Kategorien: Klettergebiet Urlaubsziel Türkei Türkei

Türkei: Geyikbairi bei Antalya

19.09.2025 von Markus Stadler
Sportklettern in Geyikbairi
Sportklettern in Geyikbairi

Sportklettergebiet im Hinterland der Touristenstadt

Ein bekanntes und großes Winterziel zum Sportklettern ist das Klettergebiet Geyikbairi bei Antalya in der Türkei. Durch seine problemlose Erreichbarkeit mit den Billigflügen diverser Chartergesellschaften, dem tollen Fels und die gute Infrastruktur mit mehreren Camps direkt unter den Felsen ist es ein ideales Feriendomizil zum Klettern im Winter. Aber auch im Frühjahr und Herbst lässt es sich dort die gut Zeit aushalten. Nur in den Hochsommermonaten ist es meist heiß sein, auch wenn mittlerweile ein paar schattigere Wände erschlossen wurden. Etwa eine halbe Stunde Fahrzeit oberhalb befindet sich allerdings das neue Gebiet Citdibi, das aufgrund der Höhenlage deutlich kühler ist und vor allem schwerere Routen an Sintern bietet. Neben Geyikbairi hat sich in den letzten Jahren Olympos zum zweiten Hotspot der Region entwickelt - etwa eineinhalb Stunden Fahrzeit südlich von Antalya.

Anreise

Am schnellsten und günstigsten mit dem Flugzeug nach Antalya (von fast allen internationalen Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz) - Flugpreise stark saisonabhängig. Wer sich spontan entscheiden kann, für den gibt es häufig spottbillige Lastminute Reisen, oft sogar inklusive einem günstigen Hotel in Antalya (siehe Übernachtung). Bei Anmeldung in den Camps wird ein Abholservice organisiert (kostet zwischen 25 und 30 Euro pro Fahrt) - Fahrzeit vom Flughafen ca. 45 Minuten. Die Alternative ist ein Mietauto, womit man vor Ort flexibler ist. Die öffentliche Anbindung von Geyikbairi an Antalya ist leider nur sehr unzureichend und man kann sonst außer Klettern nicht viel machen und auch das Einkaufen ist auf Dauer recht umständlich. Die Anreise mit dem Auto ist von Mitteleuropa aus langwierig (mehrere Tage) aber sicher abenteuerlich, vor allem wenn man über den Balkan fährt. Es ist aber auch möglich per Fähre z. B. von Venedig nach Antalya zu kommen.

Für EU-Bürger ist die Einreise in die Türkei mit einem Reisepass oder Personalausweis möglich. Für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen ist dabei kein Visum erforderlich. 

Übernachtung:

Camps direkt im Klettergebiet

Es gibt inzwischen etwa 10 Camps vor Ort, von denen aus man zu Fuß zu den Klettergebieten gehen kann. Hier sind die wichtigsten Anlaufstellen:

1. JoSiTo

Das Camp - benannt nach den Gründern Jost, Siri und Tobi, von denen inzwischen nur noch Tobi Haug übrig ist und der das Camp mit seiner Frau leitet. Man kann zu fast allen Sektoren in 5-20 Minuten zu Fuß gehen. Die Infrastruktur lässt kaum Wünsche offen. Schöne Zeltplätze, holzbungalows, Aufenthaltsraum mit Gemeinschaftsküche und eine Bar und ein Restaurant mit hervorragendem Essen. Mindestaufenthalt ist vier Nächte!

2. Camp Geyik

Ebenfalls ein modernes Camp (seit ca. 2016) mit vielen Unterkunftsoptionen, zum Teil noch etwas komfortabler. Es liegt im oberen Teil des Gebiets ist und nahe am Dorf dran, das von hier aus in etwa 10 Minuten zu Fuß erreichbar ist. Mindestaufenthalt zwei Nächte - auch für Campingbusse.

3. Camp Flying Goat

Kleines, internationales Climbers‑Hostel bzw. Camp mit vorwiegend Bungalows und ein paar Zeltplätzen nahe an der Straße, dafür aber sehr kurzer Zustiegszeit zu den klassischen Sektoren im linken Teil der Hauptwand. Nicht für größere Gruppen und der Mindestaufenthalt beträgt 6 Nächte.

4. Peak Camping / Guesthouses

Bungalows und einige Zeltplätze direkt am Fuß der Sektoren Ottoman bis Barbarossa. Die Betreiberin Aysel sorgt für eine sehr herzliche Atmosphäre und tischt im Restaurant regionaltypische Küche auf. Auch eine Gemeinschaftsküche ist vorhanden.

Hotels in Antalya

Antalya ist eine beliebte Touristen-Destination, die nicht nur rund um die Uhr von vielen Fluggesellschaften angeflogen wird, sondern auch Hotels in jeder Qualität und Preisklasse bietet. Da in der idealen Kletterzeit im Herbst und Frühling die Hotels nahezu leer stehen, versuchen diese die Touristen mit billigsten Angeboten zu ködern. Eine interessante Alternative es es daher einen Pauschal- oder Cluburlaub in Antalya zu buchen, oft für wenige hundert Euro pro Woche all inklusive, dazu ein günstiges Mietauto. Mit vollgeschlagenem Bauch vom Frühstücksbuffet lässt sich dann täglich die halbe bis dreiviertel Stunde Fahrt zum Klettergebiet durchhalten. Angebote dafür bekommt man fast in jedem Reisebüro. 

Reiseführer

Einen umfassenden Online-Reiseführer zur Region um Antalya (und auch anderen Gegenden der Türkei) findet ihr im Blog von Thomas Jeltsch.

Beste Jahreszeit

Hier kann man das ganze Jahr klettern, wobei es vor im Hochsommer ziemlich heiß werden kann, selbst an den schattigen Wänden. Im Winter hingegen kann es hier auch schneien und Frosttemperaturen geben, bei Sonnenschein und Windstille herrschen dafür aber an den Südwänden meist ideale Klettertemperaturen. Für die Nächte sollte man jedoch unbedingt den wärmeren Schlafsack einpacken. Optimal sind das Frühjahr und der Herbst, dann hat man die größte Auswahl an Routen, weil je nach Tageszeit und Wetter an allen Expositionen geklettert werden kann.

Kletterführer

Vor Ort gibts den Kletterführer "Rockclimbing Guide to Antalya" von Ötztürk Kayikci - in dem nahezu alle Routen aufgelistet sind, ebenso die Klettergebiete rund um Olympos. Weitere Infos zu den einzelnen Routen und Sektoren gibts in den beiden Camps.

Die 10 besten Sektoren

In Geyikbairi gibt es inzwischen (Stand 2026) über 1000 Routen. Die fast 2 km breite, überwiegend nach Süden exponierte Hauptwand ist in zahlreiche mehr oder weniger klar abgegrenzte Sektoren unterteilt. Dazu gibt es aber südlich davon noch zahlreiche weitere “kleinere” Felsen (einige immer noch mit mehr als 100 Touren) in allen Expositionen. Eine kleine, subjektive Auswahl der besten und wichtigsten Sektoren:

  1. Sarkit
    Der größte Sektor im linken Teil der Hauptwand mit insgesamt etwa 70 Routen. Tufa-Paradies mit vielen steilen Sinterrouten und einigen rauhen Plattentouren. Schwerpunkt der Routen zwischen 6c und 8a, Routenlänge zwischen 20 und 35 Meter. Unter den drei grottenartigen Überhängen kann auch bei Regen geklettert werden
  2. Trebenna
    Der schattigste Sektor des Gebiets mit 150 Routen, vorwiegend in den mittleren bis gehobeneren Graden (Schwerpunkt der Routen 6c+ bis 8b) - es gibt aber auch die ein oder andere leichtere Route. Direkt hinter dem Josito-Camp.
  3. Mevlana
    Der "Hauptsektor" im rechten Bereich des riesigen Wandriegels. Etwa 30 Routen mit steiler Sinterkletterei, meist im Level 7a bis 8a+, in den rechts und links angrenzenden Sektoren Ottoman gibt es dann aber auch eine gute Auswahl an Routen von 5c bis 6c, die oft 35 Meter lang sind.
  4. Anatolia
    Neben dem Sektor Sarkit der zweite Hotspot im linken teil des Hauptriegels. Sie ist rechts der großen Grotte und bildet den rechten Abschluss des Hauptsektors. Einige Routen sind sehr lang - ein 70 m Seil ist hier in jedem Fall sinnvoll. Der Routenschwerpunkt liegt im Bereich 7a bis 7c.
  5. Gizlibahce und Cesme
    Der linke Bereich der Hauptwand bietet vielen schöne Routen im unteren bis mittleren Schwierigkeitsbereich (5b bis 6b). Routenlänge meist zwischen 20 und 25 Meter
  6. Turkish Standard und Left Cave
    Breite, vielfältige Wand direkt neben dem Josito-Camp. Im Gegensatz zum gegenüberliegenden Trebenna ist der Felsen sonnig. Das Routenangebot ist eher moderat mit Schwerpunkt von 6a bis 6c, es gibt aber auch einige schwere Routen und auch ein paar noch leichtere.
  7. Magara
    Der Sektor mit der großen Grotte. Hier existieren hervorragende Sinterklettereien in allen Schwierigkeitsgraden. Geklettert werden kann hier sowohl bei starkem Wind als auch bei Regen - bei großer Hitze sind hier ebenfalls immer einige Routen im Schatten. Routenlänge durchschnittlich 20 Meter - insgesamt etwa 30 Routen von 6a bis 8a.
  8. Küllüin
    Ewas abseits gelegene Wände am oberen Ende des Tälchens, kurz vor dem Dorf Geyikbairi, vorwiegend ostseitig. Hier gibt es viele leichtere Wege im Level 5a bis 6a, wer es schwieriger sucht wird im benachbarten, ebenfalls ostseitig exponierten Sektor Rüzarli Bahce 
  9. Kanyon
    Sehr schöner, abwechslungsreicher Sektor im rechten Teil der Hauptwand. Neben überhängenden Henkelrouten gibts hier genauso knifflige Plattenkletterei. Routenlänge meist um 15 Meter, teilweise aber auch über 30 Meter
  10. Alabalyk
    Noch ein schattiger Sektor mit etwa 60 Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Er ist ebenfalls vom JoSiTo-Camp aus in wenigen Minuten erreichbar.