Markus Stadler

Buchbesprechung Alpinliteratur

Besser Tiger als Schaf

Alex MacIntyre und die Geburt des Alpinstils im Himalaya

Besser Tiger als Schaf - Alex MacIntyre und die Geburt des Alpinstils im HimalayaTitel: Besser Tiger als Schaf

Autor: John Porter

Verlag: Tyrolia-Verlag

Seitenzahl: 384

Preis: 27,95 €

Für wen: Bergsteiger und Kletterer mit einem Faible für die großen Touren an den hohen Himalayabergen.

Wo: online bei Amazon

Rezension:

Alex MacIntyre war Anfang der 1980er Jahre einer der Top-Alpinisten weltweit. Er legte nicht nur neue Linien durch die gewaltigen Himalaya-Wände von Dhaulagiri, Changabang und Shishapangma, sondern trieb insbesondere den Alpinstil an diesen hohen Bergen voran. Gerade mal 28 Jahre war er alt, als er in der Annapurna-Südwand von einem einzelnen Stein getroffen wurde und starb. Trotz seiner vergleichweise kurzen Karriere beeinflußte MacIntyre das Bergsteigen insofern, dass lange, anspruchsvolle Routen an den Expeditionsbergen in der Folge zunehmend in einem schnellen, leichten Stil geklettert wurden. Wie hoch seine Leistungen einzuschätzen sind, sieht man auch daran, dass Voytek Kurtyka gerade mit dem Piolet d'Or für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde - einige seiner herausragendsten Routen hatte er mit Alex durchstiegen.

Einer der wichtigsten Kletterpartner und ein langjähriger, enger Freund von Alex und seiner Familie - John Porter - hat diese Biographie des Ausnahmebergsteigers verfasst.  John war nicht nur maßgeblich an den Kletteranfängen und am Aufstieg MacIntyres zum Profibergsteiger beteiligt, sondern auch bei der letzten, tragischen Expedition an der Annapurna mit dabei. So schildert er in dem Buch sehr persönlich und detailreich die verschiedenen Expeditionen und beleuchtet darüberhinaus den Charakter von Alex MacIntyre aus unterschiedlichen Perspektiven, wozu er viele Zeitgenossen zu Wort kommen läßt.

Auf dem Cover der deutschen Übersetzung der Originalausgabe ("One Day as A Tiger: Alex Macintyre and the Birth of Light and Fast Alpinism ") prangen gleich mehrere Auszeichnungen, entsprechend hohe Erwartungen hatte ich an das Buch. Ganz erfüllt haben sie sich nicht. Einerseits vermisse ich den "roten Faden", sowohl was den zeitlichen Ablauf angeht, erst recht aber was die Charakterisierung der Hauptperson betrifft. Zum zweiten fällt es dem Autor schwer, Dinge auf den Punkt zu bringen. Immer wieder kreist er Absatz über Absatz um einen Aspekt herum, um dann nahtlos beim nächsten Thema weiterzumachen. Und schließlich hätte ein kräftiger Schuss Emotion und eine deutlich größere Portion Humor (der eigentlich integraler Bestandteil des britischen Gemüts ist) den Spaß am Lesen noch mehr gefördert.

Das klingt jetzt so als ob mir das Buch nicht gefallen hätte, was aber nicht stimmt. Die Story an sich ist einmalig und unbedingt lesenswert. Man erhält detailreiche, intime Einblicke in eine inzwischen vergangene, archaische, kompromisslose Bergsteigerszene, die noch weitgehend von der nachfolgenden Kommerzialisierung verschont war. Ein begabter Autor hätte allerdings daraus nicht nur ein gutes, sondern ein sehr gutes Buch gemacht, das die erwähnten Auszeichnungen auch wirklich verdient hätte. Trotzdem kann man es jedem als Kaminlektüre empfehlen, der sich für das anspruchsvolle Bergsteigen im Himalaya interessiert.