Markus Stadler

Ausrüstung

Funktionsjacken

Marktübersicht und Einsatzzweck


Bei Hochwinter-Skitouren in die Dreitausenderregion ist der Wetterschutz das A und O. Foto: Windacher Daunkogel, Stubaier Alpen.

Funktionsjacken brauchen wir, um uns bei körperlicher Betätigung vor Wind, Regen, oder Kälte zu schützen. Die "Funktion" dieser Art von Bekleidung besteht im Gegensatz zu simplen Plastikumhängen vor allem darin, einen Wärme- und Feuchtigkeitsstau zu verhindern. Daneben bieten Hard- und Softshelljacken aber viele weitere nützliche Features, die sich der Outdoorsportler wünscht.  Das Angebot der verschiedenen Hersteller von Funktionsjacken (wie z. B. Schöffel) und die Auswahl in spezialisierten Fachgeschäften ist schier endlos, was die Entscheidung nicht leicht macht. Bevor man daher eine Jacke kauft, sollte man sich darüber klar werden, für welchen Einsatz sie benötigt wird. Je nachdem leitet sich daraus das passende Material ab:

Funktionsjacke ohne Membran

Diese Art von Jacke kann man auf Touren verwenden, bei denen man eine leichte, besonders atmungsaktive Wärmeschicht haben möchte. Diese Jacken schützen bedingt gegen Wind, aber Regen halten sie überhaupt nicht ab. Für Radtouren, leichte Wanderungen, beim Spazierengehen, aber auch beim Berglauf ist diese Jacke bei Schönwetter ein guter Begleiter.


Eine flexible, atmungsaktive Funktionsjacke hält beim Alpinklettern in schattigen Wänden warm, transportiert den Schweiß ab und stört die Bewegungsfreiheit nicht. Foto: Roli Hemetzberger in "Scheffler-Siegert (10-), Fleischbank.

Softshell-Jacke

Die klassische Softshell-Jacke ist sehr gut geeignet für Wanderungen, Bergtouren, Skitouren, Klettersteige und Klettertouren an denen das Wetter voraussichtlich trocken bleibt. Ein bisschen Nieselregen macht dabei keine Probleme. Ist sie zudem winddicht (auf diese Eigenschaft beim Kauf achten), hat man einen wirksamen Schutz gegen den Wind-Chill-Effekt und unterbindet damit die Auskühlung des Körpers. Sie sollte möglichst leicht und klein verstaubar sein, da sie für kältere Temperaturen und richtiges Regenwetter ohnehin weniger geeignet ist. Die perfekte Jacke für alle sportlichen Betätigungen, wo es mal windig oder kurz nass werden kann. Speziell auf kurzen Touren, wo man schnell wieder im Trockenen ist, kann man eine Softshell-Jacke aufgrund ihrer Leichtigkeit immer mitnehmen.


Robuste und dickere Softshells können auf Hochtouren mit gutem Wetter eine Hardshell ersetzen.
Foto: Olperer-Nordgrat im Oktober.

Zweilagige Hardshell

Die äußere Schutzschicht und die innen aufgebrachte, wasserdichte und atmungsaktive Membran sind hierbei miteinander verklebt. Innen hängt lose ein (Netz-) Futter, das vor allem verhindert, dass die empfindliche Membran beschädigt wird. Diese Jacken verlieren im Bergsport zunehmend an Bedeutung, da sie etwas schwerer und voluminöser sind als 2,5 Layer, aber ähnliche Einsatzzwecke haben.

Funktionsjacke mit Membran (2,5 Layer Hardshell)

Bei der 2,5 Layerjacke wurde das Futter weggelassen und auf der Innenseite der Membran wurde eine sehr dünne Schutzschicht aufgetragen. Membran-Jacken lassen keinen Regen durch und sind auch  atmungsaktiv. Für Gelegenheitswanderer und -bergsteiger, die nicht wegen ein jedem Regentropfen in einer Hütte Zuflucht suchen wollen und nur mit kleinem Rucksack unterwegs sind, ist das eine günstige Alternative zu den robusteren Hardshell-Jacken. Außerdem sind diese leichten und oft etwas modischer gestylten Membran-Jacken sehr gut im Alltag einsetzbar, wenn man nicht ständig mit Regenschirm unterwegs sein möchte.


Für sonnige Tages-Skitouren benötigt man die Jacke vor allem als Windschutz bei Pausen und für die Abfahrt - ideal ist hier eine leichte 2,5-Lagen-Jacke. Foto: Abfahrt von der Rote-Rinne-Scharte, Wilder Kaiser

 

Dreilagige Hardshell-Jacke

Diese Art von Jacke ist jedem zu empfehlen, der viel auf Bergen und bei nahezu jedem Wetter draußen unterwegs ist. Sie bietet hervorragenden Schutz bei Dauerregen sowie Wind und ist damit ein treuer Begleiter auf allen ambitionierteren Touren. Besonders das längere Tragen schwerer Rucksäcke beansprucht die Dichtigkeit der Membran stark. Zudem sind diese Jacken sehr reißfest und bieten erhöhte Widerstandsfähigkeit beim Einsatz in Fels und Eis. Diese Strapazierfähigkeit unterscheidet Hardshell-Jacken vorrangig von 2,5 Layer-Jacken, was sich dafür aber auch in höherem Gewicht und einer steiferen Haptik bemerkbar macht. Hardshell-Jacken für Bergsteiger sind immer mit einer atmungsaktiven Membran wie z. B. Gore-Tex ausgestattet und damit begrenzt atmungsaktiv. Begrenzt insofern, dass eine hoch-wasserdichte Membran grundsätzlich weniger Feuchtigkeit nach außen läßt als eine qualitativ gleichwertige Membran mit geringerer Dichtigkeit (niedrigerer Wassersäule). Der Feuchtigkeitsabtransport funktioniert umso besser, je geringer die Luftfeuchtigkeit ist bzw. ist bei sehr feuchter Luft praktisch null.


Lange Touren mit schwerem Rucksack erfordern robuste Drei-Lagen-Hardshells. Foto: Lyskamm-Überschreitung im Winter.

Empfehlung

Wer grundsätzlich nicht bei Regen vor die Türe geht und lediglich Bekleidung für kurze Wanderungen, Bergläufe und Radtouren benötigt, der wird mit einer leichten Softshell-Jacke oder einer Jacke ohne Membran zufrieden sein.

All jene, die viel Outdoor unterwegs sind und auf ihren Bergtouren einen gewissen Schutz gegen Regen und Wind benötigen, werden mit einer 2,5-Membran-Jacke voll zufrieden sein. Gehen die Ambitionen aber Richtung Hochtouren und Skitouren, sollte man sich schon überlegen, das Geld für eine (teure) Hardshell-Jacke zu sparen.

Für ambitionierte Bergsteiger empfiehlt sich eine Kombination aus einer sehr leichten Softshell-Jacke für Schönwetter- und Klettertouren mit kurzem Zustieg, sowie eine Hardshell-Jacke für Hochtouren, Skitouren oder Eisklettern. Mit dieser Kombination kommt man meistens sehr gut zurecht, da man für die Kälte ohnehin zusätzliche Wärmeschichten wie eine Daunenjacke braucht (vgl. auch Bekleidung auf Skitouren).


Sturm im Kaukasus auf dem Gletscher des Kazbeg.

Ausstattung

Auf folgende Features solltet ihr beim Kauf von Funktionsjacken achten:

  • Kapuze – vor allem als Schutz vor Regen ein Must-Have. Ist man dabei beim Klettern, in Klettersteigen oder auf Hochtouren unterwegs, sollte der Helm auch unter die Kapuze passen.

  • Lüftungsauslässe – ist die Jacke durch eine starke Membran geschützt, leidet unter Umständen die Atmungsaktivität und gerade im Sommer wird es darunter schnell heiß. Zippbare Öffnungen vor allem im Achselbereich können dabei Wunder bewirken.

  • Reißverschluss – soll die Jacke maximal wasserdicht sein, müssen die Reißverschlüsse mit Kunststoff oder Silikon abgedichtet sein, nur dann lassen sie auch keinen Regen durch.

  • Taschen – Je nach Einsatzgebiet sollte man darauf achten, dass die neue Jacke genug Taschen für Kamera, Handy und bei Bedarf auch für Handschuhe und Haube besitzt. Zumindest eine kleine Tasche für Taschentuch, Schlüssel und ein wenig Geld macht eigentlich immer Sinn.