Sportklettern Italien

Klettern in Ligurien: Val Pennavaire (Albenga)

Steile Felsen in einsamer unberührter Landschaft im Val Pennavaire bei Albenga
Steile Felsen in einsamer unberührter Landschaft im Val Pennavaire bei Albenga, Foto: Flo Schiffer

Nur unweit vom Traditionsgebiet Finale Ligure haben sich mittlerweile viele aufstrebende Klettergebiete entwickelt. Das vielfältigste davon ist das Val Pennavaire - südlich von Albenga. Am bekanntesten war lange Zeit das Massiv von Castelbianco, da es lange Zeit als "steile Alternative" zu Finale galt. Während in Finale insbesondere senkrechte bis leicht überhängende, technisch anspruchsvolle Routen den weit überwiegenden Teil des Kletterpotentials ausmachen, finden sich hier richtige Überhänge. Daneben fanden sich aber bereits zum Ende der 90er Jahre im Val Pennavaire viele weitere sehr schöne und weitgehend unbekannte Felsen. Eine starke Dynamik in die Neuerschließung ist dann aber etwa zur Jahrtausendwende ins Tal eingezogen. Insbesondere eine Gruppe Genueser Kletterer um Luca "Blond" Biondi und Andrea "Dinda" Bisio erschlossen Routen wie am Fließband. Einer großen Öffentlichkeit wurden die Felsen im Val Pennavaire dann aber schlussendlich durch Andrea Gallo's Kletterführer "Oltrefinale" bekannt, der im Jahr 2007 erschien.

Anreise:

Mit PKW entweder über die Autobahn Mailand - Genua, dann an der Küstenautobahn in Richtung Ventimiglia bis zur Ausfahrt Albegna. Hier fährt man nach Süden durch die kleine Ortschaft Cisano, bis man in Martinetto nach links ins Val Pennavaire abbiegt. Von der Autobahn bis Martinetto sinds ca. 5 km. Von Finale Ligure fährt man etwas 30 min. - man kann also beide Gebiete sehr gut miteinander kombinieren.

Übernachtung:

1. Camping: Campingplätze gibts u. a. in Albegna aber auch an den anderen Küstenstädten.

2. Ferienwohnungen:

Vor allem in der dunklen Winterzeit ist zelten eher was für die Hartgesottenen, wer nicht auf einen kompfortablen Campingbus zurückgreifen kann, für den bieten sich Ferienwohnungen als Stützpunkt an. Eine gute und relativ günstige Wohnung kann man in Vesallo mieten. Von dort ist z. B. das Gebiet "Bausu" in etwa 30 min. zu Fuß erreichbar.

3. "Biwakieren"

Das ligurische Hinterland ist nur relativ dünn besiedelt, allerdings sind die Täler ziemlich steil und meist dicht bewaldet oder mit dornigem Gesträuch überwuchert. Je höher man die Täler hinauffährt, desto eher findet sich ein ruhiges Plätzchen, wo man ein wenig abseits der Straße eine Nacht sein Zelt aufstellen kann. Wasser findet sich häufig in den Orten, wo man die dort noch üblichen Dorfbrunnen "anzapfen" kann.

4. Wer es komfortabler haben möcht: Albergo/Ristorante "Da Gin"

Beste Jahreszeit:

Hier kann man das ganze Jahr klettern. Von November bis Ende März sollte allerdings sonniges Wetter herrschen, sonst wirds schon sehr ungemütlich. Im Hochsommer ist es natürlich relativ heiss, wobei der Wandfußbereich oft durch Laubbäume verdeckt ist (z. B. Bausu), die Schatten spenden.

Maria vom Rock&Bloc-Team in den steilen Sintern im Val Pennavaire - Foto: Flo Schiffer
Maria vom Rock&Bloc-Team in den steilen Sintern im Val Pennavaire - Foto: Flo Schiffer

Gebiete:

Eine ganz gute Übersicht über die Gebiete mit Zugangsbeschreibungen gibt es bei bikeandclimbup.ch

  1. Castelbianco
    Die bekannteste Wand im Tal, die ausschließlich den Hardmovern vorbehalten ist. Zwei 6c's zum Aufwärmen, ansonsten finden sich nur Routen im 7. und 8. französischen Grad. Es überwiegt steile Kletterei an Leisten, Löchern und Sinterfahnen. Einige Infos auf italienisch und eine Routenübersicht gibts bei Falesia.it.
  2. Terminal
    Ganz neu erschlossene Wand gleich neben dem Hauptsektor von Castelbianco. Hier gibts wohl noch jede Menge Projekte, ein Topo kann ich leider nicht liefern. Die Schwierigkeiten dürften vor alle im rechten Teil etwas gemäßigter sein als in Castelbianco, an der linken, überhängenden Sinterwand wird jedoch unter 7a ebenfalls nix zu holen sein. Ganz witzig ist die Felsstruktur, hier lagert Kalkfels auf einer Art Gneis, so dass man zwei Gesteinsarten in einer Route findet. Wirklich schön zu klettern ist jedoch erst der obere Kalk-Teil, der z. T. stark versintert ist. Die Routen sind meist sehr lang, so dass ein 70 m Seil unbedingt emfpehlenswert ist.
  3. Euskal
    Diese Wand hab ich selbst noch nicht besucht - sie bietet ebenfalls vorwiegend schwierigere Routen ab 6b.
  4. Telematica
    Schöne Wand ein Stück rechts von Euskal mit ca. 25 Routen zwischen 4c und 6c - wohl die lohnendste Wand für Routen in den unteren und mittleren Schwierigkeitsgraden. Allerdings war ich dort bisher noch nicht.
  5. Bausu
    Das abwechslungsreichste und größte Gebiet im Tal ist der "Bausu" hoch über Vesallo. Wer einmal den relativ langen Zustieg hinter sich gebracht hat, den erwarten ca. 80 hervorragende Routen in bestem, rauhem Kalk. Die meisten Routen bestehen aus einer Seillänge, die häufig 30m oder sogar noch einige Meter länger ist. Es finden sich aber auch Anstiege bis zu 4 Seillängen.
    Die Wand besteht aus 4 Untersektoren mit jeweils unterschiedlichem Charakter:
    • Malavoglia ist die erste Wand an der man vorbeikommt. Hier herrscht plattige Kletterei an scharfen Tropflöchern vor. Da sich an diesem Sektor relativ viele einfachere Routen im Bereich 5c bis 6a+ befinden dürfte es neben Castelbianco die einzige Wand im Tal sein, an der gelegentlich nennenswerter Andrang herrscht. In einigen Routen sind auch bereits Ansätze von Politur auf den Griffen erkennbar.
    • Die Grotta Micromachines ist eine kleine Grotte mit 2 Routen im 7. Grad und zwei Projekten, gleich links von Malavoglia
    • Bausu Destro ist ein eher unübersichtlicher Sektor, mit zwar gutem Fels aber nur wenigen Routen - ebenfalls im gemäßigten Schwierigkeitsbereich.
    • Bausu Centrale ist der breite Hauptsektor der Wand. Hier finden sich viele, sehr unterschiedliche Routen, von technisch anspruchsvoller Plattenkletterei, über diffizile, leicht überhängende Sinterwände bis hin zu athletischen Touren. Teilweise sind die Routen etwas weiter auseinander, hier ist noch einiges Felspotential vorhanden, auch wenn mittlerweile schon wieder einige Touren dazugekommen sind.
    • La Fontana ist der oberste und meiner Meinung nach schönste Sektor am Bausu. Ein extrem abwechslungsreiches Routenspektrum im 6. und 7. Franzosengrad, bester, rauher Fels und ein gemütlicher Wandfuß lassen keine Wünsche offen. Nur für die reinen Soft- und Hardmover gibts kaum Betätigungsfeld.
  6. Rocca Rossa
    Diese Wand war auf den alten Firstout-Seiten beschrieben, die Beschreibung habe ich übernommen. Es handelt sich um ein etwas höheres Massiv mit vorwiegend schwierigen Routen.
  7. Coletta
    Kleine aber nette Wand zwischen Veravo und Coletta mit 14 Routen ab etwa 6a.
  8. Muro Rosso di Alto (Red Up)
    Tolle Wand nahe der Ortschaft Alto. Die Hauptwand teilt sich in zwei (zusammenhängende) Bereiche. Im linken Bereich ziehen ausschliesslich schwierige Routen die überhängende, versinterte, gelbschwarze Wand in die Höhe. Rechts herrscht sehr schöne Kletterei im Schwierigkeitsbereich von 5c bis 6b+ vor. Genauere Infos zu der Wand gibts hier
  9. Wer noch länger Zeit hat, sollte sich auch die Klettermöglichkeiten rund um das Rifugio Mongioie anschauen!

Literatur:

Kletterführer Oltrefinale #2 von Adrea Gallo (2007), erhältlich in Finale im Rockstore, vor Ort im Buchhandel oder in der Szenekneipe in Cisano im Zentrum. Ausserdem bestellbar bei Climbing.de.

Reiseführer Ligurien - bestellbar bei AMAZON oder direkt beim Verlag - für die Ruhetage oder für einen längeren Urlaub eine sehr hilfreiche Informationsquelle.

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