Markus Stadler

Sportklettern Spanien

El Chorro

Großes Klettergebiet bei Málaga

Das Klettergebiet El Chorro gehört zu den größten und bekanntesten Klettergebieten Spaniens. Unweit des bekannten Urlaubsziels Malaga durchschneidet der Fluss Guadalorce mit seinem schmalen Canyon die bis zu 300 m hohen Felsen aus bestem Kalkgestein. Die Art der Kletterei ist sehr vielfältig, von plattigen Schleicherrouten über senkrechte, technische Wandkletterei bis hin zu langen, überhängenden Ausdauerklettereien ist alles geboten. Und darüberhinaus gibts an den hohen Wänden auch noch gut abgesicherte längere Routen und anspruchsvolle alpine Klettertouren. Zusammen mit dem eigenen, spanisch-internationalen Flair und dem während des kompletten Winters angenehmen Klimas ein perfektes Winterziel fürs Sportklettern.

Achtung: Inzwischen wurde der Caminito del Rey (Klettersteig durch die Schlucht) saniert und kostet jetzt Eintrittsgebühr. Die (ehemaligen) Klettersektoren an diesem Weg sind jetzt gesperrt. Ebenso ist der Zugang durch die Tunnels in die Schlucht nicht mehr möglich, so dass der Weg zum Sektor Makinodromo nur noch über den Pfad oben herum möglich ist. Insgesamt hat dadurch El Chorro als Urlaubziel für Kletterer deutlich eingebüßt, besonders wenn man ohne Auto dort ist und nicht nach Desplomilandia kommt.

El Chorro

Anreise:

El Chorro ist etwa 60 km von Málaga entfernt. Málaga wird von vielen Fluglinien aus Mitteleuropa angeflogen und in der Klettersaison (außer an Weihnachten und Ostern, da ist es dann gleich deutlich teurer) lassen sich oft extrem günstige Flüge ergattern. Wer kurzfristig planen kann für den lohnen sich die Angebote von Last Minute Reisen nach Málaga, mit etwas Glück kann man hier im Frühling oder Herbst absolute Schnäppchen ergattern.

Wer mit schmalem Budget unterwegs ist, fährt am besten mit dem Zug nach El Chorro:

Bahnhof El Chorro

  • Vom Flughafen zum Bahnhof Malaga fährt ca. alle 30 min. ein Zug
  • Vom Bahnhof Malaga nach El Chorro fährt nur ein Zug am Tag, der verläßt Malaga um ca. 19 Uhr.
  • Wer diesen Zug nicht nehmen kann, fährt nach Alora und nimmt von dort ein Taxi (kostet ca. 20 Euro).
  • Der Zug von El Chorro nach Malaga verläßt El Chorro um 9 Uhr morgens (fährt nur werktags!)
  • Aktuelle Fahrplanauskünfte (auch in englisch) gibts bei RENFE

Ein Auto ist in El Chorro nicht unbedingt notwendig - je nach Unterkunft spart man sich aber pro Tag ca. 20 - 40 min. Gehzeit. Ausserdem hat man dann die Möglichkeit nach Alora zum Einkaufen zu fahren oder auch Klettergebiete zu besuchen, die in der Nähe liegen (z. B. Desplomilandia). Wer allerdings sein Seil geschrottet hat, neue Schuhe braucht oder ganz simpel unter Chalkmangel leidet, muss nicht weit fahren. In El Chorro gibt es nämlich auch einen kleinen Laden mit Kletterausrüstung. Dort bekommt ihr darüberhinaus auch die aktuellsten Kletterführer und Tipps zum Klettergebiet. Ein Großteil des in El Chorro steckenden Hakenmaterials wurde von dem Kletterladen finanziert.

1. Camping:

  • An der Finca la Campagna kann man ebenfalls im Zelt übernachten - dies kostet etwas mehr als der Campingplatz im Ort, dafür sind die Küche und der Aufenthaltsraum etwas gemütlicher. Die Finca ist jedoch recht beliebt, weshalb es empfehlenswert ist, sich bald anzumelden.
  • Eine weitere neue Kletterherberge nennt sich Olivebranch - auch dort kann man zelten oder in der Herberge übernachten.
  • Der Campingplatz in El Chorro direkt im Ort wurde inzwischen geschlossen (Sanitäre Probleme, Baumängel am Gebäude).

Der Campingplatz im Ort liegt etwas günstiger, wenn man kein Auto zur Verfügung hat, da man sich für die meisten Sektoren im Vergleich zur Finca 10 - 20 Minuten Zustieg spart. Preislich sind die Unterschiede nicht allzu groß.

2. Ferienwohnungen:

Wer es etwas komfortabler haben möchte, kann sich eine Ferienwohnung, bzw. ein Appartement mieten. Einig Anlaufpunkte:

3. "Biwakieren"

Das wilde Zelten ist im gesamten Gebiet von El Chorro verboten - jedoch wird das übernachten vor allem am Makinodromo häufig praktiziert, auch von Spaniern. Dort ist es regensicher und oft gibts auch eine aktive Quelle.

Beste Jahreszeit

Im Sektor Las Encantadas

El Chorro ist ein typisches Winterklettergebiet. Im Hochsommer ist es zu heiss und auch in den Übergangszeiten sollte man sich die schattigeren Sektoren aussuchen. Ideal ist es von Oktober bis März, wobei es an windigen und bewölkten oder gar regnerischen Tagen schon auch mal recht kühl werden kann - der nächste Sonnentag kommt aber bestimmt. An heissen Tagen ist das nahe gelegene Klettergebiet Desplomilandia evtl. eine Alternative, vorausgesetzt man kann auf ein Auto zurückgreifen.

Sektoren

Die folgende Auswahl ist nicht mehr ganz aktuell, da ich selbst schon lange nicht mehr in El Chorro war. Den aktuellsten Stand erfährt man am besten vor Ort im Kletterladen.

  1. Las Encantadas
    sehr schöner Sektor kurz oberhalb der Finca la Campagna mit einigen schönen Routen zwischen 4 und 6b. Die interessantesten Routen finden sich aber zwischen 6c und 7b+. Zustieg: von der Finca 10 Min., von El Chorro 20 Min oder 2 Minuten vom Parkplatz.
  2. Escalera Arabe
    Großer, vielfältiger Sektor hoch über dem Tal von El Chorro. Schwerpunkt der Routen zwischen 5+ und 7b; Zustieg jeweils ca. 45 Minuten von der Finca oder vom Ort, die Schotterstrasse, die ca. 10 Minuten unterhalb der Wand vorbeiführt sollte man nicht hochfahren, auch wenn es (noch) nicht ausdrücklich verboten ist und einige Spanier dies am Wochenende machen - gern gesehen wird es nicht.
  3. Frontales Medias (Poema de Roca).
    Breite und hohe Wand oberhalb von El Chorro. In der Grotte im rechten Wandteil gibts ca. 20 steile Routen zwischen 6b und 8b, rechts und links davon auch leichtere Routen. Darüberhinaus einige lange Routen mit mehreren Seillängen, die jedoch nicht alle mit Bolts eingerichtet sind. Vor allem an Wochenenden ist hier oft recht viel Betrieb. Zustieg ca. 25 Min. vom Ort und von der Finca, 15 Minuten vom letzten Parkplatz an der Strasse - die Schotterstrasse sollte man nicht hochfahren, auch wenn das einige Spanier so machen, da die Grundstückseigentümer das garnicht gerne sehen.
  4. Frontales Bajas
    Neben dem einem kleinen Sportklettersektor (Sektor Suizo mit einigen Interessanten Routen zwischen 6b und 7b) existieren hier beliebte längere Klettereien - allen voran "Amptrax", eine Sieben-Seillängen-Route mit Schwierigkeiten bis 6a(+). Ein Satz Stopper und einige Schlingen werden aber sogar in dieser ansonsten recht gut abgesicherten Route benötigt, da sich die Bolts in den letzten beiden Seillängen plötzlich auf die Stände beschränken. Zustieg: von El Chorro 10 Min. von der Finca 30 Min.
  5. Los Albercones
    Einige Routen direkt über dem Campinplatz sind gehören zu den besten in den unteren Schwierigkeitsgraden (zwei 5+ und vier 6a/6a+). Dafür ist der linke Teil direkt an den Eisenbahngleisen weniger einladend. Links um Eck befindet sich noch ein weiterer Sektor (Castrojo) mit leichten bis mittelschwierigen Routen (4 bis 6b), den man idealerweise mit einem Besuch von Albercones verbindet. Zustieg: von El Chorro, bzw. vom Parkplatz 1 Min., von der Finca 25 min.
    Alle Zustiegszeiten sind ab dem Parkplatz bei Los Albercones gerechnet, von der Finca sind es hierhier 20 - 25 Minuten.
    Achtung!!!
    Die folgenden Sektoren erreichte man bisher am besten in dem man entlang der Gleise durch die Tunnels wanderte. Das war zwar immer schon verboten, wurde aber lange Zeit mehr oder weniger geduldet. Inzwischen sind die Tunnels massiv vergittert und nicht mehr begehbar. Ein alternativer Pfad führt vor der grünen Eisenbahnbrücke hinauf und üben drüber immer etwa auf gleicher Höhe zum Makinodromo - zu den anderen Sektoren steigt man dann von dort ab.
  6. Los Cotos
    Plattiger Sektor in der Schlucht an den Südwänden links und rechts eines Eisenbahntunnels. Geneigte Plattenkletterei (4 - 6c) mit leider sehr unterschiedlicher Absicherung. Der Sektor dürfte aktuell kaum noch zugänglich sein.
  7. El Invento
    Einige nette Routen im Bereich 6b bis 6c+, die beiden 6a's sind unlohnend (kurz, bzw. nicht abgesichert). Zustieg 40 min.
  8. Los Tigres
    Anspruchsvoller Sektor mit einigen schwierigen Routen zwischen 7a und 8b, meist nicht allzusteile Sinterkletterei. Zustieg 50 Min.
  9. Makinodromo
    Das Schaustück von El Chorro! Im linken Teil eine stark überhängende, versinterte 40m-Wand mit dem Mega-Klassiker "Lourdes" (8a) sowie einigen noch schwierigeren Routen. Im rechten Teil gibts hingegen viele lohnende Routen zwischen 6c und 7c. Zustieg 1 Stunde.
    Makinodromo - Lourdes (8a)
    Makinodromo - Lourdes (8a)
  10. Sektoren in der Schlucht
    Links und rechts an den Schluchtwänden gibts einige interessante Sektoren, die jedoch aufgrund des eher unbequemen Zustiegs über den Klettersteig und die düstere, schattige Lage im Winter weniger lohnend sind. Bei heissem Wetter stellen sie aber interessante und vor allem landschaftlich eindrucksvolle Alternativen dar und auch wer lange Routen sucht kann hier eindrucksvolle Linien finden.

Kletterführer

Kletterführer El ChorroEscalada en Malaga - El Chorro von Javier Romero Rubiols.

Umfassender Führer zu El Chorro und Desplomilandia von einem der Haupt-Erschliesser. Die (in El Chorro eh schon dankbaren Bewertungen) sind hier meist noch etwas humaner als im Rockfax-Führer. Aktuelle Ausgabe von 2013 der derzeit vollständigste Führer zu El Chorro, wenn auch stellenweise von der Wirklichkeit bereits wieder überholt.

Erhältlich in El Chorro im Kletterladen.

Rockfax-Kletterführer

Rockfax: El Chorro von Alan James und Mark Gaister. Neben El Chorro enthält der Führer die Gebiete Desplomilandia, Valle de Abdalajis, Torcal, Loja, Grazalema, Tarifa, Cadiz - alle Routen weisen eine "Sternchen-Bewertung" auf, die aussagen soll, ob es sich um eine lohnende oder weniger lohnende Route handelt. Für einen ersten Aufenthalt in El Chorro o.k. - insgesamt ist der Führer aber sehr inkomplett.

Erhältlich bei Amazon.

Rocca Espana

Roca Espania Band Süd ist ein wirklich empfehlenswerter Führer für alle Spanienurlauber - die von Gebiet zu Gebiet ziehen wollen. Wer länger in einem Gebiet bleibt sollte sich jedoch (auch als Unterstützung der Locals) die jeweils örtlichen Kletterführer kaufen, weil dieses Buch meist nur die wichtigsten Sektoren näher beschreibt und keine weiteren Infos zu den einzelnen Touren mehr anbietet (was Länge, Charakter, Absicherung etc. angeht).
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Bildergalerie

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