Produkttest LVS Ortovox Focus Voice
15.09.2026 von Markus StadlerDie Bedingungen vorab: Im Februar 2026 war ich bei einem kostenlosen Test- und Trainingstag dabei, der von Ortovox auf der Erfurter Hütte veranstaltet wurde. Dabei hatte ich einen Tag lang Gelegenheit, einen Prototypen des LVS-Geräts Ortovox Focus Voice auszuprobieren und dem anwesenden Produktmanager Fragen zu stellen. Anschließend konnte ich den Prototypen mit nach Hause nehmen und noch weiteren Tests unterziehen, bevor ich ihn nach Saisonende an Ortovox zurückgesendet hab. Diese Testmöglichkeit ist Teil einer umfangreicheren Kooperation, die auch ein Sponsoring dieser Website beinhaltet. Der folgende Beitrag ist vor diesem Hintergrund zu sehen, wobei aber Ortovox keinerlei Einfluss auf den Text und die Gestaltung des Beitrags nimmt.
Die Testbedingungen
Wir waren einen ganzen Tag im Rofangebirge in der Nähe der Erfurter Hütte auf einem präparierten Testfeld unterwegs, um das LVS-Gerät verschiedenen Tests zu unterziehen. Zum Abschluss konnten wir bei einem Suchszenario mit Mehrfachverschüttung und Zeitmessung die Geräte einem Härtetest unterziehen. Geleitet und organisiert wurde der Tag vom Produktmanager Didi von Ortovox und vom Bergführer Chris Semmel. Im Anschluss hatte ich mein Testgerät noch zweimal auf einer Skitour dabei, um ein wenig damit “herumzuspielen”. Da es sich aber um einen Prototyp handelte, durfte ich es nicht als “Ernstfallausrüstung” verwenden.
Grundlegende Daten
Das Ortovox Focus Voice ist ein klassisches Drei-Antennen-LVS-Gerät, das zu den leistungsfähigsten auf dem Markt gehört. Es wiegt nur 185 Gramm (ohne Tragetasche) und misst 12 × 7 × 2,3 cm, was im Vergleich zu den meisten anderen LVS-Geräten ziemlich kompakt ist. Das Gerät ist im Wesentlichen auf die Grundfunktionen "Senden" und "Empfangen" reduziert, so dass unter Stress im Ernstfall kaum Optionen bleiben, etwas falsch zu machen. Folgende Features heben das Focus Voice von den meisten anderen LVS-Geräten am Markt ab:
- Sprachliche Unterstützung (ähnlich wie bei den öffentlichen Defibrillatoren). Das LVS gibt dabei Anweisungen, zum Beispiel wie in der jeweiligen Suchphase gehandelt werden muss. Die optische Unterstützung ist durch ein extrem kontrastreiches, gut lesbares Display optimal.
- Smart-Antenna-Technologie: Das LVS-Gerät erkennt die Lage des Geräts in der Lawine und schaltet automatisch auf die beste Sendeantenne, wodurch kaum noch “schlechte Koppellagen” vorkommen können. Das reduziert die minimale Empfangsreichweite für die Suchenden, wodurch sie größere Suchstreifenbreiten wählen können.
- Das Focus hat eine sehr hohe Suchstreifenbreite von 80 Metern (unabhängig von der Koppellage - also auch bei Verschütteten ohne Smart-Antenna-Technologien. Bei Verschütteten mit Smart-Antenna-Technologie könnte man sogar auf 90 m Suchstreifen hochgehen).
- Die Stromversorgung erfolgt über einen eingebauten, aufladbaren Lithium-Ionen-Akku, man muss also nicht mehr umständlich mit Batterien werkeln. Die Akkuleistung ist sehr lange, länger als ich es testen konnte (Herstellerangabe im Sendemodus durchschnittlich 350 Stunden bzw. mindestens 200 Stunden + 1 Stunde Suchen).
Über den Markierungsbutton können (beim Einschalten) ein Gruppentest gestartet und (im Suchmodus) bei Mehrfachverschüttung einzelne Geräte ausgeblendet werden. Via Bluetooth kann man das Gerät mit einem Smartphone verbinden und damit einige Einstellungen anpassen (z. B. Sprache auswählen). Der Hersteller gibt bei Registrierung 5 Jahre Garantie, der empfohlene Verkaufspreis ist 380 Euro.
Unterwegs mit dem LVS (Sendemodus)
In über 99 Prozent der Zeit wird man mit einem LVS-Gerät im Sendemodus unterwegs sein. Wichtig ist dabei eigentlich nur, dass es sich sicher und ohne zu stören verstauen lässt und natürlich, dass es zuverlässig sein Signal aussendet. Durch die Smart-Antenna-Technologie ist beim Ortovox Focus Voice gewährleistet, dass das Gerät immer auf der optimal ausgerichteten Antenne sendet.
Ich trage mein LVS-Gerät in der Reißverschlusstasche meiner Skitourenhose. Das Focus hat zwar die ergonomische Form des Diract Voice weitgehend übernommen, allerdings wurde das Display außen aufgesetzt. Trägt man das LVS in der Hosentasche mit Display zum Körper, spürt man die Kanten des Displays etwas. Mit dem Display nach außen ist das zwar nicht der Fall, aber ich könnte mir dann ein etwas erhöhtes Risiko vorstellen, das Display zu beschädigen (z. B. bei einem Sturz). Im Lieferumfang ist auch ein Tragesystem enthalten, das ich bereits vom Ortovox Diract Voice kenne und bei dessen Test ausführlich beschrieben habe. Wer gerne mit Tragesystem unterwegs ist, der bekommt hier ein ausgereiftes und komfortables System inklusive.
Ein Thema bei jedem elektronischen Gerät ist die Stromversorgung. Ortovox geht als (bisher) einziger LVS-Geräte-Hersteller den Sonderweg, seine Geräte mit eingebautem Lithium-Ionen-Akku auszustatten. Ich persönlich bin ein großer Fan davon, da mich das Batterie-Handling seit Jahrzehnten nervt, insbesondere auch der viele Abfall und das Risiko auslaufender Batterien, die mir in der Vergangenheit bereits ein LVS-Gerät und ein GPS-Gerät zerstört haben. Ich war jetzt drei Winter lang mit dem Ortovox Diract Voice mit integriertem Akku unterwegs und hatte keinerlei Grund zum Klagen. Die Laufzeit ist enorm (ohne einmal zu laden etwa so lange wie ein Satz hochwertiger Batterien) und ein USB-C-Kabel hat heutzutage sowieso fast immer jemand dabei.
Ansonsten kann ich zu dem Sendemodus des Focus Voice nicht viel sagen, da wir an dem Testtag die meiste Zeit suchend unterwegs waren.
Im Suchmodus mit dem Diract Voice
An unserem Testtag haben wir als erstes einige besondere Leistungsmerkmale systematisch untersucht. Unter anderem wurde die angegebene Reichweite getestet. Entlang eines Maßbandes sind wir von großer Entfernung mehrmals (in unterschiedlichen Koppellagen) auf die Sender zu marschiert und haben den stabilen Erstempfang markiert. Dabei konnte das Ortovox Focus Voice sehr zuverlässig 60 m und mehr Empfangsreichweite bieten.
Ein großes Thema in den Fachmedien waren in den letzten Jahren elektronische Störquellen (Smartwatch, Handy, Kamera etc.), wozu wir ebenfalls verschiedene Tests gemacht haben und gut erkennen konnten, wie das Gerät mit diesem Problem umgeht. In der Regel reduziert sich die Empfangsreichweite umso stärker, je geringer der Abstand des Empfängers zu einer Störquelle ist. Das Focus zeigt dann eine reduzierte Suchstreifenbreite im Display an.
Die Sprachsteuerung kannte ich ja bereits von meinem Diract Voice. Im Grunde funktioniert das Focus ähnlich, wobei wohl die Anwendung und Häufigkeit der Sprachanweisung laut Produktmanager seither optimiert wurden. Ich konnte ehrlich gesagt aber keinen großen Unterschied feststellen. Die Kommandos können zum Beispiel lauten: "Laufe in 80-Meter-Suchstreifen und halte Ausschau", "Gehe geradeaus", "Gehe nach rechts", "Du warst schon mal näher, kehre um", "Gehe an die Schneeoberfläche". Unabhängig von diesen Kommandos arbeitet das Gerät genauso wie herkömmliche LVS-Geräte: Es gibt ein Display, das die Entfernung und Richtung anzeigt, und dazu einen akustischen "Pieps-Ton", der in der Feinsuche die Taktfrequenz ändert und so signalisiert, wie man sich dem Sender annähert.
Die Feinsuche leitet das Gerät mit dem Kommando "Gehe an die Schneeoberfläche" ein. Auch der schneller werdende Piepston unterstützt dabei, so dass man sich im "Airport-Approach" schnell seinem Ziel nähert. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist zwar flott, aber logischerweise kann auch der schnellste Prozessor nicht mehr Signale verarbeiten, als der Sender aussendet. Das bedeutet, dass ungefähr ein Signal pro Sekunde eingeht und man sich zum Ende der Feinsuche etwas bremsen muss. Die Funktion der Mehrfach-Verschütteten-Suche mit dem Markieren und Ausblenden von Geräten funktionierte einwandfrei. Die Anzeige der Anzahl Verschütteter war korrekt und ein einmal markiertes Gerät blieb bis zum Schluss ausgeblendet.
Fazit
Das Ortovox Focus ist eine Weiterentwicklung des Diract Voice und damit auf dem aktuellsten Stand der LVS-Technologie. Es punktet mit hoher Reichweite (80 m Suchstreifenbreite), sprachunterstützter Suche, Smart-Antenna-Technologie für optimierte Sendeleistung und einem sehr leistungsfähigen Lithium-Ionen-Akku, wodurch die lästigen Batteriewechsel der Vergangenheit angehören. Das Gerät kann ich guten Gewissens empfehlen. Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist das aufgesetzte Display, wodurch mir das Design nicht so gut gefällt und sich für “Hosentaschenträger” gegenüber dem Diract Voice leichte Abstriche beim Tragekomfort ergeben.