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5 Tipps für Winterwanderungen

8.01.2026 von Markus Stadler
Glasklare Sicht auf einer Winterwanderung in den Chiemgauer Alpen
Glasklare Sicht auf einer Winterwanderung in den Chiemgauer Alpen

Der Winter ist in den Alpen nicht die typische Wandersaison. Trotzdem sind immer mehr Menschen auch zu dieser Jahreszeit beim Wandern im Gebirge anzutreffen. Gerade heuer in dem bisher so schneearmen Winter war ich auch oft zu Fuß und den Bergen unterwegs. In diesem Artikel gebe ich dir daher einige Tipps, die du beachten solltest, um sichere und erlebnisreiche Winterwanderungen durchzuführen.

1. Backe kleinere Brötchen bei der Tourenplanung

Bei der Auswahl des Ziels für eine Winterwanderung sollte man grundsätzlich deutlich zurückhaltender sein, was die Anforderungen betrifft, als im Sommer. Das gilt umso mehr, je anspruchsvoller das Gelände ist. Ein 45 Grad steiler Hang mit einem querenden Wanderweg wird dir im Sommer wahrscheinlich nicht einmal auffallen. Wenn der Weg aber unter hartem Schnee verschwindet, kann er ohne die richtige Ausrüstung lebensgefährlich sein. Ist eine Stelle mit Drahtseil gesichert, kann das Seil unter dem Schnee unerreichbar sein. Wo kein Schnee liegt, ist die Orientierung auf normalen Wanderwegen einfach. Wenn die Wege verschneit und nicht mehr sichtbar sind, wird es ohne Spur deutlich anspruchsvoller. Hat man keine Erfahrung und keinen Blick für das Gelände, hilft selbst ein guter GPX-Track nur noch bedingt weiter. Wer eine Kondition für Sommerwanderungen bis 1500 Höhenmeter hat, wird auf rutschigen Wegen und teilweise knietiefem Schnee vielleicht nur 1000 Höhenmeter schaffen. Und last but not least muss das Thema Lawinengefahr berücksichtigt werden. Manchmal wird es vielleicht irrelevant sein, weil kein Schnee liegt, aber sobald man im Schnee steht, sollte man es auf dem Schirm haben und einschätzen können.

2. Plane mit genug Zeitpuffer

Im Winter sind die Tage kurz. Besonders in der Zeit um den Jahreswechsel wird es morgens spät hell (nach 7 Uhr) und abends bereits vor 17 Uhr wieder dunkel. Hinzu kommt, dass man bei Schneelage in der Regel langsamer unterwegs ist als im Sommer auf trockenen Wegen. Wenn der Schnee tief ist und keine Spuren vorhanden sind, kann man alleine durch das mühsame Spuranlegen durchaus die doppelte Zeit veranschlagen (das gilt auch mit Schneeschuhen!). Zusätzliche Zeit kann auch die Wegsuche kosten, wenn Pfadspuren und Markierungen verschneit sind. Aber auch bei wenig Schnee und gut ausgetretenen Wegen kann man Zeit liegen lassen, da zum Beispiel eisige Passagen Vorsicht und langsameres Tempo erfordern. Eine Stirnlampe sollte bei etwas ausgedehnteren Winterwanderungen immer im Rucksack sein.

3. Checke Wetter und Verhältnisse

Die Wetterprognose für die Tourenplanung abzurufen, ist auch bei Wanderungen im Sommer Standard. Im Winter ist es aber noch wichtiger, weil hier schlechtes Wetter deutlich ernster werden kann als im Sommer. Niedrige Temperaturen mit Wind fühlen sich durch den Wind-Chill-Effekt noch viel kälter an und können schnell zu lebensbedrohlicher Auskühlung führen, wenn man nicht richtig ausgerüstet ist. Eine gute Informationsquelle dafür ist der Bergwetterbericht des Alpenvereins

Zudem muss man im Winter die Schneeverhältnisse berücksichtigen. Diese können sich sehr unterschiedlich darstellen. In schneearmen Zeiten kann es möglich sein, dass man komplette Wanderungen vollständig ohne Schneeberührung durchführen kann. Aber auch wenn überhaupt kein Schnee liegt, kann Eis (gefrorene Rinnsale auf Wegen, vereiste Bachgräben) für Probleme sorgen. Sobald der Schnee höher als knietief liegt, wird das Spuren sehr mühsam. Dann können Schneeschuhe hilfreich sein. Die Schneelage vor Ort kann man beispielsweise über Webcams begutachten oder über aktuelle Tourenberichte wie bei der Alpinen Auskunft. Auch hier auf dieser Website gibt es im Winter eine Rubrik zu den Tourenverhältnissen (allerdings mit Schwerpunkt auf Skitouren).

Ebenfalls muss die Lawinengefahr berücksichtigt werden, diese ist natürlich nur bei Schneelage relevant, dann aber in allen steilen Hängen, ganz besonders oberhalb der Waldgrenze. Auskunft über die aktuelle Lawinensituation geben die Lawinenwarndienste.

4. Nutze die richtige Ausrüstung

Zum einen benötigt man im Winter meist wärmere Bekleidung als im Sommer (siehe Punkt 5). Zum anderen sind einige weiterer Ausrüstungsgegenstände je nach Verhältnissen und Anspruch der Wanderung ratsam oder sogar notwendig. 

Sobald auf längeren Wegabschnitten mehrere Tage am Stück Frost herrschte, sollte man bei alpinen Steigen immer zumindest Grödel im Rucksack haben. Ansonsten kann zum Beispiel ein vereister Bachgraben oder ein hartes Schneefeld zur Umkehr zwingen oder akute Absturzgefahr bedeuten. Aber auch auf normalen, harmlosen Wegen mit festgetrampeltem Schnee geht es sich mit Grödeln in der Regel kraftsparender als ohne, zumindest aufwärts. Abwärts ist es für sichere Geher manchmal besser die Grödeln abzumachen, da man mit dem Rutsch-Effekt schneller und gelenkschonender unterwegs ist. Für anspruchsvollere Touren in steilem Gelände können richtige Steigeisen mit Frontzacken besser oder sogar nötig sein.

Wenn man die harmlosen Wald- und Hüttenwege verlässt und ins alpinere Gelände vordringt sollten im Winter bei Schneelage auch Wanderer mit vollständiger Lawinen-Sicherheitsausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) unterwegs sein. Im Gegensatz zum Skitourengehen und Schneeschuhwandern haben das viele Winterwanderer kaum auf dem Schirm, aber es kann schon eine kleine, abrutschende Triebschneemulde ausreichen, um verschüttet zu werden. Natürlich sollte der Umgang mit der Ausrüstung beizeiten geübt werden um im Notfall schnell helfen zu können.

Wer im Sommer alle Wanderungen mit Turn- oder Halbschuhen macht, sollte sich für den Winter umgewöhnen sobald mit Schneekontakt  gerechnet werden muss. Zum einen bekommt man kalte, nasse Füße wenn der Schnee in den Schuh fällt oder die Schuhe nicht 100% wasserdicht sind. Zum anderen ist im Schnee eine steife Sohle mit grobem Profil von Vorteil. Ein klassischer, hoher Bergschuh ist jetzt also die Fußbekleidung der Wahl, an denen sich auch Grödeln oder Steigeisen optimal befestigen lassen. Um zu verhindern, dass Schnee von oben in den Schuh fällt, trägt man entweder eine Hose mit Innengamaschen, die sich am Schuh verhaken lassen, damit sie nicht hochrutschen, oder man zieht separate Gamaschen an.

Auf das Thema Schneeschuhe möchte ich hier nicht näher eingehen. Sobald diese nötig sind, kann man oft auch Skitouren machen, was ich bevorzuge.

5. Achte auf ein effektives Kälte-Management

Die Temperaturen können im Winter bei Bergwanderungen eine große Bandbreite annehmen. Während es im Sommer mit zunehmender Höhe kälter wird, ist es im Winter oft umgekehrt (bei Inversionswetter). Oft liegt eisig kalte Luft in den Tälern und an den sonnigen Südhängen schwitzt man sogar im T-Shirt. Anderseits kann es auf dem harmlosesten Voralpenhügel mit Höhenkaltluft und Wind an manchen Tagen regelrecht arktische Bedingungen haben, mit gefühlten Temperaturen weit unter -20 Grad. 

Die richtige Bekleidung und das Gefühl dafür, wann man welche Kleidungsstücke an- oder auszieht ist das A und O für den Wärmehaushalt des Körpers. Bewährt hat sich das Zwiebelschalen-Prinzip von mehreren eher dünnen Kleidungsschichten übereinander. Während man in Bewegung ist produziert der Körper genug Wärme, dass er auch mit weniger Bekleidung optimal warm bleibt. Idealerweise hat man gerade so viel an, dass man sich nicht nass schwitzt, aber auch nicht friert. Vor einer längeren Pause, zum beispiel am Gipfel, wechselt man ein nasses Shirt gegen ein trockenes und zieht danach sofort eine weitere warme Schicht drüber. Ungünstig für Bergtouren sind dicke All-in-one-Kleidungsstücke, die für den Aufstieg zu warm sind.

Für die Hände habe ich immer mindestens 2 Paar Handschuhe (ein Paar dünnere und ein paar warme) dabei. Wenn viel Wühlerei im Schnee zu erwarten ist (also leichte Kletterei bei der die Hände gebraucht werden) auch gerne mal 3 Paar, damit ich Ersatz habe, wenn die anderen durchnässt sind. Am Kopf trage ich ein Stirnband oder eine Mütze - bei starkem Wind ziehe ich mir die Kapuze des Anoraks über.