Markus Stadler

Skitour Bayerische Voralpen

Stümpfling und Rosskopf

Umstrittene Tourenziele im Skigebiet für den Saisonauftakt

Gipfelrast am Roßkopf
Gipfelrast am Roßkopf

Wenn der erste größere Schneefall auf den aperen Boden fällt, sucht sich der Skitourengeher bevorzugt Touren mit grasigem Untergrund, um sich die Ski nicht zu ruinieren. Das Skigebiet am Spitzingsee eigenet sich hierfür besonders gut, da es bei Staulagen meist viel Schnee bekommt und der Ausgangspunkt bereits relativ hoch ist. Bevor die Pistenraupen den Schnee platzwalzen (was leider von Jahr zu Jahr früher geschieht) sind hier die Tourengeher noch unter sich und verzieren die Hänge mit ihren Zöpferln.

Der Rosskopf war lange Zeit kein Pistenberg, da der frühere kleine Tellerlift nur bei optimalen Bedingungen eingeschaltet wurde. Vor einigen einigen Jahren hat ihn sich das Skigebiet unter den Nagel gerissen, indem die Betreiber einen neuen Sessellift erschlossen und zahlreiche Schneekanonen aufgestellt haben. So ist der Roßkopf nun nicht nur landschaftlich entstellt, sondern auch als Skitour nur noch wirklich interessant, wenn das Skigebiet noch außer Betrieb ist (i.d.R. bis Anfang Dezember, bei wenig Schnee bis Weihnachten). Trotzdem strömen den ganzen Winter über viele "Pistengeher" auf seinen Gipfel.


Von vielen Schneekanonen entstellter Berg

Die große Beliebtheit hat in den letzten Jahren bei den Schneekanonenkönigen vom Spitzingsee für einige Verärgerung gesorgt und so wurde zwischenzeitlich ein pauschales Verbot für das Aufsteigen an Pisten erlassen. Die Frage ob das rechtmäßig ist, wurde inzwischen in diversen Gerichturteilen verneint, so richtig durchsetzen konnte der Seilbahnkonzern das ganze aber ohnehin nicht. Leider setzt sich bei den Touristikern der Region nur sehr langsam die Einsicht durch, dass man die Touren/Pistengeher sowieso nicht fern halten kann und sie andererseits aber ein großes Potenzial an Kunden bieteten, die freiwilig und ohne jede Werbung in ihre Region kommen. Anstatt diesem (überwiegend einheimischen) Publikum passende Angebote zu präsentieren, setzen die Marketing-Schlaumeier vom Spitzingsee weiterhin drauf mit teuerer Werbung und steuerfinanzierten Schneekanonen Urlauber von weit her zu locken und die Tourengeher mit allen Mitteln zu vertreiben. Dass sie sich damit nicht nur die Tourengeher an sich vergraulen (die ja meist aktive Bergsportler der Region sind und so das ganze Jahr über kommen - sei es mit Tourenski, Mountainbike oder zum Wandern), sondern sich auch ihr Image in deren Bekannten und Verwandtenkreis vermiesen zeugt nicht gerade von Weitsicht.

Um hier an dieser Stelle aber niemandem zur Übertretung eines (wenn auch rechtswidrigen) Verbotes zu animieren, beschreibe ich eine Möglichkeit, die völlig legal einen Weg zum Roßkopfgipfel aufzeigt. Der Haken an der Sache: Die Route kann unter ungünstigen Bedingungen an ein oder zwei Stellen lawinengefährdet sein.

Gebiet: Bayerische Voralpen, Mangfallgebirge, Spitzingsee

Exposition: O

Höhenmeter: 550 - 800m

Aufstiegszeit: 1,5 h

Schwierigkeit: 1 / WS

Lawinengefährdung: allgemein gering, punktuell aber vorstellbar

Sonstige Schwierigkeiten: keine

Ausgangspunkte: Spitzingsee, Parkplätze am Kurvenlift oder an der Stümpflingbahn (wird allerdings oft abgeriegelt, dann gibts ein Stück unterhalb an der Straße Parkmöglichkeiten)

Aufstieg zum Roßkopf unterhalb des Grünsees.
Aufstieg zum Roßkopf unterhalb des Grünsees.

Aufstiege:

1. Aufstiege zum Stümpfling

Der Stümpfling ist ein reiner Pistenberg, der momentan nur bestiegen werden sollte, wenn kein Skibetrieb herrscht - also in der Regel von Oktober bis Anfang Dezember.

Vom Parkplatz Kurvenlift zum Lifthäuserl und unter dem Lift hindurch am rechten Rand der Piste aufwärts bis zu einem kurzen ebenen Stück. Hier nach rechts über den wenig steilen Hang links eines weiteren Schlepplifts hinauf zum Gipfel. Man kann den Gipfel auch über die Firstalm und den Westrücken erreichen (zum Beispiel interessant, wer vorher noch auf ie Brecherspitze oder die Bodenschneid möchte). Vor allem beim ersten Neuschnee ohne Unterlage ist der Stümpfling ein lohnendes Ziel, da der Untergrund praktisch steinfrei ist.

2. Aufstiege zum Roßkopf

Der Roßkopf bietet mehrere Anstiegsmöglichkeiten vom Spitzingsee. Während des Skibetriebs sollten die Anstiege über die Skipisten gemieden werden, um die grantigen Skigebietsbetreiber nicht noch weiter auf die Palme zu treiben. Abgesehen davon dass es alles andere als schön ist, zwischen röhrenden Schneekanonen und abfahrenden Pistlern herumzueiern.

a) Aufstieg über die Skipiste (nur im Herbst vor Öffnung des Skigebiets zu empfehlen):
Vom Parkplatz Kurvenlift oder von der Talstation der Stümpflingbahn aufwärts, bis sich die beiden Pisten treffen. Nun gemeinsam noch ein Stück aufwärts, bis rechts der Schlepplift zum Stümpfling führt. Hier linkshaltend durch einen schattigen Graben aufwärts zur Talstation des Roßkopf-Sesselliftes und rechts von diesem über die Piste hinauf zum Westrücken. Über den meist abgeblasenen Rücken zum Gipfelkreuz.

b) Aufstieg entlang der Ostabfahrt: Leider hat sich das Skigebiet inzwischen auch die Ostseite des Roßkopfes unter den Nagel gerissen. Die Abfahrt zur Valepper Alm wird inzwischen auch präpariert, sobald genügend Schnee liegt und dann ist offiziell auch dieser Aufstieg verboten. Vor Öffnung des Skigebiets ist es aber ein schöner Aufstieg, um dem Schneekanonenlärm und den anderen Häßlichkeiten des Stümpflinggebiets ein wenig auszuweichen. Man fährt dazu vom Parkplatz an der Stümpflingbahn rund 50 Höhenmeter nach Süden ab bis zu einer Brücke. Jenseits führt ein breiter Wanderweg eben nach Süden am Waldrand entlang zur Valepper Alm am Beginn der Pistenschneise. Nun folgt man der Schneise aufwärts zu freien Hängen und  rechts diagonal aufwärts weiter zur Grünseealm. Rechts über den b reiten Rücken geht es zum Gipfel des Roßkopfes.

c) Pistenfreier Aufstieg während des Skigebietsbetriebs (nicht 100% lawinensicher - bei sehr kritischer Lawinenlage ist Vorsicht geboten): Dafür fährt man ebenfalls vom Stümpflingbahn-Parkplatz nach Osten ab und quert zum Beginn der Pistenschneise bei der Valepper Alm. Südlich eines Baches beginnt hier der Sommerweg zur Haushamer Alm. Diesem folgt man durch den Wald aufwärts bis kurz vor die Alm. Hier quert man nach rechts an die Ausläufer des Rotkopfes und steigt noch ein Stück nach Westen in denn Kessel zwischen Rotkopf und Stolzenberg auf, bis man nach rechts über einen etwas steileren Hang den Südgrat des Rotkopfes erreicht. Dem steilen Rücken folgt man noch ein Stück in Richtung Gipfel, quert aber dann unterhalb des höchsten Punktes ungefähr entlang des Sommerwegs in einen Sattel und folgt dem Grat weiter nach Norden zum Gipfel des Roßkopfes.
Eine weitere Aufstiegsvariante führt von der Haushamer Alm am Fahrtweg in Richtung Grünseealm und dann rechts an diesem vorbei über einen baumbestandenen Rücken des Osthanges zum Gipfelgrat des Roßkopfes.

Abfahrt über die Ostseite wenige Tage nach dem ersten richtigen Schneefall der Saison.
Abfahrt über die Ostseite wenige Tage nach dem ersten richtigen Schneefall der Saison.

Abfahrten:

Die Aufstiegsrouten a) und b) kommen auch als Abfahrt in Frage. Dazu wird bei viel Schnee während des Skibetriebs nahezu die komplette Nord und Ostseite zerpflügt, was aber bei geringer Schneelage im Herbst noch nicht ratsam ist.

Karte: Alpenvereinskarte Nr. BY 15 Schliersee, Spitzingsee

Aktuelle Infos: Skitourenverhältnisse

Skitourenführer Bayerische Alpen

Skitourenführer Bayerische Alpen von Markus Stadler. Er umfaßt 140 Touren im Gebiet zwischen Tegernsee und Berchtesgaden. [weiter...]