Markus Stadler

Ausrüstung Klettern

Ultralight-Rucksack "Trad 18" von Ortovox

Federleichter Begleiter für alpine Kletterrouten

Vorweg: Der Rucksack wurde mir vom Hersteller Ortovox im Rahmen einer Kooperation kostenlos zum Testen zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit mit den Herstellern beinhaltet, dass ich Testberichte vor der Veröffentlichung frei geben lasse. Fällt er nach Meinung des Herstellers zu schlecht aus, wird er nicht veröffentlicht, sondern dient als Feedback für die Produktentwicklung. Ich veröffentliche keine geschönten Testberichte, sie geben meine ehrliche Meinung und meine Erfahrungen mit den Produkten wieder.


Der Trad 18 in der Fiechtl-Weinberger-Route an der Predigtstuhl-Westwand.

Die Testtouren

Ich hatte den Rucksack beim Alpinklettern bereits mehrmals dabei - entweder als einzigen Rucksack für die gesamte Seilschaft oder als Rucksack für meine persönlichen Sachen, während mein(e) Seilpartner ebenfalls einen Rucksack mitführten. Daneben hab ich den Rucksack auch bereits ein paarmal auf schnellen Solo-Kraxeleien und kurzen Bergläufen/Trailruns verwendet, wo ich außer einer Trinkflasche, einer dünnen Jacke, Geldbeutel und Autoschlüssel sonst nichts dabei hatte.

Technische Daten

MATERIAL: Nylon 10D Ripsstop + Nylon 210D HD Ripstop
GEWICHT: eigene Messung 240 g, Herstellerangabe 225 g

Trad 18 Kletterrucksack von OrtovoxAusstattung

  • Materialschlaufen
  • Seilbefestigung
  • seitliche Reißverschlusstasche mit Schlüsselbefestigung
  • Trinksystemaufhängung und Ausgang für Trinksystemschlauch
  • Brustgurt mit Signalpfeife
  • gepolsterte Tragegurte und gepolstertes Rückenteil
  • kann in seiner eigenen Seitentasche komplett verstaut werden

Stauraum

Der Hersteller sieht den Trad 18 in erster Linie als Rucksack für die Klettertour, der im Zustieg im größeren Rucksack (z. B. Trad 35) mitgetragen wird. So angewendet bietet er genügend Platz für die persönlichen Habseligkeiten auf kürzeren und auch längeren Klettereien ohne Biwakzeugs. Dazu gehören Erste-Hilfe-Ausrüstung, Regenschutz, Fleecpulli, Trinkflasche, Brotzeit und Abstiegsschuhe. Ein leichter Biwaksack sollte auch noch Platz finden.

Deutlich knapper ist das Raumangebot, wenn in einer Zweierseilschaft nur ein Rucksack mitgeführt werden soll. Dann haben wir uns die Zustiegs-/Abstiegsschuhe jeweils noch an den Klettergurt gehängt, sonst spürt man diese durch das Rückenteil schon arg hindurch. Bei Klettereien mit eher kurzem Zustieg, wo man nach der Tour nicht mehr zum Einstieg gelangt (z. B. Nordwandtouren an den Drei Zinnen) wird man kaum einen zweiten Rucksack mitnehmen. Hier hilft dann nur, den Gurt bereits anzuziehen und alles was nicht in den Trad 18 passt an die Klettergurte zu hängen. Die Seile bindet sich dann der Kletterpartner auf den Rücken. Falls beide mit Rucksack klettern, dann reichen wohl zwei Trad 18 für das gesamte Geraffel aus.

Tragekomfort und Praxiseinsatz


Beim Klettern spürt man den Rucksack auf dem Rücken kaum.

Ich bin 1,82 m groß mit eher schlankem Oberkörper. Für mich trägt sich dieser Leicht-Rucksack beim Klettern sehr komfortabel. Mit einem Paar Halbschuhen, Literflasche und Kleinzeugs drin hat er kaum mehr als 3 Kilogramm und ist dann auf dem Rücken fast nicht spürbar. Abstriche muss man hingegen machen, wenn er mit sehr schweren oder sperrigen Gegenständen voll beladen ist (also als alleiniger Materialrucksack für eine 2er Seilschaft im Zustieg bis oben hin voll gestopft + Halbseil oben auf). So gesehen eher eine Notlösung für kürzere Strecken - bei einem dreistündigen Zustieg würde ich dann wohl eher auf einen anderen Rucksack zurückgreifen. Dafür lässt sich der Trad 18 aber im Leerzustand super klein zusammenlegen und so ohne großen Mehraufwand bis zum Einstieg im größeren Tagesrucksack mitnehmen.

Die Seilbefestigung für ein Halbseil funktioniert auch gut, bei dickem Einfachseil und voll gepacktem Rucksack könnte das Bandl aber knapp werden. Die Seitentasche für Wertsachen (Handy, Geldbeutel, Schlüssel) finde ich nicht so gut gelöst. Wenn man den Reißverschluss vollständig öffnet, fällt alles nach unten raus, da muss man gut aufpassen. Den Schlüssel kann man immerhin an einem Haken sichern. Das ließe sich verbessern, wenn der Hersteller den Reißverschluss unten etwas kürzen würde.

Kamin im Zack-die-Bohne-Pfeiler am Totenkirchl, Wilder KaiserIn punkto Lebensdauer kann ich noch nicht allzuviel sagen. Immerhin hatte ich bei der letzten Klettertour am Totenkirchl im Zack-die Bohne-Pfeiler einen engen Stemmkamin zu bewältigen, wo der Rucksack deutlich hörbaren Felskontakt hatte. Man sieht jetzt am Außenmaterial, dass es an einigen Stellen an Glanz verloren hat, wirklichen Schaden hat es aber nicht genommen. Ansonsten sind noch alle Haken, Ösen und Nähte in Takt.

Bild links: Diesen Kamin hat der Trad 18 immerhin schon mal unbeschadet überstanden.

Noch kurz zur Eignung als Trailrunning-Rucksack. Da ich nur selten mit Rucksack Berglaufen gehe, hab ich keinen direkten Vergleich mit speziellen Laufrucksäcken. Allerdings taugt mir der Trad 18 dafür auch ganz gut, so dass ich keinen Bedarf sehe mich nach etwas anderem umzusehen. Einziges Manko: er könnte noch etwas besser am Körper fixierbar sein und beim Laufen weniger rumschlackern.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ Super leicht
+ Beim Klettern mit ca. halber Füllung sehr komfortabel und kaum spürbar
+ für das geringe Gewicht relativ viel Stauraum
+ kleines Packmaß, läßt sich in der eigenen RV-Tasche komplett verstauen

- Die Seitentasche (Wertsachenfach!?) ist eher unpraktisch angebracht
- Bei voller Bepackung (als Zustiegsrucksack oder als alleiniger Rucksack für eine 2er Seilschaft) Einschränkungen im Tragekomfort

Fazit: Wer bei schwierigeren alpinen Tagesklettereien auf jedes Gramm Gewicht schaut, aber trotzdem einen Rucksack durch die Tour mitnehmen möchte/muss, für den ist der Trad 18 von Ortovox ein durchdachter, praxistauglicher Begleiter.