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Skitourenkurs auf der Albert-Link-Hütte

Schilderung eines Skitourenkurses von Markus Stadler für die DAV-Sektion Rosenheim am Spitzingsee auf der Albert-Link-Hütte.

Aufstieg zur Rotwand

Aufstieg zur Rotwand bei der Abschlusstour des Skitourenkurses

Skitourengrundkurs der DAV-Sektion Rosenheim im Januar 2010 am Spitzingsee

Bericht: Enrico Zein - Fotos: Markus Stadler

Böse Zungen könnten behaupten, dass es sich dabei um einen Nachzüglerkurs gehandelt hat, denn die 6 Teilnehmer standen allesamt auf der Warteliste für die beiden offiziellen, aber ausgebuchten Kurse. Dank der Spontanität der Sektion (allen voran Markus Stadler) konnte ein dritter Kurs organisiert werden – der Spaß konnte also beginnen! Die bunte Mischung der Teilnehmer bestand aus dem saueren Früchtchen Martin, dem heißen Kunden Andi, Lawinenspreng-Sabine, Stephan – dem im Tiefschnee die Ski festgehalten wurden, Maria mit ihrer Museumsausrüstung, 80-Liter-Rucksack-Enrico und dem (Lachmuskel)-Trainer Markus. Als Stützpunkt wurde auf die Schnelle die Albert-Link-Hütte am Spitzingsee gewählt, in der das 10-Mann Lager für den Kurs reserviert war.

Unser Basislager - die Albert-Link-Hütte
Unser Basislager - die Albert-Link-Hütte

Die kurze Anreise von Rosenheim ermöglichte es am Morgen des ersten Tages sofort durchzustarten. Auf dem Programm stand als Grundlage zuerst die Materialeinweisung. Ski – Bindung – Fell - Harscheisen sowie LVS Gerät – Schaufel - Sonde wurden kurz besprochen. Danach ging's voller Elan auf die Piste zum Leistungstest. Zwar war das Wetter nicht das Beste zum Pisteln, umso mehr konnte man den Schneefall dann aber in den kommenden Tagen schätzen. Nachdem sich Markus von den Skifahrqualitäten auf der Piste überzeugt hatte, konnten die Varianten in Angriff genommen werden. So kam auch schon vor der Mittagspause die erste Off-Road-Lektion zustande – zu bezwingen war eine steile enge Rinne im "seitlichen Abrutschen". Nach getaner Arbeit ging's dann zum Mittag.

Die zweite Tageshälfte begann mit Lerneinheiten á la Talspitzkehre und Umspringen, was außer beim Betroffenen für viel Heiterkeit in der Gruppe sorgte. Der Abenteueraspekt kam beim anschließenden Variantenfahren über Stock und Stein auch nicht zu kurz. Die Aufnahmebereitschaft wurde selbst am Abend beim gemütlichen Zusammensein noch gefordert – durch die Essenportionen einerseits und das Bestellen in Abkürzungen andererseits. Fortan hieß das Zauberwort nur DWZ – Dunkles Weizen! So neigte sich der erste Tag dem Ende entgegen und alle (außer Markus wahrscheinlich) ließen ihre Köpfe erschöpft auf die harten Heukräuterkissen fallen. Der zweite Tag startet wie der Erste endete: Mit 'ner großen Portion – das Frühstück konnte sich wirklich sehen lassen. Danach hieß es wieder Winterfest machen und raus in den Schnee! Gänzlich hatte es noch nicht aufgehört zu schneien, aber die Lage hatte sich verbessert. Entgegen dem ursprünglichen Plan, Lehrstunde und Tour zu trennen wurden die beiden Schwerpunkte zusammengelegt. Das Ziel der Tour war der Stolzenberg. Zu Beginn gab's eine kurze Einweisung in die Kurventechnik beim Aufstieg – auch Bogentreten und Spitzkehre genannt.

Spitzkehrentechnik
Spitzkehrentechnik

Bestückt mit diesem Wissen wund sich die Truppe zum Basislager weiterer Ausbildungen, der Haushammer Alm - jedoch nicht ohne unterwegs wachsam die Lawinengefährdung zu beurteilen. Im Basislager wurde nach kurzer Einweisung paarweise die Einfachverschüttetensuche geübt. Unterdessen legte Markus heimlich einen Parcours an, in dem anschließend alle ihr frisch erworbenes Können und Teamgeist unter Beweis stellen konnten – natürlich hat das wachsame Auge (inkl. Objektiv und Kamera) nicht gefehlt. Der "Rundkurs der Qualen" umfasste steile bis sehr steile Aufstiege, noch steilere Spitzkehrmanöver, eine Tragepassage, Abfahrt mit Fellen und wurde mit einer kleinen unverspurten Tiefschneeabfahrt belohnt.

Steile Spur
Steile Spur

Wer dann gedacht hatte "es ist getan" wurde enttäuscht, denn Marias Rucksack samt Schokoriegel hatte sich in der Zwischenzeit im Schnee versteckt und wollte gefunden werden. Nach kurzer Koordinationsphase setzte sich das Team geteilt in Grobsucher (LVS) und Feinsondierer (Sonde + Schaufel) in Bewegung, was innerhalb von 5. Min zum Erfolg bzw. Fund führte. Da kann man im Nachhinein nur von Glück reden, dass der Rucksack den Piepser mit hatte – Again what learned liebe Skitourengeher! Der Stolzenberg war noch nicht bestiegen, also wurde angegriffen. Mit gemäßigter Spur ging's durch den wunderschön verschneiten und unverspurten Winterwald. Angekommen auf dem Gipfel war die Stimmung der Truppe bei Brot, Käse, Wurst und heißem Tee natürlich super, was scheinbar auch das Klärchen für 'nen kurzen Moment veranlasste hinter den Wolken hervorzuschauen. Die Abfahrt in erstklassigem Powder war für die guten Skifahrer ein Genuss, für die weniger Guten tat's auf keinen Fall weh.

Pulver vom Feinsten am Stolzenberg
Pulver vom Feinsten am Stolzenberg

Zurück an der Hütte war die Zeit doch schon vorangeschritten, die Verschüttetensuche im Albert-Link-Haus eigenem Suchfeld musste daher verschoben werden. Stattdessen widmete sich die Crew lieber im Warmen den Themen Lawinenlagebericht, Tourenplanung, Geländebeurteilung, 3x3 Methode und DWZ.

Spuranlage im Aufstieg zum Lämpersberg
Spuranlage im Aufstieg zum Lämpersberg

Am dritten Tag stand von Beginn an Routenlegung, Spuranlage und Gruppenführung auf dem Programm – und das nicht in Theorie, sondern in Praxis. Alle Kursteilnehmer waren mal dran, die Gruppe auf einem Abschnitt der Tour zu führen. Als Ziel wurde schon am Vorabend der Lempersberg erkoren. Alle waren super motiviert, da sich über einer dünnen Wolken/Nebelschicht ein sonniger Tag ankündigte. So ging es kurz Querfeldein bis zum Forstweg Richtung Rotwand, diesen bis zur Bergwachthütte folgend und dann ab ins Gelände. Die Skipiste wurde links liegen gelassen um "fernab" vom Trubel eine eigene Spur Richtung Gipfel zu ziehen. Vorbei an den Wallenburgalmen ging's über den Sattel zwischen Taubenstein und Lempersberg hinauf. Bei schönstem Sonnenschein und in aller Ruhe wurde oben ne deftige Brotzeit gemacht. Die Führung der Abfahrt teilten sich Sabine und Maria. Die beiden fetzten derart die Piste hinunter, dass selbst Markus nicht sturzfrei bleib. 

Stefan liebt spektakuläre Stürze
Stefan liebt spektakuläre Stürze

Die nach jeder Etappe folgenden kurzen Beurteilungen der Führenden machten jedem klar, dass es nicht einfach ist, eine Gruppe zu führen. Karte-Lesen, Spuranlage, Tempo, Pausengestaltung und unterschiedliche Können-Level wollen alle unter einen Hut gebracht sein. Der Tag war noch nicht zu weit fortgeschritten, daher wurde auf halber Höhe gestoppt um die ausstehende Mehrfachverschüttetensuche zu üben – Stichwort 3-Kreismethode. Da jeder ein anderes LVS- Gerät hatte, konnten hier sehr schön die Unterschiede herausgestellt werden (eine Antenne vs. drei Antennen; akustische Führung vs. Pfeilanzeige vs. Display). Learning by doing bracht noch eine weitere interessante Erkenntnis hervor: Wenn man mit dem aktiven Sender neben dem Suchenden her läuft, zeigt sein LVS- Gerät ständig kurze Entfernung zum nächsten Verschütteten an und der Bediener ist total verwirrt. Bevor es dann allen zu kalt wurde, konnte noch schnell ein Schneeprofil gegraben werden, um auch diese Möglichkeit der Beurteilung des Schneedeckenaufbaus zu demonstrieren. Anschließend ging's auf gleichem Weg wie aufgestiegen zurück zum Stützpunkt.

Auch an diesem Abend mussten alle noch mal ihre Köpfe zusammen stecken, es galt die Kursabschlusstour zu planen. Nachdem Maria und Enrico erklärt wurde, dass eine Reibn weder ein Gipfel und im Tourensinn schon gar kein Küchengerät ist, konnten die Details zur Tour – der Rotwandreibn – angegangen werden. So wurde entschieden, einen alternativen Waldaufstieg zu probieren um die Forststraße abzukürzen. Weitere Varianten wie Abfahrt oder XXL- Runde sollten dann vor Ort entschieden werden – vorsichtshalber wurde die Steilheit der Nebelrinne schon mal vermessen. Nach dem Sachenpacken und dem gewohnt üppigem Frühstück ging's los. Ne kurze Skatingpassage im Valepptal bis zum Einstieg brachte alle auf Temperatur. Danach zog Markus eine gediegene Spur durch den Wald hinauf zum Forstweg, auf dem es weiter Richtung Rotwand ging. Kurz unterhalb des Rotwandhauses wurde die Wolken- bzw. Nebelschicht durchstoßen und es eröffnet sich ein super Blick über den Alpenhauptkamm. Das wollten natürlich alle vom Gipfel sehen, also reihte man sich ein in den Pilgerstrom. Oben auf dem Gipfel war es einfach herrlich – der ideale Brotzeitplatz!

Die letzten Meter zum Gipfel hoch über dem Nebelmeer
Die letzten Meter zum Gipfel hoch über dem Nebelmeer

Der ein oder andere Mutige blickte schon beim Aufstieg über die Wechte, welche über der Einfahrt in die Nebelrinne hing. Spätestens als es zur Abfahrt kam, wurde das Thema für alle ernst. Und da war sie, die Gruppendynamik. Letztendlich wurde die Rinne zwar nicht mit dem gegrabten Heli eingesprungen, dennoch traute sich jeder rein und wurde mit feinstem Pulver belohnt.

Steile Einfahrt in die Nebelrinne
Steile Einfahrt in die Nebelrinne

Endorphin- und Adrenalingepuscht ging's vom Sammelpunkt im Tal wieder hoch auf den Sattel zwischen Hochmiesing und Rotwand. Die Abfahrt ins Kleintiefental war wegen der Hangausrichtung und Menge an Befahrungen leider nicht mehr sehr genießbar, aber auch das gehört dazu. Wie es so ist, auf ner Tour bleiben kleine Materialprobleme nicht aus. Beim erneuten Auffellen, um zum Taubensteinhaus bzw. zur Abfahrtspiste zu gelangen, streikten zweier Felle und weigerten sich am Ski festzukleben. Der tropfenden Sprühkleber von Markus genügt jedoch, um den letzten Aufstieg zu meistern. Jetzt hieß es noch die Runde über Skipiste und Forstweg zu zu machen, die Zeche im ALH zu begleichen und beim Abschlusskaffee die Tour ausklingen lassen.

Alles in allem waren die vier Tage am Spitzingsee sehr lehr- und erlebnisreich. Die sechs Lehrlinge möchten sich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Markus für sein Engagement und seine Zeit bedanken. Der Kursinhalt, sowie die Mischung aus Witz und Ernst, mit der die Themen vermittelt wurden, kamen bei allen super an.

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