Markus Stadler

Ausrüstung

Werkzeug und Reparaturset für Skitouren

Utensilien und Tricks für Materialprobleme


Auf Durchquerungen im abgelegenen Hochgebirge (hier im hintersten Hollersbachtal, Hohe Tauern) sollte man für Notfälle gewappnet sein.

Jeder Bergsteiger, der regelmäßig auf Skitouren unterwegs ist, kennt sicher eine dieser Situationen aus eigener Erfahrung:

  • Das Fell stollt und jeder Schritt wird zur Qual oder noch schlimmer, aufgrund der Kälte will es nicht mehr am Ski kleben bleiben.
  • Eine Bindungsschraube hat sich verabschiedet und ist im Schnee verschwunden oder ein anderer Bindungsdefekt läßt Zweifel aufkommen, ob man damit noch Abfahren kann
  • Am Skischuh ist eine Schnalle gebrochen oder gar die Gelenkniete ausgerissen.
  • Ein Skistock hat den Teller verloren oder ist gebrochen.
  • usw., usw.


Sturm, Schneefall und Kälte sind die Feinde jedes Fellklebers. Mit Haftpads, Skifix oder Kabelbinder lassen sich die Felle dann wieder mit den Ski verbinden.

Eine Panne auf einer kurzen Halbtagestour ist meist nur ärgerlich und im Notfall muss man eben ein Stück zu Fuß hinabstapfen. Bei einer mehrtägigen Skidurchquerung durch einsame Regionen kann es mit einer defekten Bindung aber schnell sehr ernst werden. Glücklich ist dann, wer das richtige Material dabei hat und in MacGyver-Manier mit Geschick und Improvisationsvermögen sich selber oder seinem Kameraden helfen kann.


Einige der wichtigsten Gegenstände im Ausrüstungsset für Reparaturen auf Skitouren.

Empfehlung für ein Reparaturset

  • Multitool mit Messer, Zange, Bithalter, Schere wie zum Beispiel Leathermen Wave, erhätlich u.a. www.leatherman-shop.de
  • Die nötigen Bits. Bei langen, anspruchsvollen Durchquerungen empfiehlt es sich, jeden Teilnehmer überprüfen zu lassen, welche Schrauben an seiner jeweiligen Bindung zu finden sind. In den meisten Fällen wird man mit Kreuzschlitz normal und breit, Schlitz klein, mittel, groß, und Torx Gr. 20 alles abdecken können.
  • Bithalterverlängerung, da man sonst nicht an alle Schrauben drankommt.
  • Schrauben, Nieten, Draht, Bohrlochhülsen, Beilagscheiben, Fellendhaken und sonstige Kleinteile. Die wichtigsten Bindungsschrauben sollten genauso drin sein, wie Nieten für die Felle und einige Flachkopfschrauben mit Muttern und Beilagscheiben, um ausgerissenen Nieten oder Schrauben an Skischuhen ersetzen zu können. Bohrlochhülsen aus Kunststoff oder Messing können ausgerissene Schraubenlöcher im Ski fixen und Draht braucht man zwar in Zeiten von Kabelbindern und Skifix nur noch selten, aber ein Meter davon wiegt nicht viel.
  • mehrere Skifix, möglichst auch längere.  Sie sind universell einsetzbar für Befestigungen und Stabilisierungen jeder Art: Fell-Frontbügel, Skischuh-Teile zusammenbinden uvm.
  • Kabelbinder (lange) - Anwendung wie oben. Wo Skifix durch enge Löcher nicht durchpassen sind sie erste Wahl (z. B. Skischuhschnallen). Allerdings halten sie größeren Belastungen (besonderst bei tiefen Temperaturen) nicht lange Stand. Eine gefixte Skischuhschnalle also nicht zuknallen!
  • dünne Dyneema-Reepschnur (3 mm). Ebenfalls universell einsetzbar, vom Schuhband über eine Steigeisenbefestigung bis hin zum Bau eines Skischlittens.
  • stabiles Tape (Ducktape o.ä.) zum Beispiel zum Schienen gebrochener Skistöcke, befestigen eines (nicht passenden) Stocktellers usw. Es sollte sich um ein Tape handeln, das auch bei Kälte gut klebt.
  • Abziehklinge. Stollende Felle bekommt man damit am schnellsten eisfrei um sie anschließend zu wachsen. Auch Kleber am Skibelag (sehr lästig!) läßt sich damit entfernen.
  • kleines Stück Hartwachs für Fell und Skibelag. Bei sehr langen Touren ab einer Woche evtl. zusätzlich noch eine kleine Tube Nanowachs zum richtigen Nachwachsen der Ski.
  • Quicktex-Klebepads. Eine Art doppelseitiges Klebeband um Steigfelle, die partout nicht mehr pappen wollen, gefügig zu machen.
  • Stock-Ersatzteile (Stockteller, Spitze, evtl. Klemm-Mechanismus), leider gibts unterschiedliche, nicht kompatible Systeme, die dann mit Tape etc. halbwegs passend gemacht werden müssen.
  • Verpackt wird das ganze in eine leichten Beutel. Ich nehme einen normalen Fellsack, man kann aber auch die komplett wasserdichte Version von Ortlieb oder einem anderen Hersteller verwenden.


Nochmal frisches Wachs auftragen, wenn die Ski im klebrigen Frühjahrs-Neuschnee nicht mehr gleiten wollen.

Gute Erklärungen zu dem Thema gibts - allerdings auf englisch - in diesem Video. Auch wenn es bei normalen Tagestouren nicht überlebensnotwendig ist, kann so ein Notfallkit den Tag retten. Und wenn man es nicht selber braucht und anderen damit helfen kann, hat man sich nach der Tour zumindest eine Einladung auf ein Bier verdient.