Sportklettern auf Kalymnos - Griechenland

Klettern auf Kalymnos

Die Insel Kalymnos gehört zu Griechenland und liegt in der Ägäis unmittelbar neben der belieben Urlaubsinsel Kos. Mitte der 90er Jahre entdeckten italienisch Sportkletterer als erste das Felspotential der Insel und begannen mit der Erschliessung. Anfangs waren es nur einige Hand voll Routen, nachdem aber mehrmals im Rahmen internationaler Kletter-Treffen grossangelegte Routenerschliessungs-Aktionen für einen stetigen Zuwachs an Klettermöglichkeiten sorgten, kamen die Kletterer dann bald von weit her. Häufig hatten und haben sie immernoch Bohrmaterial im Gepäck und so wird das Routenangebot auch in Zukunft weiter anwachsen. Aber bereits jetzt nach etwas mehr als 10 Jahren Erschliessung gehört Kalymnos zu den Top-Klettergebieten in Europa - sowohl hinsichtlich der Klettermöglichkeiten, besonders aber hinsichtlich der Qualität der Sportkletter-Routen.

Masouri und Armeos auf Kalymnos - links die Insel Telendos

==> Hier gibts eine Bildergalerie vom Klettern in Kalymnos

Anreise:

Kalymnos verfügt zwar seit 2006 über einen eigenen Flughafen, die meisten Kletterer gelangen aber weiterhin über den klassischen Weg mit der Fähre auf die Insel, da es keine Direktflüge gibt und die Anbindung von Athen (noch) schlecht ist. Wer dagegen sowieso einen Aufenthalt in Athen plant, der kann auch direkt nach Kalymnos fliegen. Die meisten und schnellsten Fährverbindungen nach Kalymnos gibt es von der Urlaubsinsel Kos, wohin es auch die günstigsten Flüge gibt.

Flüge nach Kos

Hierhin fliegen in der Sommersaison viele Charterfluggesellschaften (z. B. TUI-Fly), was zeitlich und preislich am interessantesten ist. Leider beschränken sich die Charterflüge aber auf die Monate Mai bis Oktober - die Klettersaison ist aber nahezu ganzjährig. In der restlichen Zeit bleiben nur die Linienflüge von Olympic Airlines, die etwas teuerer und meist nur mit Zwischenlandung in Athen zu haben sind.

Fähren nach Kalymnos

Vom Flughafen Kos fährt man zum Hafenort Mastichari (Taxi etwa 7 km, ca. 12 Euro). Hier verkehren regelmässige Fähren nach Kalymnos (im Winter von November bis April ca. 4 x täglich, im Sommer öfter) - den aktuellen Fahrplan der Fähren kann man auf den GTP-Seiten abrufen oder direkt bei einer der Fährgesellschaften (ANEM), auch auf der offiziellen Kalymnos-Seite gibts Fahrpläne (Achtung, auf den gültigen Zeitraum achten - diese werden oft zu spät aktualisiert)

Die Fähre in der Anfahrt auf Kalymnos

Der Ankunftsort der Fähren ist Pothia an der Südseite der Insel. Dort gibts jedoch keine Klettergebiete, weshalb es sinnvoll ist, sich eine Wohnung weiter im Westen oder Norden zu suchen. Das Zentrum der Kletterszene ist der Ort Massouri an der Westküste. Dorthin fährt von Pothia am Hafen etwa alle zwei Stunden ein Bus (ca. 1,50 Euro/Person) - man kann sich natürlich auch ein Taxi nehmen (ca. 15 Euro).

Übernachtung

1. Ferienwohnungen (Studios)

Die übliche Unterkunft für Kletterer auf Kalymnos sind sogenannte Studios - Ferienwohnungen mit meist 2 bis 3 Betten, Kochecke (mit 1 - 2 Elektroplatten), Kühlschrank und kleinem Bad. Größerer Gruppen können sich mehrere dieser Wohnungen in einem Haus anmieten - große Terassen bieten meistens einen gemütlichen Aufenthaltsbereich für die gesamte Gruppe. In der Haupt-Ferienzeit sollte man sich frühzeitig (am besten via Internet) um eine Unterkunft kümmern, in der Nebensaison (November, April bis vor Pfingsten) findet man in jedem Fall vor Ort was passendes. Viele Studios finden sich auf der Offiziellen Hompage von Kalymnos. Der Übernachtungspreis pro Person liegt je nach Jahreszeit und Lage der Wohnung zwischen 7 und 20 Euro.

2. Campen

Wildes Campen ist auf Kalymnos strikt verboten und derzeit gibt es keinen offiziellen Campingplatz.

Beste Jahreszeit

Kinga klettert Ector (6c) im Sektor Illiada

Auf Kalymnos kann das ganze Jahr über geklettert werden. Je nach Temperatur-Vorlieben des Einzelnen, werden allerdings manchem viele Tage im Sommer zu heiss und anderem viele Wintertage zu kühl sein.

Ideale Jahreszeit ist der Herbst von etwa Mitte September bis Mitte/Ende November. Dann ist das Meer noch warm, die Tage sind meist bereits erträglich, so dass auch mal die ein oder andere Stunde in der Sonne geklettert werden kann und die lauen Abende erlauben ein ausgiebiges Apres-Climbing.

Auch im späten Frühjahr ab etwa Mitte März bis Mitte Mai herrschen überwiegend angenehme Temperaturen, wobei dann die Gegensätze noch stärker sein können. Wenn der Nordwind bläst, kanns noch kühl sein, während an einem windstillen sonnigen Apriltag das Klettern in der Sonne bereits nur noch ausgesprochenen Hitze-Freaks empfohlen werden kann.

Im Winter hingegen kehrt sich das ganze um - dann wird man die Sonne suchen und Schatten und Wind meiden - auch mit etwas mehr Schlechtwettertagen muss zu dieser Zeit gerechnet werden.

Der Hochsommer ist dagegen nur denjenigen zu empfehlen, die entweder absolut hitzresistent sind oder einen Badeurlaub mit Klettern kombinieren wollen und sobald es zu warm wird sowieso nur noch im Wasser zu finden sind. Bei Wind herrschen allerdings in den schattigen Sektoren auch zu dieser Jahreszeit meist noch kletterbare Bedingungen.

Kletterrouten

Auf Kalymnos gibt es mittlerweile etwa 1000 Sportkletterrouten in etwa 50 Sektoren und es werden wöchentlich mehr. Einige der lohnendsten Sektoren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) sind:

  1. Ghost Kitchen
    Die eindrucksvolle Wand mit irren Sinterstrukturen befindet sich oberhalb von Skalia, ca. 6 km nördlich von Masouri. Hier wachsen die Sintersäulen nicht senkrecht hinab, sondern waagrecht aus der Wand, was coole No-Hand-Rests und Kletterbewegungen ergibt - die Schwierigkeiten liegen meist zwischen 6c und 7b. Daneben findet sich links noch ein sehr lohnender technischer Sektor mit einigen Routen von 6a bis 6c und links unterhalb an der Platte befinden sich etwa 10 geneigte Klettereien zwischen 5b und 6b.
    Sitzplatz auf dem Sinter an der Ghost-Kitchen
  2. Arhi
    Diese eindrucksvolle Wand bei Arginonta etwa 5 km nördlich von Massouri gehört zu den ältesten und beliebtesten Sektoren von Kalymnos. Dementsprechend sind hier auch einige der wenigen Routen der Insel, die bereits erste Anzeichen von Politur aufweisen. Dies betrifft insbesondere die Klassiker im Bereich 6b bis 8a in der Grotte - die Wandklettereien und Plattenrouten rechts und links davon (ca. 30 Routen in den Schwierigkeiten von 5a bis 7a) sind dagegen meist rauher den Fingerspitzen lieb ist.
    Die Route Kastor (6c+) in Arhi
  3. Odyssey
    Mit Sicherheit einer der Hauptsektoren von Kalymnos, was einerseits auf die zentrale Lage mit dem bequemen Zustieg, die ausgezeichnete Felsqualität und das große Routenspektrum mit über 60 Routen zwischen 4c und 8c zurückzuführen ist. Insbesondere der Bereich mit den leichteren bis mittelschwierigen Routen rechts ist zur Hochsaison leider meist stark überfüllt. Die meisten Routen liegen den größten Teil des Tages im Schatten, vor allem in die Grotten scheint die Sonne erst am späten Nachmittag hin, bzw. im Spätherbst überhaupt nicht mehr.
    Der Sektor Odyssey
  4. Illiada
    Einer der schönsten Sektoren im mittleren Schwierigkeitsbereich liegt unweit rechts vom Odyssey. In Illiada finden sich neben etwa 20 Routen im Bereich 5a bis 6a+ auch sehr schöne und abwechslungsreiche Klettereien im Bereich 6c bis 7c. Ein absolutes Muss für jeden Kalymnosaufenthalt. Die Wand bekommt etwa ab Mittag Sonne, die dann bis zu ihrem Untergang bleibt.
    In Illiada gibts auch viele leichtere Routen wie hier die Ajax (5a)
  5. Spartacus
    Ein sehr schöner Sektor mit gut 25 steilen Routen entlang toller Linien liegt links oberhalb der Grande Grotta. Es handelt sich überwiegend um großgriffige, athletische Kletterei im Schwierigkeitslevel 6b bis 8a. Die Wand liegt die meiste Zeit im Schatten und ist daher vor allem an warmen Tagen empfehlenswert.
     
  6. Afternoon
    Sehr schöner Sektor für Routen im unteren und mittleren Schwierigkeitsbereich (4a bis 6c), der ideal zwischen der Grande Grotta und Spartacus platziert ist, so dass bei inhomogenen Seilschaften mit einer Minute Fussmarsch sofort wieder eine leichtere Tour erreicht werden kann. Auch diese Wand bekommt erst spät am Nachmittag Sonne.
     
  7. Grande Grotta
    Das Schaustück von Kalymnos. Auch wenn andere Sektoren mit ähnlich spektakulären Routen aufwarten ist sie aufgrund ihrer Lage direkt über Masouri, bzw. Armeos und der gewaltigen Dimensionen eines der absoluten Highligts auf Kalymnos. Wer steile Sinterzapfenkletterei liebt, wird von der Grande Grotta begeistert sein. Trotzdem finden sich erst 14 Routen zwischen 6a+ und 8a+ in diesem eindrucksvollen Dom.
     
  8. Panorama
    Breite Sinterwand unmittelbar rechts der Grande Grotta. Die etwa 35 Routen verlangen meist ausdauernde Sinterkletterei im Schwierigkeitsgrad 6b+ bis 8a+
     
  9. Stankill
    Der kleine und eher ruhige Sektor liegt zwischen Panorama und Kalydna. Die plattigen Routen sind technisch sehr anspruchsvoll und die Bewertung ist für Kalymnos eher streng angesiedelt. In einer Art Canyon gibts dann oberhalb noch einige steile Routen an sehr scharfem Fels.
     
  10. Kalydna
    Etwas ungewöhnliche Kletterei für Kalymnos bietet der Sektor Kalydna, der Fels ist weniger steil als sonst und oft herrscht eher technische Kletterei an Leisten und kleinen Sinterknollen vor. Die Routen sind sehr lang und ein 70 m Seil ist meistens empfehlenswert. Für die Top-Route (Aurora-Extension, 8a) sollte ein 90m Strick im Gepäck sein.
     
  11. Poets
    Sicherlich einer der schönsten Sektoren im mittleren Schwierigkeitsbereich auf Kalymnos. In den ca. 30 Routen spielt die Musik überwiegend im Bereich 5c bis 6c - bei der Kletterei handelt es sich um abwechslungsreiche Platten mit Tropflöchern, Leisten, Taschen und Versinterungen.

Kletterführer

Kletterführer Kalymnos Kalymnos - Rock Climbing Guide von Aris Theodoropoulos. Umfassender Führer aus dem Jahre 2006 von einem der Haupterschliesser. Die meisten Sektoren sind in dem Führer enthalten, ein kostenloses Update gibts im Climbers-Nest in Masouri. Sehr schön aufgemachter Kletterführer mit Wandbildern von allen Sektoren, in die die Routen direkt eingezeichnet sind. Komplett zweisprachig griechisch und englisch, wobei die Routenkommentare nur in englisch gehalten sind. Der Führer ist vor Ort in diversen Geschäften erhältlich und kostet 35 Euro.

Kalymnos als Segelrevier

Auch für kletternde Segler oder segelnde Kletterer ist Kalymnos ein perfekter Stützpunkt. Wer nur mal ein paar Tage Auszeit nehmen möchte, kann sich z. B. in der Nachbarinsel KOS eine Yacht chartern (Wochenpreise unter 1000 Euro) und dann in die einsamsten Buchten schippern. Die noble Variante wären natürlich gleich ein eigenes Boot, was aber ordentlich Kleingeld erfordert. Die Alternative dazwischen wären Gebrauchtboote, die mit etwas Glück bereits in der Preisklasse eines Mittelklasseautos zu haben sind. Der wichtigste Hafen von Kalymnos ist Pothia.

Nützliche Links

Offizielle Website von Kalymnos - mit vielen nützlichen Infos zum Klettern, zur Infrastruktur und zu Sehenswürdigkeiten.

Climbers Nest - Sportgeschäft und Infoquelle vor Ort

 

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