Könige im Wilden Kaiser
Die Edelweißgilde Kitzbühel zwischen Ständestaat, Hakenkreuz und Gipfelkreuz
Titel: Könige im Wilden Kaiser
Verlag: Tyrolia-Verlag
Autoren: Peter Brandstätter, Nicholas Mailänder
Seiten: 144
Preis: 25,00 €
Für wen: Für kletterhistorisch Interessierte, die die „großen Namen“ und Routen im Kontext ihrer Zeit verstehen wollen.
Wo: Online bei Buch7.de
Rezension
In ihrem Buch „Könige im Wilden Kaiser“ legen Nicholas Mailänder und Peter Brandstätter kein weiteres Buch über große Linien und berühmte Routen im Kaisergebirge vor – sondern ein Stück tiefgehende Alpin- und Zeitgeschichte, das durchaus die ein oder andere Parallele zur Gegenwart aufweist.
Im Zentrum steht die Edelweißgilde Kitzbühel, gegründet 1925 – ein elitärer Kreis von Bergsteigern, der über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung des Kletterns im Wilden Kaiser mitprägte. Das Buch verfolgt ihren Weg durch eine Zeit, die nicht nur alpinistisch spannend, sondern politisch hochbrisant war: vom Ständestaat über den Nationalsozialismus bis in die Nachkriegsjahre. Die Autoren geben am Beispiel dieser kleinen Gruppe einen sehr bildhaften Einblick in die politischen Verhältnisse jener Zeit und die ganz konkreten Auswirkungen auf die individuellen Lebenswege. Diese starken und begeisterten Kletterer waren keine unpolitischen „Helden am Fels“, sondern Teil ihrer Zeit – mit Überzeugungen, Konflikten und Brüchen. Ideologien spalten die Gruppe, Freundschaften zerbrechen und und das verbindende Klettern tritt oftmals in den Hintergrund.
Nicho und Peter erzählen diese vielschichtige Geschichte auf Grundlage authentischer Quellen und Aufzeichnungen sehr lebendig und detailreich. Immer wieder blitzen Namen und bekannte Touren und aus dem Kaiser auf – allerdings in einem Kontext, der den Blick darauf verändert. Der Wilde Kaiser erscheint nicht nur als Spielwiese großer Kletterleistungen, sondern als Bühne gesellschaftlicher Entwicklungen.
Trotz des vermeintlich spröden Themas: Das Buch ist kein trockenes Geschichtswerk, sondern eine gut lesbare, stellenweise fast erzählerische Darstellung. Die zahlreichen Abbildungen unterstützen diesen Eindruck und machen die Epoche noch greifbarer.
Fazit
Ein empfehlenswertes Buch für alle, die den Wilden Kaiser nicht nur kletternd erleben, sondern tiefer in seine Klettergeschichte eintauchen wollen. Nicho Mailänder und Peter Brandstätter zeichnen ein vielschichtiges Bild einer prägenden Bergsteigervereinigung – und zeigen, wie das politische Umfeld seine Spuren in allen Lebensbereichen hinterlässt. Gerade darin liegt auch seine Aktualität: Die im Buch geschilderten Spannungen, ideologischen Gräben und Zerwürfnisse wirken in Teilen erstaunlich vertraut – in einer Zeit, in der populistische und hetzende Kräfte erneut versuchen, Gesellschaften zu spalten.