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4000erLeben

4000erLeben von Marlies Czerny

Von Null auf die höchsten Gipfel der Alpen

Titel: 4000erLeben

Autor: Marlies Czerny

Verlag: Bergwelten, 1. Auflage Salzburg, 2019

Seiten: 272

Preis: 22,00 €

Für wen: Begeisterte Bergsteiger, insbesondere diejenigen mit einem Faible für die klassischen Hochtouren

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Rezension

82 Gipfel werden in der offiziellen Liste der UIAA (nicht UIIA -wie auf S. 255 fälschlicherweise abgekürzt) geführt, die in den Alpen die 4000-Meter-Marke übersteigen. Darunter sind zum einen bekannte Touristenmagneten wie Montblanc, Matterhorn oder Breithorn, die nicht nur Bergsteiger, sondern auch jegliches andere Publikum anziehen wie ein Kuhfladen die Fliegen. Andererseits gehören auch deutlich seltener bestiegene, schwierige Gipfel wie das Weißhorn, das Täschhorn, die Grandes Jorasses, das Lauteraarhorn oder Les Droites dazu. Wer jedoch wirklich ALLE Viertausender besteigen möchte, den erwartet darüberhinaus noch eine dritte Kategorie: Das sind die mehr oder weniger unbekannte Zacken und Nebengipfel, die oft nur in schwieriger Kletterei und/oder mit Biwaks auf langen Gratüberschreitungen z. B. am Peuterey Integrale oder am Brouillard Integrale erreicht werden können. Solche Unternehmungen sind nicht nur technisch und konditionell viel anspruchsvoller, sondern erfordern auch ein längeres, absolut sicheres Wetterfenster und gute Verhältnisse. Dementsprechend gibt es nur sehr wenige Bergsteiger, die diese Liste wirklich vollständig abhaken, viele arbeiten ein Leben lang darauf hin und scheitern dann trotzdem irgendwann an den letzten paar fehlenden Gipfeln.

Marlies Czerny aus Oberösterreich hat in beeindruckend kurzer Zeit alle diese Gipfel erreicht. Im August 2011 hat sie ihren ersten 4000er überhaupt bestiegen, den Dom im Wallis. Ziemlich genau sechs Jahre später, im August 2017 absolvierte sie mit ihrem Partner Andi Lattner den Brouillardgrad Integrale und besteigt damit die letzten drei ihr noch fehlenden 4000er: macht im Durchschnitt pro Jahr rund 12 erfolgreiche Gipfelbesteigungen. Das hört sich nicht nach viel an, insbesondere, da man oft auf einer Tour mehrere Gipfel besteigen kann. Wer aber schon einmal versucht hat, sich am Anfang eines Jahres eine Wunschliste mit anspruchsvollen Bergzielen zu setzen und das Jahr über abzuarbeiten, weiß, dass sehr viele Gründe zum Scheitern eines solchen Planes führen können (Wetter, Verhältnisse, fehlende Partner, Termine, Krankheit). Für die großen, mehrtägigen Gratüberschreitungen an der Grandes Jorasses, am Peuterey oder am Brouillard gibts in manchen Jahren höchstens eine Hand voll Chancen mit passenden Verhältnissen und gutem Wetter - wenn überhaupt. Dann muss man als Oberösterreicher auch noch darüber im Bilde sein und 900 Kilometer anreisen. Von daher läßt sich die Motivation und zuletzt auch die Zielstrebigkeit mit der Marlies diese Sammlung komplettiert hat gar nicht hoch genug bewerten - insbesondere vor dem Hintergrund, das sie jahrelang als Vollblut- und Vollzeitjournalistin tätig war (da wird ein Interview schon mal im Nordwandbiwak unterm Matterhorn fertiggestellt!).

An dieser Leistung und an ihren Erlebnissen läßt Marlies die Bergsteigercommunity auf vielfältige Weise teilhaben. Einerseits betreibt sie mit Andi eine Website mit Blog auf der beide regelmäßig über ihre Erfahrungen berichten und dann ist jetzt druckfrisch - der Anlass für diese Rezension - dieses Buch erschienen in dem Marlies in autobiografischer Weise die besten Stories rund um die 4000er-Touren schildert.

Gleich mit den ersten Sätzen merkt der Leser, dass hier ein Profi am Werk war. Der erfahrenen Journalistin geht das Schreiben leicht von der Hand. Die bildhafte aber immer einfache, flüssig lesbare Sprache, erfordert nicht allzu viel Konzentration, um dem Inhalt zu folgen. Sehr offen und persönlich schildert sie ihre Emotionen und die Schwierigkeiten und Probleme, die sie (anfangs noch wenig erfahren) bewältigen muss. Auch die zwischenmenschliche Komponente mit den vielen - zum Teil übers Internet aquirierten - Seilpartnern kommt nicht zu kurz. Die spürbare Begeisterung der Autorin klingt aus jedem Wort und man freut sich nach jedem Kapitel auf die Fortsetzung, so dass die Seitenzahlen nur so vorbeifliegen. Illustriert wird das Buch mit gezeichneten Grafiken zu jedem Kapitel. Darüberhinaus finden sich im Buch verstreut zahlreiche Farbfotos, deren Brillianz allerdings etwas unter dem verwendeten Papier leidet.

Fazit: Ein gelungenes Buch über eine eindrucksvolle Leistung, die für fast jeden Bergsteiger gut nachvollziehbar ist, da sie an den gängigen, meist gut bekannten Alpengipfeln absolviert wurde, die dem Durchschnittsalpinisten nicht verwehrt bleiben sollten. Von daher handelt es sich - im Gegensatz zu den zahlreichen Expeditionsbüchern -  um eine Lektüre, die sicherlich für ein relativ breites Publikum interessant ist.

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