Markus Stadler

Buchbesprechung Alpinliteratur

Todessehnen & Lebenssucht

Erzählungen und Erlebnisse, deren Anfang das Leben, deren Mitte der Berg und deren Ende der Tod ist.

Titel: Todessehnen & Lebenssucht
Autor: Harald Weiß
Verlag: Panico-Alpinverlag
Seitenzahl: 160 Seiten
Sprache: deutsch
Preis: 10,00 Euro
Für wen: Kletterer, Bergsteiger und alle daran Interessierten, die Lust auf witzige, intelligent geschriebene Erzählungen mit bergsteigerischen Hintergrund haben.
Wo: online beim Panico-Alpinverlag

Rezension:

Auf der Umschlagrückseite verspricht das Buch "Erzählungen und Erlebnisse, deren Anfang das Leben, deren Mitte der Berg und deren Ende der Tod ist". Mein erster Gedanke dabei war, dass man ein solches Buch besser nicht in die Hände besorgter Eltern oder ängstlicher, nicht kletternder Lebenspartner gelangen läßt. Bei genauerer Überlegung wird allerdings klar, dass eine derartige Charakterisierung in irgendeiner Weise ja auf alle Bergerlebnisse zutrifft - ohne Leben keine Er"leb"nisse und dem Tod können wir alle nicht entrinnen, ob Bergsteiger oder lethargischer Sofapfurzer. Beim Schmökern im Büchlein stellt sich dann auch heraus, dass es sich nicht mehrheitlich um düstere Bergdramen handelt, in denen die Kletterer sterben wie die Fliegen, sondern in denen unser vertikales Tun nachdenklich und/oder humorvoll durchleuchtet wird. Trotzdem finden sich unter den 24 Erzählungen ein paar Storys mit wenig erfreulichem Ausgang für den ein oder anderen Protagonisten, was bei allzu sensiblem Umfeld möglicherweise ratsam erscheinen läßt, die Lektüre nur in ausgewählte Hände gelangen zu lassen, um Pläne für das nächste Nordwandabenteuer nicht zu gefährden.

Im Gegensatz zu vielen anderen alpinen Schreiberlingen fehlt Harald Weiß jeglicher Hang zur Selbstdarstellung. Daher müssen sich alpinliterarisch vorgebildete, bzw. vorgeschädigte Leser keine Sorgen machen hier alpine Heldentaten geballt um die Ohren geschlagen zu bekommen. Die Erzählungen sind alle in der "Ich-Form" geschrieben, als Leser merkt man aber, dass dieses "Ich" nur zum Teil streng autobiografisch zu sehen ist. Wie ein Schauspieler verwandelt sich der Autor immer wieder in eine etwas andere Persönlichkeit mit anderen Erfahrungshorizonten und anderen Macken und Schrullen. Mit einer sehr vielfältigen und wendigen Sprache beleuchtet Harald Weiß das alpine Treiben in so unglaublich vielen Facetten, dass einem klar wird, über was man alles bisher noch nicht nachgedacht hat. Jedem ernsthaften Kletterer und Bergsteiger kann ich dieses Buch daher nur empfehlen - und darüberhinaus all denjenigen, die sich immer schon gefragt haben, warum Kletterer klettern und was am Ende von einer Klettertour in deren Köpfen bleibt oder wie risikobehaftet Bergsteigen wirklich sein kann und wie sich diese Gefahr im Detail auf Geist und Körper auswirken kann. Antworten darauf und auf noch viele weitere Fragen im näheren oder weiteren Zusammenhang mit alpinem Unterwegssein im Gebirge gibt Harald Weiß dem Leser dieses Buches.