Markus Stadler

Skitour Mont-Blanc-Gruppe

Mont Blanc (4810 m) über die Cosmiques-Hütte

Traum-Skitour von Chamonix auf den höchsten Berg der Alpen



Sonnenaufgang am Mont Blanc du Tacul mit Blick auf Mont Blanc und Mont Maudit.

Der Mont Blanc ist im Sommer überlaufen wie kaum ein anderer Berg der Alpen, im Winter ist zwar ebenfalls viel los - jedoch ist der Andrang im Vergleich zum Sommer deutlich erträglicher. Wer die Tour dann noch vom Refuge Cosmiques aus startet, der wird wohl nur an der üblichen Stau-Passage vor dem Mont-Maudit ein wenig mit den vielen Mitbewerbern hadern. Über 90 % der Aspiranten für diese Tour fahren mit der Seilbahn zur Aiguille di Midi, schlappen die halbe Stunde rüber zur Cosmiques-Hütte und starten am nächsten Tag (oder nach einem Akklimatisationstag erst am Tag darauf) zum Gipfel. Da derartige "Light-Versionen" nicht unser Ding sind, haben wir die Tour ganz gemütlich in drei Tagen von Chamonix aus mit Aufstieg übers Mer de Glace gemacht. Konditionsstarke können aber auch in einem Tag zur Cosmiques-Hütte aufsteigen, wobei man das nochmal um zwei Stunden abkürzen könnte, wenn man mit der Zahnradbahn nach Montenvers hochfährt.

Gebiet: Mont Blanc

Exposition: N, O

Höhenmeter: 4000

Aufstiegszeit: 2-3 Tage

Schwierigkeit: 4 / S

Lawinengefährdung: häufig

Sonstige Schwierigkeiten: bis 50°

Ausgangspunkt: Chamonix, Parkplatz der Montenvers-Zahnradbahn 1050 m; (im April 2007 konnte man dort kostenlos parken).

Mit Ski am Rucksack gehts in Chamonix los
Mit Ski am Rucksack gehts in Chamonix los

1. Tag - Aufstieg zum Ref. du Requin:

Vom Parkplatz rechts der Bahntrasse aufwärts zu einer Art Spielplatz, wo der Weg in Richtung Montenvers beginnt. Nun immer der Ausschilderung "Mer de Glace" dem breiten Weg folgend. Sofern der Schnee noch bis etwa 1500 m herabreicht empfiehlt es sich die linke Aufstiegsvariante zu nehmen, hier kommt man auf etwa 1700 m ohne großen Höhenverlust auf die Gletscherzunge des Mer de Glace. Ansonsten kann man von der Bahnstation Montenvers auf einer spektakulären Eisenleiter-Anlage etwa 100 Höhenmeter hinabsteigen zum Gletscher.

Der Abstieg aufs Mer de Glace folgt einer eindrucksvollen Eisenleiter-Anlage.
Der Abstieg aufs Mer de Glace folgt einer eindrucksvollen Eisenleiter-Anlage.

Nun folgt man dem Mer de Glace ohne größere Orientierungsschwierigkeiten (im Aufstiegssinn) rechts aufwärts. Bei der Einmündung des Leschaux-Gletschers hält man sich ebenfalls rechts, hier ist eine kurze Spaltenzone zu durchqueren. Danach gehts wieder flach nach Süden bis unterhalb eines Gletscherbruchs. In einer Linksschleife kommt man auf eine Terasse, der man ganz nach rechts bis an die Felsen folgt, hier steigt man nach rechts hinauf zu schon lange sichtbaren Requin-Hütte.

2. Tag - Aufstieg zum Refuge des Cosmiques:

Kurze Abfahrt von der Hütte hinab zum Gletscher. In der Rinne hinauf zum Petit Rognon hält man sich möglichst weit links, da immer wieder Eisschlag aus den Serracs rechts oben herabdonnert. Nun quert man nach links in das große Gletscherbecken des Glacier du Geant und zieht in einem großen Bogen wieder nach rechts hinauf zum Col du Midi. Rechts vom Sattel steht die Cosmiques Hütte auf einem Felssporn.

Aiguille di Midi (rechts) und die Cosmiques-Hütte (links)
Aiguille di Midi (rechts) und die Cosmiques-Hütte (links)

3. Tag - Überschreitung von Mont Blanc du Tacul und Mont Maudit zum Mont Blanc:

Die Weckzeiten auf der Cosmiques-Hütte sind ziemlich früh - 1 Uhr und 3 Uhr wurde uns zur Auswahl angeboten. Wir entschieden uns (wie etwa 2/3 der ca. 50 Aspiranten) für zweiteres und nach einem guten und gemütlichen Frühstück brechenwir gegen 4 Uhr auf, was noch gut eine Stunde Dunkelheit bedeutet. Nach einer kurzen Abfahrt hinab zum Col du Midi gehts zuerst mit Ski und Fellen ein Stück die Tacul-Flanke hinauf. Am Vortag bei Helligkeit stiegen einige Tourengeher die Flanke komplett mit Ski auf - jetzt im Dunkeln entscheiden wir uns es den anderen Seilschaften gleich zu tun und rüsten ebenfalls auf Steigeisen und Ski tragen um. Nach ca. 500 Höhenmeter erreichen wir die Westschulter des Tacul, wo das Gelände deutlich flacher wird - ausserdem wirds nun gerade hell. Da wir noch genügend Zeit haben, lassen wir die Rucksäcke liegen und schlappen noch schnell links hinauf zum Mont Blanc du Tacul (ca. 20 min) - die letzten Meter verlangen noch kurz leichte Kletterei und schon stehen wir am höchsten Punkt. Belohnt werden wir mit einem genialen Sonnenaufgang, während sich gegenüber am Mont Maudit bereits alles hinter der ersten Seilschaft staut.

Sonnenaufgang am Mont Blanc du Tacul
Sonnenaufgang am Mont Blanc du Tacul

Wir steigen zu unseren Ski ab und mit den Ski rutschen wir hinab zum Sattel zwischen Tacul und Maudit. Die ersten 100 Höhenmeter steigen wir noch mit Ski auf, dann wird wieder umgerüstet auf Steigeisen. Erst jetzt sind die ersten Frühaufsteher oben an der letzten Steilstufe hinauf zum Grat, die von vielen gesichert wird, es bildet sich ein längerer Stau. Als wir an der Randkluft ankommen, warten noch einige Seilschaften darauf, endlich aufsteigen zu können - wir machen erstmal Brotzeit. Als sich endlich eine Lücke ergibt nutzen wir diese und steigen ebenfalls auf, die Flanke (ca. 45 Grad) ist problemlos mit Steigeisen zu begehen. Um dem Trubel zu entgehen, lassen wir unsere Rucksäcke wieder oben auf der Schulter und steigen nach links durch Schnee und Eisrinnen (40 - 50 Grad) auf den Mont Maudit (ca. 30 min). Als wir eine Stunde später wieder am Rucksackdepot sind, ist die große Masse an Tourengehern bereits weg und wir queren - wieder mit Ski - hinüber zum Col de la Brenva. Eine kurze, stellenweise eisige Steilstufe zwingt uns nochmal die Steigeisen anzuziehen und die Ski an die Rucksäcke zu schnallen. Auf dem folgenden Flachstück beginnt nun ein starker, kalter Wind zu blasen und wir entscheiden uns nicht mehr auf Ski umzurüsten, obwohl alles mit Ski gangbar wäre. Der lange Hang hinauf zum Gipfel zieht sich noch etwas und der eisige Sturm macht den Aufstieg alles andere als gemütlich. Trotzdem erreichen wir gegen 11.00 Uhr bei guter Sicht den Gipfel.

Der Gipfelanstieg zum Mont Blanc
Der Gipfelanstieg zum Mont Blanc

Abfahrt: Für die Abfahrt gäbs nun vier Möglichkeiten:

1. Die Überschreitung wieder zurück und auf unserem Anstiegsweg hinab auf Mer de Glace (wollten wir aber nicht)

2. Auf dem Normalweg nach NW über den Bosses-Grat die Ski hinab zur Vallot-Hütte tragen und von dort mit Ski zum Grand Plateau (machten die meisten).

3. Vom Gipfel zuerst ein Stück auf unserem Aufstiegsweg zurück und dann in die Nordflanke und durch diese hinab zum Grand Plateau (diejenigen, die wir dabei beobachteten, machten keinen sonderlich zufriedenen Eindruck - weshalb wir uns für Möglichkeit 4 Entschieden)

4. Auf dem Anstiegsweg zurück zum Col de la Brenva. Nun nach links hinab durch "Le Corridor". Auf einer Höhe von 4200 m halten wir uns links und stehen plötzlich vor einem 15 m-Abbruch. Wir entscheiden uns fürs Abseilen (eine Abseilstelle war bereits eingerichtet). Ohne weitere Probleme gehts auf Grand Plateau. Von dort sehen wir, dass man den Corridor noch bis ca. 3900 m hätte abfahren können und dann problemlos zum Plateau gekommen wäre.

In der Abfahrt durch den Corridor mussten wir einmal abseilen, da wir der falschen Spur gefolgt waren.
In der Abfahrt durch den Corridor mussten wir einmal abseilen, da wir der falschen Spur gefolgt waren.

Die weitere Abfahrt ist für die Varianten 2 - 4 gleich: Unterhalb ziemlich bedrohlicher Serracs fährt man ab zum Petit-Plateau und quert dann rechts haltend hinab zum Felssporn der Grand Mulet-Hütte. Links der Felsen fährt man ab bis der Gletscher flacher wird. Hier befindet man sich in der berüchtigten "Jonction" einem wild zerissenen Gletscherstück. Nun beginnt eine anfangs nahezu waagrechte, dann wieder fallende Querung auf der Terasse des Bosson-Gletschers, die anfangs sehr spaltig ist.

Der zerissene Bosson-Gletscher, im Hintergrund der Dome du Gouter
Der zerissene Bosson-Gletscher, im Hintergrund der Dome du Gouter

Auf einer Höhe von ca. 2500 m erreicht man den rechten Gletscherrand, wo man am besten die Felle wieder aufzieht (sofern noch genügend Schnee liegt). Immer auf gleicher Höhe, zum schluss leicht ansteigend erreicht man die Moräne des Glacier des Pellerins. Nun fährt man auf diesen hinab und quert an seine rechte Randmoräne - an geeigneter Stelle steigt man auf die Moräne hinauf und fährt jenseits hinab zur schon lange sichtbaren Mittelstation der Midi-Bahn am Plan de'l Aiguille (2300 m). Wir fahren rechts an der Bahnstation vorbei und durch einen zunehmend steiler werdenden Graben hinab, der noch bis ca. 1700 m mit Schnee gefüllt ist. Ein letztes Mal schultern wir die Ski und spazieren hinab nach Chamonix zum Parkplatz.

Alternativer Anstieg: Man kann auch von Chamonix zur Plan de l'Aiguille und dann über die Refuge des Grands Mulets aufsteigen. Der weitere Aufstieg von dort über Petit Plateau zum Grand Plateau ist allerdings stark eisschlaggefährdet und im Aufstieg hält man sich lange in der kritischen Zone auf. Deshalb ist der Umweg über den Dome du Gouter anzuraten. Von dort steigt man über den Bosses-Grat auf.

Karten: IGN-Karte Nr. 3630 OT Chamonix oder Schweizer Landeskarte #292 Courmayeur

Aktuelle Infos: Skitourenverhältnisse

Hütten:

  • Refuge du Requin (2516 m), in der Skihochtourensaison bewirtschaftet, Tel. 04 50 53 16 96
    nette, kleine Hütte mit - für Mont-Blanc-Verhältnisse - günstigen Preisen.
  • Refuge des Cosmiques (3613 m), Mitte Februar bis ca. Mitte Oktober bewirtschaftet, Gutes Essen aber teuer; Tel.: +33(0)4 50 54 40 16 - unbedingt frühzeitig reservieren, da an schönen Wochenenden meist voll.
  • Refuge des Grands Mulets (3051 m), von ca. März bis Oktober bewirtschaftet, zur Skitourenzeit rechtzeitig reservieren. +33(0)4 50 53 16 98