögen. Die Schlüsselseillänge ist deutlich härter als der Rest und ein echtes Testpiece für starke Onsight-Kletterer. Sie erfordert neben guter Fußtechnik auch ordentlich Fingerkraftausdauer. Für die kurze Plattenstelle in der letzten Seillänge schadet Stehvermögen nicht.

Peter beim Ausstieg auf das große Band Peter beim Ausstieg auf das große Band
Peter beim Ausstieg auf das große Band



Absicherung:
Großteils sehr gut mit Bohrhaken abgesichert - einige wenige etwas größere Abstände können leicht mit mobilen Mitteln verkürzt werden, wenn erforderlich.

Material: Ein Satz Stopper und Camalot 0,5 und 0,75 können zusätzlich verwendet werden. Dazu 12 Expresschlingen und am besten ein 60 m Zwillingsseil.

Anfahrt:
An der Südseite vom Achensee nach Pertisau und weiter ins Gramaital. Etwa 2 km vor der Gramaialm mündet von rechts das Bärenlahnertal ein. Bei einem Kuhgatter stehen gelbe Wegweiser, hier kann man rechts der Straße parken.

Zustieg: Dem Weg in Richtung Sonnjoch bis zum Bärenlahnersattel (ca. 1,5 h). Nun am Grat entlang (oder etwas links davon) nach Norden zum Wandfuß. Der Einstieg befindet sich ca. 30 m links vom Grat. Die Route, die unmittelbar links vom Grat startet ist der "Götterfunken"

Auf dem großen Band fühlen sich auch die Steinböcke wohl
Auf dem großen Band fühlen sich auch die Steinböcke wohl

Abstieg: Abseilen über die Route ( Doppelseil - am besten 60 m), Im Abstieg vom Sattel kann man sich meist etwas links vom Weg halten und durch ideale Schotterfelder abfahren - Abstiegszeit dadurch nur 30 - 45 Minuten!

Topo vom Sitz des Zeus an der Schaufelspitze, Karwendel

Topo mit Wandbild zum Ausdrucken gibts auf der Homepage von Ralf Sussmann.

Brotzeitplatz mit Edelweiss-Wiese und Laliderer-Blick
Brotzeitplatz mit Edelweiss-Wiese und Laliderer-Blick