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Ferentillo nördlich von Rom

Aus dem Sektor Lu Strittu blickt man auf den Balcone und auf das Tal von Ferentillo

Großes, traditionelles Sportklettergebiet im Süden von Umbrien

Eines der besten Klettergebiete in der Nähe von Rom befindet sich einige Kilometer nördlich von Terni rund um den malerischen Ort Ferentillo. Schon seit den 1980er Jahren wird hier geklettert. Die beliebtesten Klassiker wenige Meter neben dem Parkplatz merkt man das deutlich an, sie sind ziemlich abgespeckt. Allerdings beschränkt sich das auf einen kleinen Teil der 250 Routen von Ferentillo Classica, das die Sektoren Isola, Mummie und Balcone umfasst. Das gesamte Klettergebiet wurde vor einigen Jahren saniert. In diesem Zuge wurde auch die ein oder andere Route nacherschlossen und in diesen Linien sind die Griffe und Tritte um einiges weniger poliert sind. Auch sobald man sich Wandbereichen widmet, die ein paar Minuten vom Parkplatz entfernt sind, findet man zwar regelmäßig bekletterte, aber nicht störend polierte Routen. Dafür ist die Felsqualität überall vom Feinsten - versintert, plattig, henkelig, geneigt bis sehr steil. Es gibt nichts was es nicht gibt und das Schwierigkeitsniveau reicht von 3 bis 8b. Besonders in den Graden 5b bis 6c ist die Auswahl riesig, im Bereich 7a bis 7c bietet vor allem der Sektor Balkon grandiose Linien. Für die Hardmover im 8. Franzosengrad gibt's dann nicht mehr ganz so viel. Die Routen sind tendenziell eher “alter Schule”. Natürliche Linien mit kurzen Schlüsselstellen überwiegen, homogene Ausdauerkletterei findet man seltener. Die meisten Sektoren sind sonnig, weshalb hier in den Übergangszeiten und an sonnigen Wintertagen die besten Bedingungen zu finden sind.

Anreise

Vor Ort in Ferentillo benötigt man nicht unbedingt ein Auto. Wenn man direkt im Dorf in einem Appartement wohnt, sind alle Felsen in 10 bis 45 Minuten zu Fuß erreichbar. Die Anreise erfolgt dann mit dem Zug über Bologna und Rom-Tiburtina bis Terni. Von dort fährt ein Anschlussbus nach Ferentillo. Von München ist man knapp 12 Stunden unterwegs. Der Campingplatz ist allerdings etwas außerhalb und man muss dann mit dem Bus zum Klettern fahren (Bus fährt wochentags meist stündlich).

Mit dem PKW führt die schnellste Route über Bologna, Florenz und Perugia nach Ferentillo. Die Fahrzeit ab München beträgt etwa 9-10 Stunden, zu Ferienzeiten kann es aufgrund vieler Staus aber auch deutlich mehr sein.

Übernachtung

1. Camping

Agricampeggio Valneria River

Kleiner, familiärer Campingplatz etwa 3 km südlich von Ferentillo. Die Campingplatzbesitzer Roberto und Rosy sind unglaublich nett und aufmerksam, die Sanitäranlagen immer picobello sauber und es gibt Stühle, Tische und Bänke sowie einen (kleinen) Aufenthaltsraum mit Küche. Daneben leben auf dem Hof viele Tiere (Katzen, Hunde, Hühner, Ziegen, ein Pferd und eine Kuh). Für einen Familien-Kletterurlaub ein Traum - und dazu noch ausgesprochen preisgünstig. Der Campingplatz liegt in einem kleinen Seitental und hat morgens früh Sonne, am Abend verschwindet sie dann aber auch bald hinter dem Berg. Wer hier an Ostern oder im späteren Herbst zeltet, sollte einkalkulieren, dass es dann schnell sehr frisch werden kann.

Kontakt: Tel. 333 4217817 oder 345.2637267 (italienisch und etwas englisch) oder über Facebook

2. Sonstige Unterkünfte

In und um Ferentillo gibt es eine ganze Reihe Appartements und Agritoursmus-Anbieter. Unter anderem hat auch die Tochter der Campingplatzbesitzer ein Appartement mit 5 Schlafplätzen mitten in Ferentillo.

Einkaufen

In Ferentillo gibt es einen Conad-Supermarkt.

Beste Jahreszeit

Ferentillo liegt mitten in den Bergen und hat ein eher kontinentales Mikroklima. Vor allem im Winter können die Nächte hier recht kalt und durchaus frostig werden. Im Sommer ist es oft zu heiß zum Klettern und nachmittags ziehen häufig Gewitter auf. Die ideale Jahreszeit sind also Frühling und Herbst und bei sonnigem, windschwachem Wetter der Winter.

Klettersektoren

Isola

Die Wand direkt hinter dem Parkplatz ist bis zu 45 m hoch und wird gekennzeichnet von einer riesigen, weißen Platte im oberen Teil, wo ein Teil des Felsens abgesägt und der Rest mit Eisenstangen und Steinschlagschutznetzen befestigt wurde. Unterhalb der Platte gibt es etwa 50 Kletterrouten, die meist 20-30 m lang und überwiegend senkrecht oder leicht geneigt sind. Das Schwierigkeitsniveau liegt bei 4c bis 6c, nur wenige Routen ganz links sind schwerer. Der gesamte Wandfuß ist sonnig, ab etwa 16 Uhr kommt links langsam der Schatten in die Wand.

Mummie

Dieser Sektor schließt sich rechts an und hat einen Zustieg von 2-5 Minuten vom Parkplatz. Der Wandbereich ist deutlich gegliederter als Isola und die gut 80 Routen sind sehr unterschiedlich lang: von 10 - 40 m ist alles dabei. Auch das Schwierigkeitsniveau ist etwas höher. Mit Ausnahme einiger kurzer Routen bis 5b liegt der Schwerpunkt zwischen 5c und 7b. Im zentralen Bereich finden sich in einer Grotte auch ein halbes Dutzend Wege von 7c bis 8a+. Am Vormittag gibt's in einigen Wandbereichen bis ca. 11 Uhr Schatten, ab 16 Uhr verschwindet die Sonne wieder aus den ersten Routen. Unter einigen Routen stehen Bäume, so dass mittags zumindest im Schatten gesichert werden kann.

Balcone

Der schönste Sektor befindet sich rechts oberhalb des Sektor Mummie. Man parkt etwa 200 m oberhalb des großen Parkplatzes in einer Parkbucht vor einer markanten Felsdurchfahrt. Hier führt der Weg in 10 Minuten hinauf an die Wand. Zusammen mit der kleinen Wand “Lu Strittu”, die 100 m rechts davon liegt, findet man gut 100 Routen von 5b bis 8b, die meisten davon um die 20 m lang, es gibt aber auch über 30 m lange Routen. Das Schwierigkeitsniveau in Lu Strittu liegt im Bereich 5a bis 6b, am eigentlichen Balcone rechts im Bereich der großen Überhänge bei überwiegend 7a bis 8b, links davon dann bei meist bei 5c bis 6c+, nur in einem weiteren steilen Abschnitt gibt es nochmal einige Routen von 7a+ bis 8a+. Die Kletterei spielt sich oft an eindrucksvollen Sinterformationen und guten Griffen ab. Der Wandfuß ist stellenweise von Bäumen abgeschattet und es gibt auch einige südost- bis südwestseitig exponierte Wandbereiche, so dass man fast immer irgendwo Sonne oder Schatten findet.

San Lorenzo

Dieses etwas kleinere Gebiet befindet sich von Süden kommend auf der linken Talseite am Ortsrand von Ferentillo. Es besteht aus mehreren Sektoren sehr unterschiedlichen Charakters. Neben Platten und steilem zusammengesinterten Konglomerat gibt es auch eine kompakte Wand, die komplett mit sehr feingliedrigem Sinter überzogen ist. Die meist 10 bis 15 m hohen Felsen liegen komplett im Wald und sind daher sehr schattig. An heißen Tagen ist der Fels eine gute Anlaufstelle. Das Schwierigkeitsniveau liegt meist im Bereich 5b bis 7b.

Gabbio

Diese sehr sonnige Wand liegt ebenfalls auf der linken Talseite und ist bereits von der Ortseinfahrt gut zu sehen. Charakteristisch ist die große Grotte, in der sich die schwierigsten Routen (bis 8c) von Ferentillo befinden. Auch sonst ist das Kletterniveau in diesem Sektor etwas höher: 6a sollte man mindestens klettern können, um hier einen Stich zu machen. Insgesamt gibt es etwa 50 Routen, wobei sich einige davon an kleineren Felsen links der Hauptwand befinden.

Weitere Gebiete in der Nähe

Die etwa 300 Kletterrouten von Ferentillo sollten auf jeden Fall für einen oder mehrere Urlaube ausreichen - es gibt also für die meisten Kletterer wenig Gründe, woanders hinzufahren. Wer noch mehr Routen im High-End-Bereich oder kühlere Wände sucht, für den gibt es aber im Umkreis von etwa einer Stunde Autofahrt folgende weitere Möglichkeiten:

Valneria

Im Tal der Nera (in dem auch Ferentillo liegt) gibt es noch einige weitere kleine Gebiete. Direkt an der Hauptstraße etwa 3 km nördlich des Ortes liegt “La Penna” (ostseitig, kühl ab Mittag, ca. 30 Routen). Etwas weiter nördlich liegt hoch über dem Tal die Falesia Dei Serpenti mit einem Dutzend 30 m langer Routen im Bereich 5c bis 6c und 7b/7c. Noch ein Stück weiter nördlich befindet sich unten im Talboden die Wand von Ceselli (Ausdauer/Sinterrouten im Bereich 7a bis 8b, westseitig, Fahrzeit von Ferentillo 15 Minuten). Und Last but not least, kann man nach Gavelli hinauffahren, wo man auf über 1000 m Höhe in plattigem Gebirgskalk schöne mittelschwierige Routen von 4c bis 6c+ findet (Fahrzeit ca. 40 Minuten).

Valle del Corno

Etwa 45 Minunten Fahrzeit nördlich von Ferentillo befinden sich die drei Gebiete Triponzo (ca. 60 Routen von 6a bis 8a), Le Torri (20 Route von 6b bis 8a) und Teleferica (60 Routen von 7a bis 9a).

Grotti

Ein weiteres Top-Klettergebiet im Einzugsgebiet der italienischen Hauptstadt ist Grotti östlich von Rieti. Die Fahrzeit dorthin beträgt etwa 45 Minuten. Dort geht es in Summe steiler zur Sache als in Ferentillo, so dass man etwa 6a bis 6b klettern sollte um hier Spaß zu haben. Es gibt über 200 Routen mit Schwerpunkt im Bereich 7a bis 8a+.

Sonstiges

Wer seinen Urlaub mit Programmpunkten abseits des Kletterns anreichern möchte, der findet in der Umgebung sehr viele Möglichkeiten:

Sightseeing Rom

Wir sind von Terni mit dem Zug nach Rom gefahren. Die Fahrzeit beträgt gut 1 Stunde, dafür steigt man in Roma Termini aus und ist sofort mitten in der Stadt, ohne Parkplatzsuche und Anfahrtsstress. In Terni gibt es nördlich des Bahnhofs einen kostenlosen Pendlerparkplatz, der am Wochenende fast leer ist.

Cascata delle Marmore

Zwischen Ferentillo und Terni gibt es einen der größten Wasserfälle Italiens - die Cascata di Marmore. Die meiste Zeit wird das meiste Wasser zwar zur Stromproduktion abgeleitet, aber zweimal am Tag rauscht es für ca. 2 Stunden über die über 100 m hohe Felsstufe hinab. Nachdem die Wasserfälle auch für die Römer ein beliebtes Ausflugsziel darstellen empfehle ich den Besuch wochentags, dann hält sich der Andrang in der Regel in Grenzen.

Mumien-Museum Ferentillo

In Ferentillo gibt es nur wenige Meter vom Hauptsektor entfernt ein Mumien-Museum. In der Krypta der Kirche von Ferentillo wurden etwa zwei Dutzend mumifizierte Leichen gefunden, die hier ausgestellt werden.

Sightseeing in der Umgebung

Viele Dörfer und Städte der näheren Umgebung lohnen einen Besuch. Bei der Aneise haben wir einen Stop in Perugia gemacht, der Hauptstadt Umbriens. Daneben haben wir der Altstadt von Spoleto (Fahrzeit gut 30 Min.) einen Besuch abgestattet.