Klettern am Lac du Bourget
10.06.2026 von Markus StadlerSportklettern in Savoyen über dem größten See Frankreichs
Der Lac de Bourget ist der größte natürliche See Frankreichs – eingebettet in die voralpine Landschaft der Savoyer Kalkalpen. Neben Badeplätzen, Segelbooten und Sonnenuntergängen findet man hier auch viel Fels in der Umgebung. Alleine die Hänge über dem nördlichen Ostufer oberhalb von Chindrieux bieten ein Felspotenzial, das fast schon an den Gardasee und an Arco erinnert. Dazu sind es von Chindrieux mit dem Auto nur 20–30 Minuten Fahrzeit zu den großen Gebieten in der Schlucht von La Balme und bei Paves. Und wer sich am Südende des Sees aufhält, findet in der Umgebung von Aix-les-Bains und Chambéry noch etwa ein Dutzend kleinere Klettergärten. Insgesamt gibt es in der Umgebung des Lac de Bourget deutlich über 1000 Kletterrouten.
Anreise
Aufgrund der beachtlichen Höhenunterschiede vor Ort sind entweder ein Auto oder zumindest ein E-Bike sinnvoll, wenn man hier Sportklettern möchte. Von Süddeutschland fährt man am besten über die Schweiz bis Genf und dann noch gut eine Stunde bis ans Nordufer nach Chindrieux. Fahrzeit von München ca. 7–8 Stunden ohne Pausen. Wer mit dem Zug anreist, fährt zuerst nach Lyon und von dort in einer Stunde nach Culox, 10 km nordwestlich von Chindrieux. Von dort gibt es eine Verbindung nach Chambery, die auch am Bahnhof in Chindrieux hält.
Übernachtung
Camping
Es gibt mehrere Campingplätze, die in Frage kommen.
- Camping Les Peupliers du Lac
Schöner und preisgünstiger Campingplatz, strategisch gut gelegen, etwas südlich des Ortskerns von Chindrieux. In fußläufiger Entfernung (jeweils 15 bis 20 Minuten) erreicht man sowohl den Bäcker als auch den Badestrand am Nordufer des Sees. Mit dem Auto fährt man etwa 5-20 Minuten zu den Parkplätzen der Klettergebieten, die sich in den Hängen über dem See verteilen. - Camping Les Balbelles in Conjux
Wer näher am See übernachten möchte, kann am Nordostufer sein Zelt aufschlagen. Allerdings fährt man dann täglich 5–10 Minuten auf der schmalen und zur Saison oft sehr vollen Straße am See entlang zum Klettern und Einkaufen. Vor Ort ist alles sehr eng – am Campingplatz und auch außerhalb, zum Beispiel zum Parken. Dafür geht man zum Strand gerade mal 2 Minuten. - Camping Lac du Lit du Roi
Sehr malerisch gelegen an einem kleinen Stausee des Rhonekanals zwischen Chindrieux und Belley. Er eignet sich als gut gelegener Ausgangspunkt, wenn man auch die Gebiete La Balme und Parves besuchen möchte. Die Fahrzeit zu den Felsen oberhalb von Chindrieux verlängert sich um etwa 15 Minuten. Wir waren nicht dort, aber es scheint sich nicht um einen richtigen Campingplatz zu handeln, an dem man sein Zelt aufstellen oder mit einem Van übernachten kann, sondern man muss sich in kleinen Hütten einmieten. Außerhalb der Saison sind die Preise allerdings ziemlich günstig. - Campingplatz in Yenne (preisgünstig und sehr nahe am Klettergebiet La Balme).
Wildes Übernachten
Während unserer Pfingstferien waren viele Campingbusse unterwegs und man sah sie auf vielen Parkplätzen über Nacht stehen, was wohl nirgends ein Problem darstellt. An den abgelegenen Standorten, zum Beispiel am Col du Sapenay oder am Parkplatz vom Klettergebiet Chateau Barthelier kann man auch mal für eine Nacht sein Zelt neben das Auto stellen, ohne dass es jemanden stört.
Beste Jahreszeit
Das Klettergebiet liegt sich am Nordwestrand der Französischen Alpen. Die tief gelegenen Sektoren (z. B. La Balme) befinden sich auf gut 300 m Meereshöhe, die Felsen am Col de Sapeny liegen auf etwa 800 m ü. NN. Im Winter kann man hier bei gutem Wetter an den sonnigen Felsen klettern, im Sommer im Schatten, solange es nicht allzu heiß ist. Ideal sind die Übergangszeiten, also Frühjahr und besonders der Herbst. Dann hält sich auch der Andrang anderer Touristen in Grenzen. Am Wochenende muss man jedoch zu jeder Jahreszeit mit vielen Ausflüglern aus den nicht allzu weit entfernten Großräumen Lyon und Genf rechnen. Im Juli und August würde ich die Region als Kletterer eher meiden. An den meisten Felsen ist es dann oft zu heiß.
Klettergebiete
Wir konnten in unserem bisher einzigen Urlaub in der Region nur ein paar wenige der vielen Gebiete besuchen. Die Infos beruhen daher nur zum kleinen Teil auf eigenen Erfahrungen, das meiste ist aus anderen Informationsquellen wie Gesprächen mit anderen Kletterern, Kletterführer und Internet zusammengesucht. Eine Auswahl der wichtigsten Gebiete (es gibt noch weitere, kleine Gebiete).
- Col de Sapenay / Chateau Barthelier
Sehr großes Klettergebiet mit vielen Sektoren hoch über dem Lac de Bourget. Man fährt gut 15 Minuten die kurvige Passstraße hinauf zum Col de Sapenay, von wo aus die Zustiege 2 - 20 Minuten betragen. Zu manchen Sektoren sind die Zustiege nicht einfach zu finden und können in Ausnahmefällen auch recht abenteuerlich sein (Fixseile, Leitern). Gut erreichbar sind die Sektoren Chateau Barthelier, Grotte und Cornailles (Initiation + Topolino), die wir alle zumindest angeschaut haben. Es gibt hier über 400 Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Die Absicherung ist meist perfekt und der Fels fast überall noch rau und wenig abgeklettert (Ausnahme Sektor Initiation). Die Gebiete sind durchweg süd- bis westseitig. An den Einstiegen stehen meistens Bäume, aber warmen Tagen wird es am Nachmittag schnell zu heiß zum Klettern. - La Chambotte
Der Klassiker am Lac du Bourget. Man klettert hoch über dem See mit Blick auf das blaue Wasser. Der Wandfuß im Sektor “droite” ist überraschend bequem angesichts der Tatsache, dass der Felsriegel in der steilen Flanke liegt. Ebenso bequem ist der Zustieg von 5- 10 Minuten vom kleinen Parkplatz an der Straße, sofern er nicht überfüllt ist. Es gibt an den zwei Felsriegeln links und rechts der Straße insgesamt über 200 Routen, wobei das Niveau im Sektor “droite” schwerpunktmäßig im mittleren Schwierigkeitsbereich liegt (5c bis 7a) und im Sektor “gauche” die höheren Schwierigkeitsgrade stärker vertreten sind. Dafür, dass hier seit Jahrzehnten geklettert wird, sind die Routen noch überraschend wenig abgespeckt, die beliebtesten Routen sind aber nicht mehr rau. Die Wände sind nach Süden und Westen ausgerichtet - manche Wandbereiche sind gut von Bäumen abgeschattet, andere wiederum voll sonnig. - Chindrieux
Die Sektoren direkt über dem Ort haben wir angesichts des zu heißen Wetters während unseres Pfingsturlaubs nicht besucht. Es gibt hier sowohl kurze Sportkletterrouten mit einer Seillänge, als auch Mehrseillängenrouten mit 5-6 Seillängen. Der Sektor “Bas” ist ein Sportklettersektor mit über 100 Routen, oft 40 Meter lang, vorwiegend im Schwierigkeitsbereich 6a bis 7c. - Parves
Das Gebiet liegt etwa 20 Minuten westlich von Chindrieux in Richtung Belley. Es ist eines der wenigen nordseitigen Gebiete, allerdings war es nicht in unserem Kletterführer enthalten und daher haben wir es nicht besucht. Es gibt über 200 Routen im Level 5b bis 8b mit Schwerpunkt im Bereich 6a bis 7b. - Le Balme de Yenne
Großes Gebiet mit vielen schwierigen Routen. Zusammen mit den angrenzenden Gebieten Virginin und Saint-Didier gibt es hier insgesamt etwa 400 Sportkletterrouten mit Schwerpunkt von 7a bis 8c. Etwas moderatere Wege im 6. Grad sind zwar ebenfalls zu finden, aber deutlich seltener und oft sind sie auch nicht so lohnend. Wer hingegen steile Kletterei in Grotten und Dächern liebt, ist hier richtig. Die Zustiege sind durchweg kurz und das Ambiente in der Schlucht der Rhone äußerst spektakulär.
Kletterführer
Bei unserem Besuch war nur der Kletterführer “Escalade en Savoie, Tome 1” erhältlich, der die meisten Gebiete relativ aktuell beschreibt.