Val di Mello und Val Masino - Klettern im südlichen Bergell
7.11.2024 von Markus Stadler
Granitklettern in alpiner Landschaft
Das Val Masino mit seinen Seitentälern Val di Mello und Val di Bagni gehört mit Sicherheit zu den schönsten Ecken der Alpen. Enge, teilweise noch ursprüngliche Täler mit riesigen Flanken aus Granit und hohen Bergen drumherum, die bis über 3000 m reichen. Hier findet jeder Bergsportler – egal ob Boulderer, Sportkletterer, Alpinkletterer, Hochtourengeher oder Wanderer – den perfekten Platz für sein Hobby. Zusammen mit dem italienischen Flair und der in der Nebensaison wohltuenden Ruhe handelt es sich um eines der letzten Paradiese in den Alpen.
Anreise
Wer in San Martino angelangt ist, braucht eigentlich kein Fahrzeug mehr. Die wenigen Kilometer, die man hier noch zurücklegen muss, um zu den Ausgangspunkten der Kletterrouten oder Hüttenzustiege zu kommen, muss man häufig ohnehin zu Fuß zurücklegen.
Anreise mit dem Auto: Die Anreise aus Deutschland erfolgt in den meisten Fällen über das Engadin (entweder durch das Inntal aufwärts oder über den Julierpass von Davos). Ob man über den Maloiapass und Chiavenna ins Valtellina oder über den Berninapass fährt, macht praktisch keinen Unterschied. Östlich von Morbegno bei der Ortschaft Ardenno zweigt die Straße ins Val Masino ab, die sich über 15 km in einigen Kehren hinaufwindet.
Anreise mit der Bahn: Von Sondrio (am besten über Chur) oder Colico (über Mailand) kommt man mit dem Bus oder Zug nach Morbegno oder Ardenno und weiter mit dem Bus A020 von STPS ins Val Masino (Sommerfahrplan 2026).
Übernachtung
1. Camping
Im Vergleich zu anderen Touristenzentren in Norditalien sind die Preise der Campingplätze hier noch eher moderat geblieben, zum Glück ist auch Luxus-Ausstattungs-Welle bisher noch nicht her angekommen. Wer zu zweit zur Hauptsaison im Sommer mit Zelt und Auto auf einem Campingplatz übernachtet zahlt meist noch unter 20 Euro pro Nacht und Person. Mehrere Campingplätze kommen in Frage:
- Camping Ground Jack (früher Camping Paradise) - Am Parkplatz/Taleingang des Val di Mello. Für die Routen im Tal optimal gelegen und preislich und vom Niveau her vergleichbar mit den anderen beiden Campingplätzen. Nachdem der Campingplatz zwischendurch wegen behördlicher Auflagen einige Jahre geschlossen war hat er nun unter diesem neuen Namen wieder eröffnet.
- Campingplatz Lo Scoiattolo, 1 km oberhalb von San Martino. Netter, einfacher Campingplatz in herrlicher Landschaft Anmarsch zu Fuß ins Val di Mello 30 Minuten und in 15 Minuten ist man abends in der Bar in San Martino.
- Camping Sasso di Remenno - etwas weiter talauswärts, ca. 2km vor San Martino inmitten des Sportkletterareals um den gewaltigen Felsblock "Sasso di Remenno". Etwas nobler als der Scoiattolo
2. Zimmer / Ferienwohnung / Hütten
Wer im Val di Mello oder am Sasso di Remenno klettern bzw. Bouldern möchte und lieber ein Dach überm Kopf hat, der findet in San Martino sicherlich etwas solange nicht gerade Hochsaison oder Melloblocco ist. Im Val die Mello kann man beispielsweise auch ganz hinten im Ristoro bei Siro Fiorelli übernachten. Das Val Masino hat aber noch viel mehr zu bieten als das (an sich alleine schon geniale) Val di Mello. An den Berggipfeln des Bergeller Hauptkammes locken Alpinklettertouren und Plaisirrouten en masse - die von den einzelnen Hütten aus angegangen werden (Infos zu den Routen gibt es zum Teil auch auf den unten verlinkten Hütten-Websites). Folgende Alpenvereins-Hütten stehen zur Verfügung:
- Rifugio Omio
- Rifugio Gianetti
- Rifugio Allievi
- Rifugio Ponti
Beste Jahreszeit
Das Val di Mello und vor allem die Routen oben am Hauptkamm sind Sommerklettergebiete. Während aber im Val di Mello ein heißer Sommertag schon wieder zu viel des guten sein kann (zumindest in der Mittagszeit) kann das Wetter für die hohen Berge zum Klettern eigentlich gar nicht warm genug sein, da die Einstiege meist schon über 2.500 m liegen. Im Frühjahr und Spätherbst ist dann der Aktionsradius meist wieder auf die Tallagen begrenzt. Im Winter kann man im Val Masino eher selten klettern, außer man gehört zur ganz harten Fraktion. Dann liegt im Tal mehr oder weniger viel Schnee und höchstens die Sportkletterouten am Sasso di Remenno und natürlich die zahlreichen Boulderblöcke können bei gutem Wetter gute Bedingungen haben.
Kletterrouten im Val di Mello
Das Val di Mello ist ein Boulder und Kletterparadies. Die längeren Kletterrouten sind meist selbst abzusichern und oft psychsisch anspruchsvoll. Zu folgenden Routen habe ich Infos:
- Dimore degli Dei: Il risveglio di Kundalini (7- / E3)
- Scogli delle Metamorfosi: "Luna Nascente" (7 / E3+)
Weitere Infos dazu finden sich im Internet beispielsweise unter folgenden Adressen:
- Super-Infos dazu gibts auf der Homepage von Paolo Vitali und Sonja Brambati. Unter anderem eine ausführliche Beschreibung von Routen am Qualido. Allerdings ist die Site komplett auf italienisch.
- Zahlreiche Informationen und Topos aus dem Val di Mello finden sich auch auf Planetmountain.com.
Kletterrouten am Bergeller Hauptkamm
Die schönste Kante des Bergell - und vermutlich eine der bekanntesten und besten 4er bis 5er Touren der Alpen bietet die Badile-Nordkante. Diese befindet sich allerdings bereits auf der anderen Seite des Hauptkamms und man steigt von Norden zu. Der Abstieg führt allerdings nach Süden zur Gianettihütte - mit entsprechend aufwändigem Rückweg zum Ausgangspunkt (sofern man nicht mit Öffis unterwegs ist).
Deutlich weniger berühmt sind die Alpinklettereien auf der Südseite rund um die Gianetti-Hütte, um die Allievihütt und von der Omihütte aus. Es gibt dort viele alpine, aber auch teils gebohrte Routen auf der Südseite des Hauptkamms und an seinen Seitenästen. Die Länge der Routen beträgt dabei oft zwischen 200 und 400 m, zum Teil auch noch länger. Eine unerschöpfliche Inspirationsquelle ist hier der Versante-Sud-Kletterführer “Nichts als Granit”.