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Kategorien: Bewirtschaftete Hütte Skitouren Venedigergruppe

Essener-Rostocker Hütte (2208 m)

Die Essener-Rostocker Hütte ist eine Alpenvereinshütte in der Venedigergruppe im hintersten Virgental, die sich gut als Stützpunkt für zahlreiche Skihochtouren eignet.

Essener-Rostocker Hütte in der Venedigergruppe

Die Essener-Rostocker Hütte in der südlichen Venedigergruppe

Alpenvereinshütte auf der Südseite der Venedigergruppe

Abgeschieden im hintersten Virgental verbirgt sich eine traditionsreiche Alpenvereinshütte mit einem großen hochalpinen Tourengebiet. Als Stützpunkt auf der beliebten Skidurchquerung Hoch-Tirol wird sie genauso geschätzt, wie als Ausbildungs- und Tourenstützpunkt für Frühjahrsskitouren in die Gletscherregion der Hohen Tauern. Neben kurzen, gletscherfreien Routen findet der alpin erfahrene Tourengeher auch viele großzügigere Gipfeltouren auf die vergletscherten 3000er der südwestlichen Venedigergruppe.

Das Quartier:

Im Jahre 1912 wurde die Rostocker Hütte im Maurertal eröffnet, nach einer Privatinitiative des Virgentaler Bergführers Andrä Mariacher, für die sich die Alpenvereinssektion Rostock gewinnen ließ. Nach dem ersten Weltkrieg übernahm die legendäre Hüttenwirtin Ida Steiner das Zepter auf der Hütte und bewirtschaftete sie insgesamt 63 Jahre lang. Als nach dem 2. Weltkrieg die Nachfolgesektion Rostock-Marktheidenfeld finanziell nicht mehr in der Lage war die Hütte alleine weiterzuführen, sprang die DAV-Sektion Essen in die Breche. Das Alpenvereinshaus firmiert seither unter dem Doppelnamen und wurde bis 2006 in vierter Generation von Friedl Steiner geführt. In einem turbulenten Jahr 2007 wurde von der Sektion ein wenig rühmlicher Pächterwechsel vollzogen, der viel böses Blut im Virgental brachte und den neuen Pächter nach nur einer Saison zur Aufgabe zwang. Mit dem erfahrenen Hüttenwirts-Ehepaar Marialuise und Peter Florineth ist zur Saison 2008 wieder Ruhe, Ordnung auf diesem schönen Hochgebirgsstützpunkt eingekehrt und ihr Nachfolger Werner Rainer hat das Bewirtungsniveau weiter verbessern können, so dass sie momentan sicherlich zu den empfehlenswertesten Skihochtourenstützpunkten der Ostalpen gehören dürfte. Das Erscheinungsbild der Hütte vermittelt noch den traditionellen Charme eines Hochgebirgs-Stützpunktes. Die Zimmer und Lager sind daher eher dunkel und das Platzangebot etwas eingeschränkt. Der Trockenraum erfüllt seinen Zweck, bei überfüllter Hütte kanns aber ebenfalls relativ eng werden. Ganz ausgezeichnet ist die Bewirtung durch die neuen, freundlichen und kompetenten Hüttenpächter. Die Halbpensionsgerichte gehören zur gehobenen Sorte und auch die Portionen sind für hungrige Mägen nach langen Tourentagen geeignet. Die Hütte ist für Skitouren ab etwa Anfang März bis Mitte Mai geöffnet.

Hüttenzustieg

Der Hüttenzustieg bewegt sich mit 2,5 - 3 Stunden für eine Hochgebirgshütte in dieser Lage in einem sehr gemütlichen Rahmen. Ausgangspunkt ist Hinterbichl am Talschluss des Virgentales. Anfangs folgt man dem noch flachen Fahrweg taleinwärts bis zur Talstation der Materialseilbahn (Gepäcktransport möglich). Entlang des Sommerwegs queren wir nun einen breiten Lawinenstrich - nach stärkeren Neuschneefällen oder bei starker Erwärmung besteht hier akute Lawinengefahr! Durch ein kurzes, steiles Waldstück erreichen wir bald den nun breiteren und wieder flacheren Talboden, wo wir rechts vom Bach bis zu einer Brücke taleinwärts gehen. Jenseits der Brücke noch kurz nach Norden und dann über den letzten, steileren Hang hinauf zur Hütte.

Das Tourengebiet

Die Auswahl an nahezu gleichwertigen Tourenzielen ist groß rund um diese Hütte, so dass es schwer fällt eine Auswahl zu treffen. Für den Nachmittag nach dem Hüttenaufstieg bietet sich das Rostocker Eck (2749 m) an, der Hausberg direkt über der Hütte. Dazu hält man sich bei sicherer Lawinenlage am besten direkt an der Moräne, die unmittelbar an der Hütte nach Westen zieht. Nach etwa 250 Höhenmeter wird das Gelände etwas flacher und man kann links aufsteigen zu einer Scharte im Grat (oben steiler Nordhang). Nach links zu Fuß hinauf auf den kleinen Felskopf. Lawinenmässig weniger kritisch aber auch weniger direkt ist der Aufstieg von Süden über die Maurer Alpe. Einer der vielen Klassiker im Maurertal ist die Westliche Simonyspitze (3485 m), die sicherlich eine der besten Abfahrten des Gebiets bietet. Der Gletscher beherbergt jedoch einige Spaltenzonen und im steilen Gipfelhang sollte man allerdings die Lawinenlage kritisch prüfen. Der Anstieg beginnt an der Hütte mit der kurzen Überquerung der Moräne in das Tälchen das der Simonygletscher vor noch nicht allzulanger Zeit noch bedeckt hatte. Hier steigen wir nach Westen auf zum Simonysee und über den Gletscher bis auf eine Terasse auf etwa 3000 m Höhe. Hier halten wir uns links über einen steilen Hang hinauf zum Grat und nach rechts zum höchsten Punkt.

Aufstieg zur Westlichen Simonyspitze
Aufstieg zur Westlichen Simonyspitze

Die markante pyramidenförmige Berggestalt des Großen Geiger (3360 m) läßt sich ebenfalls von der Essener-Rostocker Hütte am einfachsten besteigen. Die Route führt anfangs von der Hütte nahezu ohne Höhengewinn entlang des Maurerbaches nach Süden, bis sich das Tal verengt. Nun in gleichmässiger Neugung unter eine Felsinsel und rechts vorbei hinauf zur Geigerscharte. Mit Ski steigen wir noch so hoch wie möglich, die letzten Meter zum Gipfel führen über einige leichte Felspassagen und einen problemlosen Schneegrat. Wer auch nach mehreren Schönwettertagen noch Pulverschnee sucht, der findet den in diesem überwiegend nach Süden ausgerichteten Tourengebiet am längsten an der Mittleren Malhamspitze (3364 m). Von der Hütte queren wir dazu zuerst ohne Höhengewinn nach Süden, bis wir an der Maurer Alpe nach rechts ins Malhamkar aufstiegen können. Oberhalb einer steileren Stufe steigen wir links halten an den östlichen Ausläufer des Felsriegels der Bösen Wand und ziehen dann nach links hinauf auf das Südliche Malham-Kees. Ein flacher Gletscherkessel und angenehm geneigte Hänge leiten hinauf zum Grat. Vom Skidepot steigen wir über einen Blockgrat zum höchsten Punkt. Der höchste Gipfel des Tourengebiets versteckt sich jenseits des Reggentörls über dem Umbaltal. Um zur Dreiherrenspitze (3499 m) zu gelangen ist daher ein etwas längerer Anmarsch nötig, der uns allerdings durch die eindrucksvolle Gletscherlandschaft des Umbalkees führt. Der Aufstieg beginn gleich wie zur Simonyspitze mit dem Aufstieg zum Simonysee. Hier halten wir uns geradeaus und steigen über eine steile Rinne und deren gemütlichere Fortsetzung hinauf ins Reggentörl. Jenseits fahren wir rechts haltend in die Hauptmulde des Umbalkees und queren an den orogr. rechten Rand des Gletschers. (ca. 2780 m). Über dann anfangs noch nicht allzusteilen aber spaltigen Gletscher halten wir uns nun direkt auf die einzige Schwachstelle im Südgrat der Dreiherrenspitze zu, wo wir über einen sehr steilen (ca. 45 Grad) Hang meist mit Steigeisen und Ski am Rucksack hinaufsteigen zur flacheren Gipfelabdachung. Über den angenehmen Südrücken wieder mit Ski weiter zum Gipfel. Vom Reggentörl ist auch eine Querung bei etwa 3100 m zum Fuß des erwähnten Steilhangs möglich, die allerdings gute Orientierung durch einige Spaltenzonen erfordert und nur einen unwesentlichen Zeitvorteil bringt.

Kontakt

Hüttenwirt: Werner Rainer

Telefon: 00 43 (0) 4877- 5101

Öffnungszeiten: Die Hütte ist ab Anfang März bis Mitte Mai geöffnet (evtl. Änderungen finden sich auf der Homepage der DAV-Sektion Essen)

Literatur

Wochenenden im Tiefschnee, Peter Keill, Markus Stadler u.a. 2009, Bruckmann-Verlag

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