Kommentare zu Politik und Wirtschaft

Energiepolitik

Die Frage der Energiegewinnung ist eines der wirtschaftlichen Schlüsselthemen der nächsten 100 Jahre. Die Erdöl- und Erdgasressourcen sind nicht endlos und vermutlich ab 2010 werden die weltweiten Fördermengen zurückgehen, da die Mehrzahl der Ölfelder an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt sein wird. Sollten bis dahin die alternativen Energiequellen nicht soweit entwickelt sein, dass sie die weiter steigende Nachfrage befriedigen können, wird eine heute schwer vorstellbare Explosion der Ölpreise die Folge sein.

Das Potential für alternative Energien wäre zweifelsohne da - in Deutschland beispielsweise könnte der gesamte Energiebedarfs aus Windenergie, Sonnenenergie, Biomasse und Wasserkraft gedeckt werden. Hier hat die Rot-Grüne Regierung unter Gerhard Schröder zur Jahrtausendwende bereits erste Schritte in die richtige Richtung unternommen und der einmal aufgenommene Kurs wird im Moment wohl beibehalten. Allerdings sollte noch deutlich an Fahrt zugelegt werden, wir noch lange nicht auf einem Stand, der uns vom Ölpreis unabhängig macht. Insbesondere in Sachen Sonnenenergie kann noch mehr getan werden, auch wenn diese Energieform heute noch relativ teuer ist. Wenn die OECD-Länder die über 250 Mrd. $ - die sie in den letzten 30 Jahren die Erforschung der Atomenergie investiert haben - zur Entwicklung der Marktreife der Sonnenenergie und anderer regenerativer Energiequellen gesteckt hätten, müßten wir uns vermutlich keine Sorgen um den Ölpreis und vermutlich auch weniger Sorgen wegen des Weltklimas machen.

Insbesondere die negativen Umwelteinflüsse der Energienutzung (und Verschwendung) sind eines der dringlichsten umweltpolitischen Probleme der Gegenwart und Zukunft. Wie sich die Klimaveränderung in den nächsten 20 - 30 Jahren auswirken wird ist nicht absehbar, dass sich was ändern wird ist allerdings mittlerweile klar. Die CO²-Konzentration in der Atmosphäre hat sich in den letzten 100 Jahren nahezu verdoppelt und liegt mittlerweile so hoch wie die letzten 400.000 Jahre nicht mehr. Ein großer Teil des Kohlenstoffs, den über Millionen von Jahren die Natur im Boden gespeichert hat, wurde innerhalb von nur etwas mehr als 100 Jahren wieder freigesetzt. Durch den sprunghaft angestiegenen Wohlstand in Ostasien (v.a. China) in den letzten 10 Jahren hat sich das ganze nochmal beschleunigt.

Das kurzfristig größte Potential zur Vermeidung zusätzlichen Kohlendioxid-Ausstoßes findet sich im Energiesparen. Leider funktioniert dies allerdings auf freiwilliger Basis überhaupt nicht. Gefragt wäre hier die Politik, um mit drastischen Vorgaben die Verbraucher dazu zu zwingen. Bestes und wichtigstes Beispiel ist mal wieder der Individualverkehr: Die EU-Verbrauchs-Vorgabe wäre schon mal eine sinnvolle Regelung - ein europaweit einheitliches Tempolimit vom maximal 120 (besser 100) km/h mit strikter Überwachung ist ebenfalls überfällig. Dies würde zwar nur einen kleinen Beitrag zum CO2-Sparen leisten, allerdings würde dies zu einem sichereren und entspannteren Verkehrsfluss auf den mittlerweile absolut chaotischen deutschen Autobahnen beitragen, wo es nur noch die beiden Extreme Stau oder aberwitzige Raserei gibt. Ich persönlich geniesse es sehr, in der Schweiz oder auf den reglementierten Strecken in Österreich unterwegs zu sein, wo das Reisen stressfrei vonstatten geht.

Die Alternative Öffentliche Verkehrsmittel ist in Deutschland auf dem Land leider durch eine sehr schwache Förderung durch die öffentlichen Haushalte derzeit (noch) nicht wirklich konkurrenzfähig. Schlechte Verbindungen, teuere Ticketpreise, sehr schlechter Service der Bahn und unzuverlässige Fahrzeiten zwingen auch den gewillten Reisenden häufig auf das Auto umzusteigen. Allerdings arbeitet die Zeit für die Bahn. Die Benzinkosten werden sich im Durchschnitt von Jahr zu Jahr deutlich steigern (ich rechne mit etwa 10 - 20 %/Jahr), so dass wir alle 4 - 6 Jahre eine Verdoppelung der Preise haben werden, die Geschwindigkeit des Preisanstiegs dürfte sich sogar von Jahr zu Jahr steigern. So schätze ich, dass in spätestens 2010 das erstemal eine 2 vorne an der Preistafel steht, wenn dann zwei bis drei Jahre später der Benzinpreis 3 Euro erreicht hat, dann dürften auch Bahntickets wieder konkurrenzfähig sein. Auch der Luftverkehr wird hier überproportional verteuert werden - selbst ohne eine längst überfällige Flugbenzinbesteuerung.

Der Ausstieg aus der Atomenergie ist in Deutschland mittlerweile festgeschrieben, auch wenn hier die Energiekonzerne versuchen noch länger Geld aus ihren bereits abgeschriebenen Meilern zu melken. Viele andere Staaten bleiben weiterhin bei dieser teuren und äußerst gefährlichen Art der Stromerzeugung. Die weltweite Atomlobby ist derart mächtig, dass sie mit ihren fadenscheinigen Argumenten immerwieder Regierungen für sich gewinnt, obwohl die Gefahren und die damit verbundenen effektiven Kosten mittlerweile besser abgeschätzt werden können. Insbesondere in Zeiten des weltweiten Terrorismus sollte ein Atomkraftwerk keinen Platz mehr haben - wer daneben die Kosten für eine adäquate Versicherung und die ungelöste Entsorgungsproblematik der hochradioaktiven Abfälle berücksichtigt muss sich gegen die Atomkraft aussprechen. Ausserdem ist Uran alles andere als unendlich verfügbar. Durch den steigenden Bedarf wird vermutlich in den nächsten Jahren ein Uranmangel am Markt die Preise stark verteuern, was hoffentlich den ein oder anderen Unverbesserlichen von der Sinnlosigkeit dieser Energieform überzeugen wird.

Für Kritik, Anregungen und weitere Informationen bitte ich um Mailkontakt an

Webquellen

  • Bundesverband Erneuerbare Energien
    Homepage des Dachverbands aller Sparten der erneuerbaren Energien mit mehr als 15000 Mitgliedern. Auf der Homepage finden sich viele Infos zum Thema Erneuerbare und Alternative Energien. Außerdem finden sich dort die Links zu den Verbänden der einzelnen Sparten mit jeweils sehr interessanten Hompages zu ihren jeweiligen Themen.
  • Atompolitik von Rudolf Rechsteiner
    In der Schweiz ist der Atomausstieg noch nicht in Sicht - der Nationalrat Rudolf Rechsteiner kämpft aber dafür und hat jede Menge Artikel zum Thema auf seiner Homepage.
  • Erneuerbare Energien
    Die Website des Bundesumweltministeriums zum Thema Erneuerbare Energien. Hier kann die Bundesregierung ihr Vorzeigeprojekt optimal im Web präsentieren. Neben den vielen obligatorischen Erfolgsmeldungen und genügend indirektem Selbstlob gibts aber auch nützliche Infos wie die Original-Gesetzestexte des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Schön gemachte Seite - der man allerdings noch etwas mehr Substanz verleihen könnte.

Weiterführende Literatur

Putin und das neue Russland

Klima

Mojib Latif ist in Deutschland vermutlich der bekannteste Klimawissenschaftler. In seinem Buch erörtert er den aktuellen Stand der Erkenntnisse umfassend und auch für Laien gut verständlich.

Erneuerbare Energien und Alternative Kraftstoffe. Mit neuer Energie in die Zukunft. 

Erneuerbare Energien und Alternative Kraftstoffe. Mit neuer Energie in die Zukunft.

Sven Geitmann gibt in seinem Buch eine Zusammenfassung über erneuerbare Energien, sowohl bezüglich innovativer Energietechniken als auch alternativer Energieträger. Es ist informativ und für jedermann verständlich verfaßt.