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Ernsthaftigkeitsbewertung beim Alpinklettern

Bewertungsskala am Beispiel Wilder Kaiser

Die Schwierigkeit einer Route ergibt sich nicht ausschliesslich durch den Kletterschwierigkeitsgrad. So kann der gleiche Kletterer, der gemütlich eine komplett mit Bohrhaken eingerichtete Plaisirtour im 6. Grad klettern kann in einem brüchigen, kaum gesicherten 4er heillos überfordert sein. Deshalb wird auf dieser Website zur normalen UIAA-Bewertung noch eine "Ernsthaftigkeitsbewertung" hinzugefügt. 

Sie wurde für den Kletterführer Wilder Kaiser entwickelt. Zugrunde lagen ähnliche Ansätze von Georg Kronthaler und Erich Weißsteiner, woraus mit mehreren Überarbeitungen die nun verwendete Skala wurde.

Die Bewertung bezieht sich primär auf die Absicherung, bzw. Absicherbarkeit, ohne die Kletterschwierigkeit zu berücksichtigen, da diese zusätzlich bei jeder Route angegeben wird. 

Definition der Bewertung

E1 Eingebohrte, sportkletterähnlich abgesicherte Route mit geringen Hakenabständen. Größere Hakenabstände gibts nur in Passagen, die deutlich unter der maximalen Schwierigkeit liegen.
S: Sportkletterniveau, keine zusätzliche Absicherung mehr nötig.
R: sehr gering, kaum obj. Gefahren, kaum Stürze mit ernsten Verletzungen möglich
P: sehr gering.
Beispiele: Wilder Kaiser, Totenkirchl-Sockel "First-Class" (E1), Leuchsturm "Sexn Bolts & Rock'n Roll" (E1)'
E2 Überdurchschnittlich gut abgesicherte Route - gutes Material vorhanden, aber zum Teil etwas größerer Hakenabstände. Nur wenig eigene Absicherung nötig und wenn dann gut anzubringen.
S: Grundlagen mobiler Sicherung,
R: gering, gefährliche Stürze teilweise möglich aber unwahrscheinlich, kaum objektive Gefahren
P: gering
Beispiele: Kleine Halt "Klettergeheimnis" (E2-), Karlspitze "Sportherz" (E2), Christakante (E2+)
E3 Durchschnittlich abgesicherte Alpinkletterroute - gutes Material (Bohrhaken) aber teils weite Hakenabstände oder weniger gutes Material (Schlaghaken) dafür in großer Menge. Zusätzliche Absicherung ist nötig aber noch relativ einfach, nur im leichten Gelände längere nicht absicherbare Runouts möglich.
S: etwas Erfahrung im Fixpunkteschaffen, Grundkenntnisse im Standplatzbau
R: gefährliche Stürze lassen sich mit eigener Absicherung weitgehend vermeiden. geringe objektive Gefahren.
P: mittel,
Beispiele: Goinger Halt-N-Grat (E3-), Spaß 2000 (E3-), Totenkirchl Westwand "Dülfer" (E3-)
E4 Allpine, schlecht abgesicherte Route – für Absicherung muss selbst gesorgt werden, auch an schwierigen Stellen, vorhandes Material oft schlecht.
S: sicherer Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln, Erfahrung im Standplatzbau.
R: Mit konsequenter Sicherungstechnik lassen sich gefährliche Stürze weitgehend vermeiden. Einzelne runouts im mäßig schwierigem Gelände müssen bewältigt werden. Objektive Gefahren oder schwierige Rückzugsmöglichkeiten können hinzukommen.
P: mittel-hoch,
Beispiele: Fleischbank Asche-Lucke (E4-), Kleine Harmonie (E4), Potzblitz (E4+)
E5 Schlecht abzusichernde Route – die Route ist schlecht abgesichert und kann auch stellenweise nicht oder nur schwierig abgesichert werden – längere runouts müssen bewältigt werden, allerdings noch in gutem bis passablem Fels, vereinzelt schlechte Standplätze. Objektive Gefahren, ernstes Ambiente, schwierige Rückzugsmöglichkeiten.
S: sicherer Umgang mit allen Sicherungsmitteln, große Erfahrung im Standplatzbau.
R: auch in den schwierigen Passagen Stürze mit schweren Verletzungen möglich
P: hoch,
Beispiele: Fleischbank: Long Shoat (E5-), Mythomania (E5), Totenkirchl "Bergführerweg" (E5+)
E6 Sehr ernste Route – schlechte Standplätze, sehr schlechtes Material, bzw. schlechte oder keine Sicherungsmittel anzubringen, lange runouts, unsicherer Fels, große Objektive Gefahren, ernstes Ambiente mit fehlenden Rückzugsmöglichkeiten.
S: perfekter Umgang mit allen - auch exotischeren - Sicherungsmitteln,
R: gefährliche Route mit sehr hohem Unfallsrisiko
P: sehr hoch
Beispiel: Odysee (E6-)

Abkürzungen:

S= wie gut muß der Begeher mit (welchen) Sicherungsmitteln umgehen können
R= wie groß ist das Risiko eines Unfalls oder einer Verletzung (z. B. wenn man sich überschätzt hat oder Wetter und Verhältnisse nicht passen.)
P= welche Anforderungen werden an die Psyche bzw. die mentalen Fähigkeiten eines Begehers gestellt sofern er den geforderten Kletterschwierigkeitsgrad beherrscht.

Dem E-Grad kann ein + oder - angefügt werde um eine feinere Abstufung zu erreichen.

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