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Kategorien: Alpinkletterführer Österreich

Longlines - Die ganz großen Klettereien der Nördlichen Kalkalpen

Die ganz großen Klettereien der Nördlichen Kalkalpen

Titel: Longlines

Autor: Adi Stocker

Verlag:Panico Alpinverlag

Umfang: 224 Seiten 

Preis: 39,80 €

Für wen: Erfahrene Alpinkletterer, die Lust an tagesfüllenden Klettererlebnissen haben.

Bestellen: direkt beim Panico-Verlag

Rezension

E-Mails mit dem Wort "Neutour" im Betreff und dem Absender Adi Stocker tröpfelten in den letzten 15 Jahren mit schöner Regelmäßigkeit in meinen virtuellen Postkasten. Ganz unspektakulär erreichten mich auf diesem Wege beeindruckende Topozeichnungen von Kletterrouten - nein eigentlich Kunstwerke, die in einem anderen Umfeld vermutlich teuer gehandelt werden würden. Adis Routenskizzen legen bezüglich Detailreichtum, Übersichtlichkeit und Ästhetik die Meßlatte, an der sich jeder Topozeichner orientieren kann extrem hoch - besser kann man ein Kletterlinie grafisch kaum darstellen. Eine besondere Spezialität unter den Neutouren von Adi Stocker sind sehr lange Routen mit moderner Absicherung. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Route "Ende Nie" an der Nordseite des Breithorns am Loferer Steinberg. Mit ihren 36 Seillängen, die sich recht anhaltend im 6. Grad abspielen hat sie schon eine gewisse Bekanntheit erlangt. Daneben stammen vom Autor noch eine ganze Reihe weiterer "Longlines" mit mehr als 20 Seillängen in den Steinbergen und im Wilden Kaiser. In ählicher Weise sind in den letzten Jahren andere kreative Erschließer an Wänden der Nördlichen Kalkalpen auf der Suche nach langen Routen fündig geworden. Aber auch früher gabs schon Felswege, die selbst flotten Seilschaften lange Tage bescherten, wie an der Laliderer Wand oder am Hochkogel im Tennengebirge. "Longlines" heißt so jetzt auch dieser Auswahlführer an langen, tagesfüllenden Kletterrouten zwischen Rätikon und Gesäuse.

Insgesamt 40 Routen haben es geschafft, mit einem Topo von Adi Stocker geadelt und veredelt worden zu sein. Dazu erfährt der Leser im Begleittext jeweils allerhand ausführlich recherchierte Details aus dem Werdegang der Kletterwege und der ein oder andere Wiederholerbericht sorgt für noch mehr Farbe und Leben. Highlights neben den Topos sind die (bis auf wenige Ausnahmen) gestochen scharfen Wandbilder im A4-Format aus idealer Perspektive. Die Aufmachung des Buches ist betont hochwertig. Hartcover in A4 mit robustem Papier und mit übersichtlichem, klar strukturiertem Layout. Der Preis von 39,80 Euro ist erscheint dafür relativ günstig. Nur die Zielgruppe wird etwas begrenzt sein. Schon die gängigsten Routen erfordern sicheres und zügiges Klettern im 5. bis 6. Grad, sowie genügend Erfahrung und Improvisationstalent, um in einer durchschnittlich knapp 1000 m hohen Wand mit unvorhergesehen Problemen umgehen zu können. Rund die Hälfte der beschriebenen Routen kann einem konditionsstarken alpinen Sportkletterer bis zum 7. Grad empfohlen werden, also einer Klientel die noch relativ häufig in den Wänden der Nördlichen Kalkalpen anzutreffen ist. Die restlichen Linien erfordern entweder höheres Kletterkönnen oder ernsthaftere Alpinerfahrung - oder am besten beides. Da wird die Luft dann schon deutlich dünner.

Fazit: Ein herausragendes Buch, das alle bisherigen Kletterauswahlführer nicht nur in der Länge der beschriebenen Routen übertrifft. Ein absolutes "Must-Have" für jeden ambitionierten, alpin orientierten Kletterer. Viele ausgefüllte, erlebnisreiche Klettertage sind damit gewiß.

Beschriebene Routen

  • Gimpel – Schrei aus Stein
  • Therapie – Wetterwandeck
  • Lalidererspitze – Magic Line
  • Lalidererspitze – Nordverschneidung
  • Grubenkarspitze – Inferno und Ekstase
  • Hochkogel – Police One
  • Hochkogel – Pipeline
  • Hoher Dachstein – Zehn nach Fünf
  • Hoher Dachstein – Büchsenschuß
  • Dachl – Die große Pleite
  • Kuchenspitze – Innuendo
  • Südliche Wetterspitze – Wetterkante
  • Hochwanner – Direkte Nordwand
  • Totenkirchl – Kirchl-Ideale
  • Watzmann – Salzburger Weg
  • Großer Bratschenkopf – Freier als Paul Preuß
  • Hochstadel – Nordwestpfeiler
  • Torstein – Windlegergrat
  • Hoher Dachstein – Steinerweg
  • Großer Ödstein – Nordkante
  • Hintere Platteinspitze – Plattenzauber
  • Sulzfluh – Kathedrale
  • Südliche Wetterspitze – Zwischen den Toren
  • Plattspitze – Aquaria
  • Hochwand – Nice Work Boys
  • Plattenspitze – Im Schatten der Sphinx
  • Sonnjoch – Herzschlag der Leidenschaft
  • Hackenköpfe – Weg der Freunde
  • Kleine Halt – Kolosseum
  • Kleine Halt – Via Aqua
  • Westliches Reifhorn – Fun Connection
  • Westliches Geislhorn – RiMi-Gedenkweg
  • Großes Rothorn – Bloody Old Men
  • Breithorn – EndeNie
  • Birnhorn – Pinzgawurm
  • Großer Bratschenkopf – Weg der Chaoten
  • Großer Törlwieskopf – Wild und Köstlich
  • Traunstein – Kaffee und Kuchen
  • Rotgschirr – Der längste Tag
  • Schermberg – Schloßgespenst

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