Markus Stadler

Skitour Bayerische Voralpen

Bodenschneid (1668 m)

Variantenreiche Kurzskitour überm Spitzingsee

Vom Gipfelgrat der Bodenschneid blickt man hinab zum Tegernsee
Vom Gipfelgrat der Bodenschneid blickt man hinab zum Tegernsee

Wenn die Voralpen im Frühwinter noch oder im Frühjahr schon wieder weitgehend grün sind, dann ist der Spitzingsee oft die letzte Rettung für die Skitourenfreunde. Hier stauen sich Schneewolken besonders lange und die relativ hohe und geschützte Lage verhindert zudem, dass einmal gefallener Schnee nicht so schnell wieder verschwindet. Der gesamte Talkessel teilt sich dabei in zwei Seiten: Während das Rotwand- und Taubensteingebiet auf der Ostseite seit dem Ende des Skibetriebs inzwischen ein hochfrequentiertes Tourengeherrevier ist, herrscht westlich des Sees im Winter Pistentrubel. Trotzdem gibt es auch hier einige Ziele für Skibergsteiger, wovon die Bodenschneid das ergiebigste ist. Zwei verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten und zahlreiche Abfahrtsvarianten versprechen hier fast bei jeder Schneelage einen schönen Tourentag.

Talort: Spitzingsee (1086 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz Kurvenlift an der Westseite des Sees (Abzweigung der Zufahrtsstraße am Spitzingsattel).

Aufstieg: Vom Parkplatz begibt man sich zur Talstation des Kurvenlifts und steigt anfangs links vom Lift auf. Nach rund fünf Minuten zweigt recht der Piste ein Ziehweg ab, auf dem man die Trasse des Schlepplifts kreuzt und bald die Talstation des Drei-Tannen-Lifts erreicht. Leicht ansteigend folgt man nun links des Firstgrabens der Piste zur Unteren Firstalm.

Ab hier gibt es zwei Möglichkeiten:
a) Von den Almhütten zieht man seine Spur nach Norden auf die Felswand der Krettenburg zu und steuert die Einsattelung links davon an. Durch lichten Wald leitet von dort ein Plateau nach Westen und eine schöne Mulde führt nun nach Süden hinauf zum Grat. Die letzten 50 Höhenmeter sind hier recht steil und erfordern Spitzkehren. Außerdem kann der Hang bei Lawinengefahr problematisch sein. Sobald man den Grat erreicht hat, folgt man diesem flach nach Nordwesten zum großen Gipfelkreuz.
b) Von der Unteren Firstalm steigt man am rechten Rand der Skipiste nach Süden zum „Suttenstein“. Von hier folgt man dem bewaldeten Grat (ungefähr entlang der Sommerwegstrasse) nach Nordwesten zum Gipfel (das letzte Stück gemeinsam mir Route a). Dieser Weg ist weitgehend lawinensicher, für die Abfahrt aber weniger lohnend.

Abfahrt: Auf einer der beiden oben beschriebenen Routen.


Blick von der Brecherspitze zur Bodenschneid mit Aufstiegsroute a (rot) und b (violett), Links unten die Firstalm.

Varianten: Es gibt zahlreiche Varianten, die aber fast immer einen Gegenanstieg erfordern, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen.
a) Vom Gipfel fährt direkt nach Südwesten über den breiten Hang hinab zur Bodenalm. Besonders bei Firn ein Traum! Hier fellt man wieder an und steigt nach Süden am Waldrand entlang etwa fünf Minuten auf, bis man rechts querend (eher abwärts) durch den Wald zu einer Forststraße kommt. Auf ihr rutscht man etwa 300 Meter leicht abwärts nach Osten bis zu einem breiten Graben, durch den man dann durch lichten Wald 100 Höhenmeter hinaufsteigt zum Grat. Nun gleich jenseits (nur bei sicherer Lawinenlage) hinab zur Skipiste oder wenn der Steilhang zu heikel ist, am Grat kurz durch den Wald nach Süden hinab zum Suttenstein, wo man lawinensicher auf die Skipiste trifft.
b) Anfangs entlang der Aufstiegroute a) bis unter den ersten Steilhang abfahren. Nun hält man sich links und quert über eine kurze Kante in den großen Nordhang (bei ganz sicheren Bedingungen kann man in diesen auch sehr steil direkt oben vom Grat einfahren - oft hängen dort aber große Wechten). Durch den Hang und den anschließenden Graben fährt man hinab zur Unteren Freudenreichalm. Nun steigt man entweder direkt über den Freudenreichsattel hinauf zur Oberen Firstalm oder nimmt mit einem kleinen Umweg sogar noch den Skigipfel der Brecherspitze mit. Dorthin führt eine schöne Mulde über die Obere Freudenreichalm.
c) Vom Gipfel fahrt man auf der linken Seite des Nordwestgrats ein kurzes Stück ab, bis man durch eine wenige Meter lange, felsige Rinne auf die Nordseite wechseln kann (hier müssen die Ski meist abgeschnallt werden). Ein schöner Nordhang führt nun hinab zum Bodenschneidhaus. Um zurück ins Spitzinggebiet zu kommen, quert man entweder entlang der Sommerwegtrasse leicht ansteigend zur Krettenburg oder fährt nach Osten hinab zur Unteren Freudenreichalm, wo man auf Abfahrtsvariante b) trifft.


Der Südwesthang hinab zur Bodenalm bietet vor allem bei Firnbedingungen eine ideale Abfahrtsvariante.

Aufstiegszeiten: Parkplatz – Untere Firstalm 30 Min., Untere Firstalm – Bodenschneid 1 h

Schwierigkeit:  1 / WS

Anforderungen: Zur Unteren Firstalm (wenig frequentierte) Skipiste und Ziehwege, Gipfelanstieg teils lichter Wald und kurze steile Stellen, die auch Spitzkehren erfordern.

Hangrichtung: alle Expositionen

Orientierung: Bis zur Unteren Firstalm problemlos, Aufstieg a) erfordert etwas Orientierungsvermögen, da meist auch mehrere Aufstiegsspuren vorhanden sind, die nicht unbedingt das gleiche Ziel haben müssen.

Lawinengefährdung: Der letzte Hang zum Grat von Aufstieg a) kann bei Erwärmung, bei Triebschnee oder viel Neuschnee lawinengefährdet sein, Aufstieg b) ist bei überlegter Routenwahl weitgehend lawinensicher. Die Abfahrtsvarianten erfordern allgemein etwas Erfahrung in der Beurteilung der Lawinensituation.

Das letzte Steilstück hinauf zum Grat sollte einigermaßen sichere Schneebedingungen aufweisen.

Günstige Zeit: Dezember – April.

Einkehr/Übernachtungsmöglichkeit: Obere Firstalm, Bodenschneidhaus, Untere Firstalm (im Skigebiet).

Karte: Alpenvereinskarte BY16 - Rotwandgebiet

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