Ruchenköpfe, Klettern über dem Soinsee
18.12.2025 von Markus Stadler
Traditionelles Trainingsgebiet der Münchner Kletterer
Die Ruchenköpfe im Rotwandgebiet sind ein traditioneller Klettergarten in alpiner Umgebung. Ein vielfältiges Routenangebot in typischem Voralpenkalk mit meist guter Absicherung gibt's hier in sonniger Lage. Aufgrund des langen Zustiegs sind hier nur wenige Kletterer anzutreffen, so dass die vielen Routen heutzutage wenig geklettert werden.
An den Ruchenköpfen wird an der Süd- und Westwand geklettert. Die Südwand war über lange Zeit die beliebtere Seite, da die Schwierigkeiten dort meist im moderaten Level vom 4. bis zum 6. Schwierigkeitsgrad liegen. Zudem ist es im Frühjahr und Herbst ganztags angenehm warm, während an der Westwand bis nach dem Mittag der Schatten für kalte Griffe sorgt. Seit der Sanierung der Routen an der Westwand erlebt sie allerdings eine Renaissance, da die Felsqualität hier außergewöhnlich gut ist und viele Routen zu den besten Sportkletterrouten im Level 6–8 gehören, die die Voralpen zu bieten haben. Die Westwand eignet sich auch im Sommer sehr gut, da es am Vormittag im Schatten angenehm kühl ist. Wenn es zu heiß werden sollte, kann man in 5 Minuten an die dann schattige Ostwand des Sebaldsteins wechseln. Umgekehrt gilt an kühleren Tagen das Gleiche, wenn man die Sonne sucht, die dann bis etwa 13 Uhr am Sebaldstein scheint und danach in die Westwand der Ruchenköpfe leuchtet. Als Stützpunkt bietet sich das nahe gelegene Rotwandhaus an, das etwa 20–30 Minuten Fußmarsch entfernt ist.
Anfahrt
ÖPNV: Die Oberlandbahn hält auf der Strecke Miesbach–Bayrischzell in Schliersee und in Geitau. Von Schliersee fahren regelmäßig Busse zum Spitzingsee. Das Optimum wäre die Mitnahme eines E-Bikes in der Oberlandbahn bis zum Bahnhof Geitau, was allerdings an schönen Ausflugstagen aufgrund überfüllter Züge oft unmöglich ist.
PKW: Von München kommend über die A8 bis Weyarn und über Miesbach und Schliersee zum Spitzingsee oder nach Geitau. Von Rosenheim über Bad Feilnbach, Hundham und Fischbachau dorthin.
Zustiege
1. Vom Spitzingsee zu Fuß: Vom Südende des Sees über eine Fahrstraße (anfangs geteert) immer der Ausschilderung zum Rotwandhaus folgend (besser mit MTB), ca. 1,5 h. Vom Haus dem Wanderweg in 20 min über die Kümpfelscharte und links am Auerspitz vorbei zum Brotzeitfelsen an den Ruchenköpfen.
2. Vom Spitzingsee mit der Taubensteinbahn zur Bergstation. Der Beschilderung zum Rotwandhaus folgen (ca. 45 Minuten) und weiter wie unter Punkt 1.
3. Mit dem Bike von Geitau: Zuerst flach am Segelflugplatz vorbei zur Mieseben-Diensthütte. Abzweigungen rechts werden ignoriert man verlässt den Wald bei der Untersteilenalm (1180 m). Bis hierher ist das Radeln auch ohne Motor für einen halbwegs fitten Kletterer gut zumutbar (ca. 45 Minuten vom Bahnhof). Nun wird die Straße langsam immer steiler und spätestens das letzte Stück von der Schellenbergalm zum Soinsee (1459 m) erfordert sehr kräftige Wadln (bzw. wer Kletterausrüstung dabei hat und nachher noch klettern möchte, schiebt besser). Vom Bahnhof sollte man ohne Motor bis hierher ca. 1 ¼ bis 1 ½ h rechnen. Wer an der Südwand klettern möchte, parkt sein Fahrrad am Beginn des Sees und steigt nach Süden und dann nach Westen über den Wanderweg in einer weiteren halben Stunde hinauf zum Brotzeitfels (ca. 1700 m)
Zur Westwand radelt man besser noch weiter zur Großtiefentalalm und stellt dort das Bike ab. Man folgt erst dem Wanderweg in Richtung Rotwandhaus bis unter die Nordwand des Sebaldsteins und steigt dann über Pfadspuren nach links an die unterste Westwand (20 Min. von der Großtiefentalalm).
Kletterführer
Der Kletterführer Bayerische Alpen Band 3 - Bayrischzell bis Mittenwald beschreibt die Kletterrouten an den Ruchenköpfen aktuell und ausführlich.
Ein Großteil der Routen wird zudem im Kletterführer München rockt beschrieben, der einen besonderen Fokus auf die Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln hat. Allerdings sind die Informationen auf dem Stand vor den letzten Sanierungsmaßnahmen, es fehlen ein paar Routen an der Unteren und mittleren Westwand, sowie Änderungen an einigen älteren Routen (neue Haken, Standplätze Umlenker etc.).
Wer einen Fehler entdeckt oder eine neue Route klettern konnte oder einen anderen Hinweis für den Autor oder die Leser des Buches hat, schickt mir am besten eine E-Mail.