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Kategorien: Lawinen

Lawinenkunde: Lawine - 10 Gefahrenmuster erkennen

Die 10 entscheidenden Gefahrenmuster erkennen

Titel: Lawine

Untertitel: Die 10 entscheidenden Gefahrenmuster erkennen

Autoren: Rudi Mair, Patrick Nairz

Verlag: Tyrolia-Verlag, 5. Auflage 2016

Seiten: 224

Preis: 27,95 €

Für wen: Für alle, die im winterlichen Gebirge unterwegs sind und sich näher mit dem Thema Lawinen befassen möchten

Wo: online beim Panico-Alpinverlag

Rezension

Die Einschätzung der Lawinengefahr gehört zu den komplexesten Themen, mit denen sich Bergsportler auseinandersetzen müssen. Viele verschiedene Einflussfaktoren müssen beachtet und in der richtigen Gewichtung eingeordnet werden. Die Lawinenkunde erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und Wissen. Lawinenerfahrung im winterlichen Gebirge zu sammeln kann jedoch sehr gefährlich sein, daher ist es unbedingt notwendig von den Erfahrungen anderer zu profitieren. Und genau das leistet dieses Buch: es bietet einen riesigen Erfahrungsschatz, der hervorragend aufbereitet für die breite Leserschaft zur Verfügung steht.

Die beiden Autoren Rudi Mair und Patrick Nairz sollten jedem Tourengeher, der schon mal in den Tiroler Bergen unterwegs war, ein Begriff sein. Seit 15 Jahren steht unter jedem Lawinenlagebericht für Tirol einer der beiden Namen. Sie leiten die Tiroler Lawinenwarnzentrale und erstellen die tägliche "Prognose" der Lawinengefahr. Aber nicht nur das. Wenn irgendwo im Bundesland ein Lawinenabgang mit Personenbeteiligung gemeldet wird, bekommen sie die Fakten auf den Tisch - oftmals untersuchen sie die Unfälle sogar selbst. Die unzähligen analysierten Lawinen haben sie in 10 Schubladen eingeordnet. 10 Gefahrenmuster nennen sie die idealisierten Schemata nach denen die Lawinenabgänge kategorisiert werden.

Bei der Lektüre des Buches wird allerdings deutlich, dass dies nicht immer so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Obwohl versucht wird, eindeutige Beispiele zu finden, wird schon dabei deutlich, dass Grenzfälle und Mischformen auftreten. Man kann annehmen dass dies in der Gesamtheit häufiger vorkommen wird. Alles in allem gibt das Buch einen guten Überblick über die wichtigsten Grundlagen der Lawinenkunde und erläutert diese sehr anschaulich anhand realer Fallbeispiele. Was meiner Meinung nach etwas zu kurz kommt sind die "positiven" Signale, die für eine Stabilität der Schneedecke sprechen. Man bekommt den Eindruck vermittelt, dass es eigentlich den ganzen Winter überall nur gefährlich sein kann. Aber der Tourengeher möchte natürlich auch draußen unterwegs sein. Konkrete Hinweise, welche Alternativen bei den entsprechenden Gefahrenmustern bestehen werden eher unsystematisch eingestreut - hier wäre noch Verbesserungspotential.

In wieweit die Darstellung der beiden Experten als konkrete Entscheidungshilfe in der Praxis auf Skitour taugt, hängt sehr stark vom Wissen und der Erfahrung des Tourengehers ab. Hinterher ist es natürlich immer leichter festzustellen, welches Gefahrenmuster nun zum Abgang einer Lawine geführt hat, aber wenn man vor einem Hang steht, sieht die Sache anders aus. Zwar sind die Lawinenlageberichte in den Alpen inzwischen sehr detailliert, um eine halbwegs verläßliche Aussage zu treffen, welche Arten von Lawinen zu erwarten sind, bzw. wodurch sie ausgelöst werden können. Auch auf einige der hier aufgeführten Gefahrenmuster wird oft explizit hingewiesen. Trotzdem ist ein LLB immer nur eine Prognose für ein großes Gebiet und niemals für den Einzelhang. Ob und welches Gefahrenmuster für den Einzelhang zutrifft läßt sich teils nur mit viel Erfahrung und einer Schneedeckenuntersuchung feststellen. Und selbst dann bleibt oft noch ein Graubereich wo die Risikobereitschaft und die Intuition des Tourengehers entscheidend sind für das "Stop or Go".

Für Schneesportler mit wenig Gelände- und Schneedeckenerfahrung wird die Basis daher weiterhin die Risiko-Beurteilung anhand der wahrscheinlichkeitsbasierten Risiko-Management-Hilfsmittel (Snowcard, Stop or Go, Reduktionsmethode...) darstellen. Mit den leichter erkenn- und beurteilbaren Gefahrenmustern können aber auch Einsteiger die Treffsicherheit der probabilistischen Methoden am Einzelhang verbessern, bzw entscheiden ob eine statistische Aussage in dem Einzelfall überhaupt Sinn macht.

Fazit: Ein spannendes und lehrreiches Buch aus der Praxis für die Praxis, das hilft gefährliche Situationen zu erkennen und die Sinne dafür zu schärfen. Man kann es jedem Tourengeher uneingeschränkt empfehlen. Die Frage, wann, wo und auch warum es "sicher" ist, kann es aber auch nur zum Teil beantworten. Man sollte sich daher nicht der Illusion hingeben, dass man ohne Vorerfahrung mit der Lektüre diese Buches zum Lawinenexperten wird.

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