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Tipps zur Auswahl des richtigen Kletterrucksacks

Worauf kommt es bei einem Kletterrucksack an? Welche Anforderungen muss er erfüllen, welcher Rucksack passt zu welcher Klettertour?

Aufstieg zum Klettern am Zehnerstein

Aufstieg zum Klettern am Zehnerstein

Die Auswahl an Rucksäcken im Bergsporthandel ist nahezu unüberschaubar: Zahlreiche Hersteller buhlen mit einer großen Produktpalette um Kundschaft. Die "eierlegende Wollmilchsau" die man für jede Bergsportdisziplin verwendet ist längst ausgestorben, die Spezialisierung schreitet immer weiter voran. Inzwischen unterscheidet man nicht mehr nur Wanderrucksack, Trekkingrucksack, Skitourenrucksack oder Kletterrucksack sondern es gibt beispielsweise allein unter den Kletterrucksäcken spezielle Modelle zum Alpinklettern, zum Eisklettern, zum Sportklettern und sogar zum Bouldern. In diesem Beitrag möchte ich Euch einen kleinen Überblick verschaffen, was was an sinnvollen Angeboten auf dem Markt ist und ein paar Tipps geben, worauf ihr bei der Auswahl eines Kletterrucksacks achten könnt.

Welcher Rucksack für welche Klettertour?

Je nach Art und Dauer der Unternehmung können ganz unterschiedliche Mengen an Ausrüstung und sonstigem Gepäck erforderlich sein, die es in einem Rucksack zu transportieren gilt. Beim Bouldern braucht man ja "fast nichts" ;-) - mal abgesehen von Crashpad(s), Kletterschuhen, Chalkbag, diversen Bürsten, Boulderführer, Erste-Hilfe-Paket und allerlei Dingen, die den Bouldertag individuell komfortabel und spaßig gestalten (genug zu Essen und zu Trinken, Daunenjacke, Kamera etc.). Man sieht schon: Selbst für die angeblich spartanischste Kletterdisziplin schleppt man oft allerlei Ausrüstung mit sich, die irgendwie transportiert werden will.

Hierfür gibt es Boulderbags, die man sich über die Schulter hängen kann, sollte man alleine unterwegs und der Rücken bereits von einem  Crashpad belegt sein. Üblicherweise geht man aber in der Gruppe zum Bouldern weil das mehr Spaß macht. Dann kann man sich die Schlepperei gut aufteilen - die einen tragen die Matten, die anderen das Material im Rucksack. Dafür sind eigentlich keine speziellen Rucksäcke erforderlich, ein universeller Wanderrucksack tut es auch, da man ja beim Bouldern selbst keinen Rucksack trägt.

Ähnliches gilt für's Sportklettern, wo der Rucksack nur im Zustieg getragen wird. Allerdings muss ein oft schweres, 70 oder 80 Meter langes Seil und viel Kletterausrüstung aus Metall transportiert werden. Packt man das alles in den Rucksack ist entsprechend Stauraum erforderlich, dazu ein leistungsfähiges Tragesystem, damit das Gewicht nicht zu sehr auf die Schultern drückt. Eine Alternative ist es, das Seil in einem Seilsack zu transportieren, dann reicht für den Rest der Ausrüstung in der Regel jeder beliebige Wander- oder Kletterrucksack. Es gibt aber auch kombinierte Sportkletter-Rucksäcke mit integriertem Seilsack, die dann aber kaum für andere Anwendungen tauglich sind.

    Die größten Kletterrucksäcke braucht man bei Mehrtagestouren im hochalpinen Gelände
    Die größten Kletterrucksäcke braucht man bei Mehrtagestouren im hochalpinen Gelände (hier im Zustieg zur Fußsteinkante)

    Am komplexesten stellt sich die Situation bei Mehrseillängenrouten, beim Alpinklettern und beim Eisklettern dar, wo oft der Rucksack beim Klettern mitgeführt werden muss, weshalb jedes Gramm Gewicht zählt und viele technische Details entscheidend sein können oder zumindest das Leben leichter machen können. Wer häufiger in solchen Touren unterwegs ist, für den lohnt es sich in jedem Fall, einen spezielle Rucksack anzuschaffen, der genau auf diese Feinheiten abgestimmt ist. Im folgenden wird der Begriff "Kletterrucksack" daher in erster Linie auf das alpine Klettern bezogen.

    Was zeichnet einen guten Kletterrucksack aus?

    Ein guter Kletterrucksack unterscheidet sich von der Masse an Alltagsware vor allem in zwei Dingen:

    • geringes Gewicht
    • hochwertige, robuste Verarbeitung

    Diese beiden Grundsätze bedingen einige weitere Eigenschaften, die Rucksäcke zum (alpinen) Klettern an sich haben. Das geringe Gewicht lässt sich nur mit einer minimalistischen Ausstattung erreichen. Viele Taschen, Reißverschlüsse, aufwändige Tragesysteme - derartigen "Ballast" meiden spezialisierte Kletterrucksäcke wie der Teufel das Weihwasser. "Weniger ist mehr!". Das erleichtert auch die Einhaltung des zweiten Grundsatzes. Je weniger Einzelteile, Details und Features ein Rucksack hat, desto weniger kann kaputt gehen. Beim Alpinklettern kann es durchaus vorkommen, dass man sich nahe an seiner physischen und psychischen Grenze durch Risse und Kamine in extrem rauem Fels aufwärts kämpfen muss. Rücksicht auf sein Material ist in dieser Situation das Letzte, woran man denkt. Wohl dem, der dann einen hochwertigen Ausrüstungsgegenstand aus robustem Material und in solider Verarbeitung am Rücken trägt.

    Darüberhinaus gibt es einige sinnvolle Features, die ein Kletterrucksack haben sollte:

    • Befestigungsmöglichkeiten für Seil und Kletterhelm
    • Befestigungsmöglichkeit für mindestens ein Eisgerät bzw einen Eispickel
    • bequemes, eng anliegendes Tragesystem, das jede Bewegung mit macht
    • zerstörungssicheres Fach für Wertsachen und Kleinteile
    • Aufhängung für Trinkblase und Ausgang für Trinkschlauch
    • ggf. abnehmbarer Hüftgurt und abnehmbare Deckeltasche
    • ggf. seitliche Spanngurte z.B. zur Befestigung von Steigeisen oder Isomatte

    Worauf achte ich beim Kauf?

    Ein super leichter Alpinkletterrucksack ist der Trad 18 von Ortovox
    Ein super leichter Alpinkletterrucksack ist der Trad 18 von Ortovox

    Fassungsvermögen
    Zuerst muss klar sein, wofür ich den Rucksack verwenden möchte und wie viel Platz ich benötige. Für eintägige alpine Felsklettereien reicht ein Rucksack mit 20-25 Liter Fassungsvermögen aus, sofern man das Seil und den Helm außen am Rucksack befestigt werden. Bei kürzeren bis mittellangen Alpintouren, nach denen man direkt wieder am Einstieg vorbeikommt, kann man ein Rucksackdepot einrichten und vielleicht zu zweit einen kleinen 15-18-Liter Rucksack (z. B. Ortovox Trad 18) in die Tour mitnehmen, in dem sich zwei Jacken, Trinkflasche, etwas zu Essen und Rucksackapotheke befinden. Die Abstiegsschuhe hängt man sich an den Gurt.

    Bei längeren Touren ohne Rucksackdepot hängt es von der Schwierigkeit und dem Können der Kletterer ab, ob beide mit Rucksack klettern oder ein schwerer Nachstiegsrucksack mitgeführt wird (der in den schwierigen Passagen auch mal nachgezogen werden kann) und der Vorsteiger ohne Rucksack klettert. Wir machen es dann meist so, dass im Zu- und Abstieg ein Seilschaftsmitglied beide Seile auf den Rücken bindet und das zweite den Rucksack mit dem Material trägt. Dieser Rucksack braucht dann aber etwas mehr Fassungsvermögen. Ab etwa 30 Liter passen auch beide Paar Zustiegsschuhe während der Klettertour hinein. 30-45 Liter ist dann das Ende der Fahnenstange und die erforderliche Rucksackgröße für große alpine Touren, bei denen Eis oder kombinierte Passagen dabei sind und die mit Biwak verbunden sind. Noch größere Rucksäcke werden zwar teils noch als Kletterucksack angeboten, aber diese lassen sich kaum noch realistisch durch eine Klettertour schleppen.

    Tragekomfort
    Ganz wichtig ist, dass der Rucksack zu Euch passt und sich bequem anfühlt. Er sollte aber nicht nur im leeren Zustand (im Bergsportladen) angenehm zu tragen sein. Daher rate ich Euch: packt ordentlich schwere Sachen in den Rucksack bevor ihr Euch für den Kauf entscheidet und marschiert damit 10 Minuten durch den Laden.

    Handling
    Die Bedienung eines Kletterrucksacks sollte möglichst unkompliziert sein und sich auch mit Handschuhen durchführen lassen. Versucht damit mal im Laden, die Taschen des Rucksacks zu füllen und die Befestigungssysteme auszutesten

    Mit einem Rucksack der alle diese Voraussetzungen erfüllt und die paar kleinen Tests bestanden habt, solltet ihr viel Freude beim Klettern haben. Dafür kann man dann auch ruhig etwas tiefer in die Tasche greifen, denn es gibt wenig, was einen minderwertigen Rucksack so schnell zerstört wie eine einzige Alpinkletterroute.

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