Oster-Skitour in Zentral-Spitzbergen

Dieser Bericht von Martin Berg ist aus dem ehemaligen Online-Magazin "Firstout" übernommen worden, das leider seine Pforten schliessen musste.

 

Jetzt gehts los!Der Motorenlaerm wird langsam leiser waehrend die vier Scooter schnell immer kleiner werden. Zwei Stunden hat unser Transport von Longyearbyen hierher an die Gletscherfront des Van Postgletschers am Ende des Tempelfjords gedauert. Jetzt kann es endlich losgehen, die Pulkas sind gepackt, die Felle aufgezogen, eine ganze Woche liegt vor uns. Vier Tage wollen wir hier im zentralen Teil Spitzbergens Skitouren machen und einige Bergen besteigen, danach dann wieder zurueck nach Longyearbyen gehen. Wir, das sind vier UNIS-Studenten, die beiden Daenen Sisse und Jon, die Norwegerin Anne Marthe und ich. Nicht zu vergessen natuerlich die beiden Groenlandhuskis Blacki und Bruno.  
Fuer mich ist es das erste Mal, dass ich Hunde auf einer solchen Tour dabei habe, doch schon am ersten Tag haben sie mich vollkommen ueberzeugt: nie wieder ohne! Sie sind nicht nur eine grosse Hilfe beim Ziehen der Pulkas,sondern sorgen vor allem dafuer, dass wir nachts gut schlafen koennen: sie warnen uns rechtzeitig, falls sich ein Eisbaer unserem Camp naehern sollte.
 

 im CampUnser Ziel fuer den ersten Tag liegt schon deutlich vor uns. Nach einem problemlosen Aufstieg ueber den Van Postgletscher schlagen wir am Abend unsere Zelte am Fusse des Hampusfjellet auf. Doch vorher muessen erst die Hunde versorgt werden. Blacki und Bruno bekommen beide pro Tag ein Kilogramm Robbenfleisch , das sie jedesmal innerhalb weniger Minuten komplett mit Knochen und Fell verschlingen.
Am naechsten Tag geht es weiter bergauf, erst weiter auf dem Van Postgletscher, dann ueber den Phillipsgletscher direkt nach Norden. Dort locken uns einige Berge, von denen wir uns eine gute Sicht nach Norden ueber die grossen Inlandsgletscher und nach Osten bis zur Ostkueste erhoffen. Dort wollen wir einen Tag bleiben und einige davon besteigen. Und unsere Hoffnungen werden mehr als erfuellt.

 
der GipfelBei wunderschoenem sonnigen und windstillem Wetter machen wir mehrere Skibesteigungen auf diese Gipfel, die sicherlich nicht gerade oft Besuch bekommen. Auf Grund der Hoehenlage (unsere Zelte stehen auf 750m) sind die Naechte allerdings eiskalt. Tagsueber liegen die Temperaturen bei ca. -20 bis -25 Grad Celsius, aber wenn die Mitternachtssonne nachts fuer einige Stunden hinter den Bergen verschwindet, faellt das Termameter schnell auf - 30 und kaelter. Es kostet morgens einiges an Ueberwindung aus dem Schlafsack zu kriechen, denn jedes Mal bekommt man eine eiskalte Dusche durch das gefrorene Kondenswasser, das in eigentlich wunderschoenen Eiskristallen im Innenzelt haengt. Doch auch das geht vorbei, und spaetestens wenn man wieder in Bewegung ist, (und die Pulka zieht) wird einem schnell warm.
 

 
TempelfjordenNach zwei Tagen im Gebiet der Friedrichsberge wird es langsam Zeit weiter zu kommen. Von einem der gestrigen Gipfel haben wir uns eine vielversprechende Route fuer den Rueckweg ausgeguckt. Es wird der schoenste Tag der ganzen Tour! Erst gehen wir weiter nach Norden bis zum Uebergang des Phillipgletschers zur Filchnerfonna. Von dort geht es zwischen wunderschoenen Bergen recht steil abwaerts auf einem kleinen Gletscher hinunter zum Tunagletscher. Den Rest des Tages geht es am Fusse wunderschoener Tafelberge hinunter zum Tempelfjorden.Hier in der Ebene ziehen die Hunde die Schlitten praktisch alleine, von daher gleiten wir wirklich unbeschwert entlang den bizarresten Felsformationen.

 
TunabreenNicht umsonst wird Spitzbergen ein Bilderbuch fuer Geologen genannt! Doch auch Biologen kommen hier nicht zu kurz, da die vielen Nischen und Absaetze von Eissturmvoegeln als Nistplaetze genutzt werden. Und es herscht wirklich ein reger Flugverkehr! Am Abend schlagen wir unser Lager in der Moraene des Tunagletschers mit toller Aussicht ueber die von Spalten zerissene Gletscherfront des Tunagletschers und den Tempelfjorden auf. Wir waren waerend des ganzen Tages gespannt gewesen, ob uns diese Spaltenzone Probleme bereiten wuerde, doch wir fanden zum Glueck einen einfachen Weg ueber die Seitenmoraene an den Spalten vorbei. Die naechsten drei Tage geht es dann zurueck nach Longyearbyen. Das ist eine Strecke, die ich von zahlreichen Scootertouren gut kenne, aber entgegen meiner Befuerchtungen wird es nicht langweilig. Als Skilaeufer ist man eher ein Teil der Landschaft, man schimpft ueber Steigungen (wo die Pulka doch sehr bremst) und freut sich ueber jede kleine Abfahrt.Und man bekommt endlich wieder ein Gefuehl fuer Entfernungen, fuer Strecken, die man mit dem Scooter innerhalb einer Stunde zuruecklegt, brauchen wir einen Tag. Aber dank Bruno und Blaecki geht es wirklich zuegig voran, jeden Tag mehr als 20 km.
 

es geht abwärtsEs ist wirklich unglaublich, was diese Hunde ziehen koennen. Mit aller Kraft stemmen sie sich in die Gurte, der Ruecken gekruemmt, den Schwanz hoch aufgerichtet und immer wollen sie der Erste sein. Warum koennt ihr nicht schneller gehen, wir koennen es doch auch, sagen sie uns mit ihren vorwurfsvollen Blicken, wenn sie sich umdrehen und uns wohl auffordern wollen, auch beim Ziehen zu helfen! Der letzte Tag stellt dann eigentlich zum ersten mal unsere Geduld auf die Probe. Wir gehen duch den untersten Teil des Adventdalens, schon seit der Mittagsrast sehen wir Longyearbyen, doch das Ziel will und will einfach nicht naeher kommen. Ploetzlich haben wir alle nur noch eine warme Dusche, Berge mit Salat und ein Abendessen ohne Handschuhe an zu haben im Kopf! Irgendwann haben wir dann auch diese letzten Kilometer geschafft, muede aber den Kopf voller neuer Eindruecke und Ideen geniessen wir den ersten Abend "zurueck in der Zivilisation". "Wie waere es mit einer Kajaktour im Sommer ?" - wir sind schon wieder voll dabei neue Plaene zu schmieden…!