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Skitouren im Berner Oberland April 2000

Bericht einer Sektions-Skitour der DAV-Sektion Rosenheim, geleitet von Markus Stadler in die Aletschregion.

An der Fafleralp - eine Stunde oberhalb vom Blatten war die erste Pause fällig.

An der Fafleralp - eine Stunde oberhalb vom Blatten war die erste Pause fällig.

Bericht einer Sektions-Skitour der DAV-Sektion Rosenheim, geleitet von Markus Stadler

Teilnehmer: Hannelore Silflinger, Liane Baltheiser, Sabine Kohwagner, Camilla Knorr, Christan Maas und Till Rehm
Bericht: Camilla Knorr 
Bilder: Markus Stadler (schlechte Qualität da gescannte Dias!)

Gletscher, Viertausender und Nachschlag ohne Ende

Schon mal auf zwei Viertausendern an einem Tag gewesen? Wahrscheinlich schon. Fühlt sich gut an, oder? Wir Sieben (Markus, Sabine, Liane, Hannelore, Till, Christian und Camilla) hatten uns ziemlich gefreut. Berner Oberland - da wurde einem schon lange was vorgeschwärmt, fit sollte man sein, 4000er zum Einstecken am Wegesrand - das konnte ja gar nicht schlecht werden.

So konnte unsere gute Laune auch ein Nachmittag Nieselregen in Kippel nicht runterziehen. Gute Gelegenheit für alle Mädels, Teebeutel und Riegel zu zählen und Gewicht (natürlich des Rucksacks !!!!) zu reduzieren. Am Sonntag, den 30.4. ging's dann aber endlich los. Ca. 1700 Hm wollen vom Parkplatz in Blatten aus bewältigt werden. Fünfeinhalb Stunden vorbei an Anen- und Hollandiahütte auf die Lötschenlücke (3173 Hm). Wir haben Glück, die flache Wegstrecke über den großen Aletschfirn zur Konkordiahütte legen wir mittels bester Schnee- und Spurenlage fast fahrend zurück. Dann aber - Du freust Dich jetzt ehrlich gesagt schon ziemlich auf einen dampfendes Bergsteigeressen und ein kuscheliges Nachtlager und was starrt Deinen entsetzten Augen entgegen? - 95 Meter Stahltreppe, die Dich vom ersehnten Ziel, der Konkordiahütte trennen. Also, nochmal aufrappeln, Oberschenkel und zwickende Pobacken vergessen, denn oben erwartet uns ein super Hüttenteam und viergängiges Spitzenmenü mit Nachschlagportionen, die selbst Markus und seinem Elastikmagen ein "leichtes Völlegefühl" vermitteln können.

Super Wetter am Aufstieg zum Großen Grünhorn
Super Wetter am Aufstieg zum Großen Grünhorn

Am nächsten Morgen um 6.00 Uhr sind wir ein bißchen einsam. "Die spinnen, die Schweitzer" längst sind sie über alle Berge. Auch wir tapen die Fersen und machen uns über den Konkordiaplatz auf den Weg auf's 4043 Meter hohe Gross-Grünhorn. Als es endlich steiler aufwärts geht, atmen die Füße spürbar auf. Die Fersen pochen in den Steigeisen, aber die Sonne lacht, und oben angekommen schauen wir uns um und denken darüber nach, wie gigantisch und wild doch die weiß glitzernden Gipfel um uns, wie klein im Gegensatz dazu wir, und welch geniale Erfindung die wärmende Gletschersonne ist. Die Abfahrt und der Anblick einer türkisglitzernden Eiswand läßt fünf Herzen dann gleich noch länger vor Glück in den dazugehörigen Hälsen schlagen. 

Die Jungfrau im ersten Morgenlicht
Die Jungfrau im ersten Morgenlicht

So, heute, Dienstag, muß sie fallen, die vielgerühmte Jungfrau. Fünf Kilometer geht es nach NW dahin über den flachen Jungfraufirn und dann aufwärts, bis wir auf 3885 Hm das Skidepot im Rottalsattel erreichen. Nach einstündiger Steigeisenkraxelei und zwei Fixseilen stehen wir auf 4158m, überwältigt von einem wunderschönen Alpenausblick, der einen so profane Dinge wie Brotzeitbrockenschlucken schon mal vergessen läßt.

Die Wahnsinnsaussicht von der Jungfrau entschädigt für viel Schnauferei
Die Wahnsinnsaussicht von der Jungfrau entschädigt für viel Schnauferei

Die strahlende Jungfrau und den mächtigen Mönch im Rücken wedeln wir zurück auf den Konkordiaplatz. Und da ist sie wieder, diese Höllentreppe. Hätte ich die Kraft gehabt, ich hätte sie eigenhändig eingerissen!!! Aber zum Glück zieht uns die Lust auf knusprigem Apfelkuchen und v.a. Christian Hannelore und Till die Sehnsucht nach einem kühlen Bierchen auf der gemütlichen Sonnenterrasse nach oben. Ich weiß nicht, welcher Teufel den Markus geritten hat, wahrscheinlich steht sein Sprinrekord von sieben Minuten in direktem Zusammenhang mit abartigen Hungergefühlen. Zum gemütlichen Abschluß dieses Tages und zur Feier der ersten zwei Viertausender spendiert Liane zu allseitiger Freude ein Fläschen Rotwein.

Am Mittwoch läßt der Rest der Truppe mich und meine ramponierten Füße ausschlafen. Tapfer stapfen sie auf's Grünegghorn und haben's trotz Nebel nach eigener Aussage genossen. Nachdem wir abends im Nachtlager unter viel Gegacker herausgefunden haben, daß Tills Gesicht langsam bedenklich tiefe Rotfärbung annimmt und wer die abgedrehtesten Muskellockerungsübungen beherrscht, wollen wir gerade einschlafen, als uns unmenschliche Sägegeräusche jäh aus den Träumen von der morgigen Tour reißen. Leider hat das gute Mannsbild eine Schlaftablette genommen, und selbst Hannelore kann, obwohl sie recht handgreiflich wird, nichts berwirken außer einem verschlafenen: "I hob a Tabletten g'nomma. Mogst a oane?"

Donnerstag, 4.5.

Motto heute: Viertausender im Doppelpack. Uns erwarten die zwei stolzen Fiescherhörner. Nach dem Ewigschneefäld steigen wir nach Nordosten zur Scharte zwischen Groß - und Hinterfiescherhorn auf. Nach einigen Adrenalinschüben bei der Steigeisenkraxelei stehen wir pünktlich zur Mittagsbrotzeit auf 4048 Hm auf dem Gipfel des Gross- Fiescherhorns und neimand von uns kann sich einen schöneren Brotzeitplatz denken. Das Wahnsinnspanorama und vor allem das beeindruckende Finsteraarhorn treiben jedenfalls mir leise Gänsehautschauer über den goretexgeschützten Buckel. Zurück in der Scharte lockt uns schon mit dem Hinter-Fiescherhorn schon der nächste Gipfel. Auf 4025 Meter genießen wir bei einem Stück Gipfelschoki nochmal diese abwechsungsreiche Tour, freuen uns über das gute Wetter auf unsere Seite und das schlechte drüben bei der Konkordiahütte und beschließen, jetzt verdientermaßen ein bißchen stolz sein zu dürfen.

Abfahrt von den Fiescherhörnern zur Finsteraarhornhütte
Abfahrt von den Fiescherhörnern zur Finsteraarhornhütte

Abwärts geht's dann nach schönen weiten Hängen durch einen imposanten Gletscherbruch. Bei einer Verschnaufpause halten wir außerplanmäßig die Luft an: Durch was man alles so durchfahren kann! Nur gut, daß wir über die klaffenden blauen Löcher weg sind. Zum Ärger eines Bergführers, der uns hartnäckig von den Vorteilen leichter Kost zu überzeugen sucht, schlagen wir uns in der fast aus ihren Nähten platzenden Finsteraarhornhütte kräftig die Bäuche voll. Über die Frage eines gequälten Schweizer Gastes im Nachtlager, ob alle Deuschen so stinken wie wir, schlafen wir belustigt und zufrieden ein, währen der arme Kerl noch verzweifelt nach Luft schnappt.

Große Erleichterung morgens: Der Wettergott ist wieder auf unsere Seite. Hätte er uns heute einen Strich durch die Finsteraarhornrechnung gemacht, wären wir ihm auch zu siebent geschlossen an die Gurgel gegangen. Auch, wenn die letzten Tage jetzt schon in den Knochen stecken, genießen können wir ihn schon, den Aufstieg auf diesen Gipfel, der uns schon gestern von weitem so imponierte. Die Wolken fetzten sich zwar ab und zu wild mit der Sonne bis wir im Hugisattel ankommen, aber pünktlich zum teilweise ausgesetzten Anstieg, bei dem uns entgegenkommende Seilschaften willkommenen Ruhepausen bescheren, ist die Sicht optimal. Wie schön es ist, da oben zu stehen, ist ja jedem vorstellbar. Ein königlicher Gipfel, die Krönung unsere Tour, vergletscherte sonnenbeschienene Berge rundherum, und wir als glückliche Meute auf 4273 Hm mittendrin in dieser wilden Landschaft! Einfach geil!!!

Der wahre Höhepunkt dieser Skitourenwoche und des gesamten Berner Oberlandes: Das Finsteraarhorn
Der wahre Höhepunkt dieser Skitourenwoche und des gesamten Berner Oberlandes: Das Finsteraarhorn

Nachdem wir staubende Schneewolken hinter uns gelassen haben, pferchen wir uns mit Gleichgewichtsstörungen teilweise beträchtlichen Ausmaßes den Weg zur Hütte zurück. Auf dem Weg zurück zur Grünhornlücke spurten Markus und Christian dann zwar in einem Affenzahn voraus, aber auch wir anderen sind ja gestärkt mit heißer Erbsensuppe und stecken noch so voller Begeisterung für das wunderschöne Finsteraarhorn, daß wir nochmal kräftig durchstarten. Die gute alte Konkordia ruft! Beim Anblick der Foltertreppe verspürt man ein fast heimeliges Grausen. Was für ein Wahnsinnstag!

Samstag kam dann das schlechte Wetter. Na ja, wir sind jedenfalls alle mächtig glücklich wegen der vergangenen Touren und auf der nebelgetränkten und schier endlosen "Meditationstrecke" zurück zur Hollandia haben wir genügend Zeit, an die vielen schönen Kurzschwunghänge, Gipfelsturmerlebnisse und Rotweinrunden zu denken und ganz nebenbei auch noch die lästigen Wasserbladern zu verfluchen. Im Tal geraten wir dann auf der Suche nach einer Portion Rösti in einen Edelschuppen, der unsere Erwartungen in die duftende Kartoffel-Ei-Käse-und Speckkreation voll zufriedenstellt.

Resümee: Riesentour mit Riesenverpflegung auf der Konkordia und vor allem Riesenführung vom Markus! Deshalb: Riesendank nochmal von uns Sechs und wir freuen uns auf ähnlich Gutes nächste Ostern!!!

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