Sportklettern Italien / Ligurien

Klettern in Finale Ligure

Am Rocca di Corno klettert Kinga mit Blick auf die Riviera
Am Rocca di Corno klettert Kinga mit Blick auf die Riviera

Rund um den Touristen Ort Finale an der Riviera von Ligurien befindet sich das wohl traditionsreichste Sportklettergebiet Italiens. Die unscheinbare Hügellandschaft des Hinterlandes hält jede Menge Felsen in allen Steilheiten bereit, welche die Kletterer schon vor einigen Jahrzehnten als perfektes Training für die langen Gebirgstouren nutzten. Mit Aufkommen des Sportkletterns in den 70er und 80er Jahren erfuhren die Felsen am Monte Cucco, Rocca di Perti und Rocca di Corno ihren ersten Boom. Im Laufe der Jahre wurden dann aber noch viele weitere Felsen erschlossen und so kann der Sportkletterer heute aus über 1000 Routen im Umkreis von nur wenigen Kilometern auswählen.

Anreise:

Mit PKW entweder über die Autobahn Mailand - Genua, dann an der Küstenautobahn in Richtung Ventimiglia bis zur Ausfahrt Feglino / Finalborgo. Nun steht man bereits mitten im Klettergebiet und je nach Ausgangspunkt muss man oft noch das letzte kleine Bergsträßchen bis zum Parkplatz finden.

Die Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln ist prinzipiell ebenfalls recht einfach, da Finale Ligure auf der Bahnstrecke Genua-Nizza liegt. Allerdings ist es vor Ort dann teilweise etwas aufwändig zu den Felsen zu kommen. Wenn man jedoch am Cucco oder in Feglino übernachtet, dann hat man mit etwa 30 Minuten Fußmarsch schon eine ordentliche Auswahl.

Übernachtung:

1. Camping: Campingplätze gibts unten am Meer bei Finale Ligure einige (teure). Direkt im Klettergebiet war lange Zeit ein wilder Campingplatz am Monte Cucco üblich, wo sogar eine (kalte Freiluft-) Dusche und ein (oftmals leider recht versch...) WC zur Verfügung standen. Im Herbst 2008 fanden hier Bauarbeiten statt wo begonnen wurde eine normale Campingplatz-Infrastruktur aufzubauen. Diese wurde aber anscheinend nicht vollendet und mitterlweile von unzivilisierten Chaoten (vermutlich leider Kletterer) schon wieder stark demoliert (Stand Frühjahr 2010).

3. "Biwakieren":

Zu den typischen Kletter-Hochsaison-Zeiten (Ostern, Pfingsten) ist in Finale sehr viel Betrieb und in jeder Parkbucht stehen dann VW-Busse und teilweise auch Zelte. Ich hab bisher noch nie gehört, dass jemand ernsthafte Probleme bekommen hätte.

4. Ferienwohnungen: Apartements und Ferienwohnungen gibt es unten in Finalborgo und Finale Ligure überall - eine bequeme Möglichkeit um sein Hotel-Pensionen zu buchen bietet tourisline.de. Preistipp: in Feglino gibt es ein günstiges Zimmer direkt unter der Autobahnbrücke (Name oder Tel-Nummer weiss ich nicht - einfach vor Ort fragen - ausser zur Hochsaison ist das meistens frei).

Beste Jahreszeit:

Hier kann man das ganze Jahr klettern. Von November bis Ende März sollte allerdings sonniges und windstilles Wetter herrschen, sonst wirds schon sehr ungemütlich. Im Hochsommer ist es natürlich relativ heiss, wobei der Wandfußbereich oft durch Laubbäume verdeckt ist (z. B. im Rian Cornei), die Schatten spenden.

Die wichtigsten Gebiete:

  1. Monte Cucco
    Die bekannteste und eine der größten Wände rund um Finale. Liegt unmittelbar oberhalb von Feglino und ist von der dortigen Autobahnausfahrt (kann man nur aus Richtung Genua ausfahren). Viele Sektoren in allen Schwierigkeitsgraden und dazu als Basis nur wenige Minuten unterhalb der Wilde Zeltplatz. Oftmals viel Betrieb, besonderst im Amphitheater (steil und recht regensicher) und im Sektor Centrale (eher technische Kletterei). Das meiste wurde wohl in den letzten Jahren saniert.
  2. Rocca di Perti
    Eine weitere große Wand mit langer Tradition und vielen Sektoren. Sie ist von der Autobahnausfahrt Finale Ligure aus sichtbar und von dort auch schnell erreichbar. Tendenziell eher plattige Kletterei, wobei es aber auch einige steilere Sektoren gibt.
  3. Rian Cornei
    In diesem waldigen Tal auf der Rückseite des Monte Cucco finden sich viele kleinere Wände mit super Lochfels. Oftmals sind nur 10 oder 15 Routen an einer Wand - dafür ist hier aber meist deutlich weniger Betrieb. Die wohl beliebteste Wand ist die Falesia di Silenzio, wo es sowohl einige leichtere Routen im 5. und 6. Grad gibt - als auch steile Lochkletterei im 7. Franzosengrad.
  4. Monte Sordo
    Der Berg zwischen Monte Cucco und Rocca di Perti bietet ebenfalls eine ganze Reihe an Sektoren. Der Sektor Lo Specchio ist besonders an kühlen und/oder windigen Tagen oft ein Tipp für brauchbare Verhältnisse.
  5. Rocca di Corno
    Neben dem Monte Sordo mit dem Sektor Lo Speccio ist vor allem am Rocca di Corno Sonne pur zu erwarten. Die etwas weitere Fahrt (20-30 Minuten von Feglino) und der längere Zustieg (gut 15 min.) lohnen sich aber vor allem im Spätherbst und Winter, weil man dann oft noch im T-Shirt klettern kann.
  6. Placca dei Maleducati und Superpanza
    Die beiden Sektoren rechts vom Monte Cucco bieten vor allem im Bereich 5c bis 6c eine riesige Auswahl an Routen. Im Winter ist es dort allerdings meistens zu kühl, bzw. erst am Nachmittag, wenn die Sonne ums Eck kommt kletterbar.
  7. Bric Pianaralla
    Wer zur Abwechslung einmal richtig lange Routen klettern möchte, der sollte sich die Klettereien an der Bric Pianarella ansehen, wo man bis zu 9 Seillängen lange Klettereien findet.
     
Herbstsonne am Rocca di Corno
Herbstsonne am Rocca di Corno

Literatur:

Kletterführer Finale 007 von Adrea Gallo (2007), erhältlich in Finale im Rockstore, vor Ort im Buchhandel oder in der Szenekneipe in Cisano im Zentrum. Ausserdem bestellbar bei Kletterfuehrer.net. Der Führer beschreibt alle Gebiete und ist die Referenz. Es gibt/gab zwar auch noch diverse weitere Führer (auch deutschsprachige), die jedoch qualitativ nicht an das Original heranreichen.

Reiseführer Ligurien - bestellbar bei AMAZON oder direkt beim Verlag - für die Ruhetage oder für einen längeren Urlaub eine sehr hilfreiche Informationsquelle.

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