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Aktionsbündnis "Rettet den Heuberg"

Der Widerstand gegen die Erweiterung des Steinbruchs am Heuberg nimmt zu.

Luftbild vom derzeitigen Ausmaß des Steinbruchs

Luftbild vom derzeitigen Ausmaß des Steinbruchs (Foto: Winfried Niebler)

Hintergrund der Proteste

Schon seit den 1960er Jahren wird in Nussdorf von den Rohrdorfer Zementwerken Gestein zur Zementherstellung abgebaut. Der ursprünglich relativ kleine Steinbruch war so angelegt, dass er von Nussdorf aus "unsichbar" ist, dazu blieb eine Sichtschutzwand stehen. Der Ressourcenhunger des Zementwerks war damit allerdings nicht gestillt. Die Betreiber hatten sich in der Folge bei einer Erweiterungsgenehmigung einen hinterhältigen Trick einfallen lassen. Zwar wurde darin die maximal zulässige Abbauhöhe auf 758 m ü. NN beschränkt. Vom Steinbruch sollte so vom Dorf aus weiterhin nur wenig zu sehen sein. Allerdings hatten sie sich bei der Berechnung der Grundfläche (zufällig) massiv zu ihren Gunsten verrechnet. Ob das im Genehmigungsverfahren bereits aufgefallen ist, ist die Frage, wäre aber wohl egal gewesen, da die Genehmigung auch gegen andere Widerstände und Bedenken durch die CSU-Staatsregierung von oben her durchgedrückt wurde. Nicht berücksichtigt wurde bei der Genehmigung u.a. ein anderer Punkt: Ein Teil des bisher bereits genehmigten Abbaubereichs liegt in der Alpenplan Schutzzone C - der höchsten Schutzkategorie. Darin sind keine Infrastrukturbauten zulässig, die über die moderate Erschließung von Almen und Bergwäldern zur nachhaltigen Bewirtschaftung hinausgehen.

Ungeachtet der begrenzten Abbauhöhe und vieler Einsprüche aus der Bevölkerung hat der Steinbruchbetreiber in den letzten Jahren Tatsachen geschaffen: Es wurde eine geteerte Werksstraße weit hinein die Alpenplan-Schutzzone gebaut und der Abbaubereich im Rahmen der Grundfläche aber deutlich über die genehmigten 758 m üNN hinaus erweitert. Nachdem das Bayerischen Verwaltungsgerichts einen sofortigen Abbaustopp ausgesprochen hatte, wurde vom Steinbruchbetreiber eine neue Abbaugenehmigung mit enormer Erweiterung beantragt. Der neue Antrag würde in etwa nochmal die gleiche Gesteinsentnahme bedeuten wie in den letzten 60 Jahren bereits abgebaggert wurde. Der beantragte Abbaubereich liegt vollständig in der Alpenplan-Schutzzone. Nachdem das Landratsamt weiterhin unter der Führung der CSU steht und einer der zuständigen Sachbearbeiter im Landratsamt bei einer Infoveranstaltung in Nussdorf durch ergebene Unterwürfigkeit gegenüber dem Steinbruchbetreiber aufgefallen ist, muss befürchtet werden, dass erneut eine zu Gunsten des Betreibers extrem "kulante" Genehmigung erteilt wird. Dass sich der zuständige Landrat Otto Lederer vor der Kundgebung am 1. Mai gedrückt hat spricht für sich (Alexander Huber: "Shame on you, Landrat!")

Auswirkungen auf Kletterer und Bergsteiger

Immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, was der Steinbruch und seine mögliche Erweiterung für Bergsportler bedeutet. Jeder, der den Wanderweg von Nussdorf über die Bichleralm zum Heuberg kennt, weiß dass durch den Steinbruch bereits ein großes Stück des alten Weges zerstört wurde. Inzwischen wurde eine Umgehungsvariante geschaffen, die vom Steinbruch vorerst nicht weiter betroffen ist. Mit der starken Vergrößerung muss man jedoch eine deutliche Ausweitung des LKW-Verkehrs auf der mehrmals zu kreuzenden Straße befürchten. Zudem kann nicht 100% ausgeschlossen werden dass Instabilitäten der gesamten Flanke entstehen, die weitere Wegsperrungen oder vielleicht sogar Felsstürze zur Folge haben können.
In der Westflanke des Heubergs gibt es mehrere Kletterfelsen (u.a. Kundl, Backofen, Weigendwall, Rockcity, obere Weigendwall,Godzillawand). Auf den ersten Blick wären keine Kletterfelsen unmittelbar vom Gesteinsabbau betroffen, aber das oben Geschriebene zu den Abbauarbeiten und zu möglichen Instabilitäten gilt dafür besonders. Es wäre nicht das erste mal, dass durch "unerwartet" auftretende Sicherheitsbedenken eigentlich von der Genehmigung ausgenommene Felsbereiche weggesprengt werden "müssen" (die Innsbrucker Kletterer des "Dschungelbuchs" können ein Lied davon singen). Von daher: jeder zusätzliche Gesteinsabbau erhöht das Risiko für solche Folgeprobleme.

Initiative "Rettet den Heuberg" und Demo am 1. Mai 2021

Alexander Huber auf der Demo am 1. Mai in Nussdorf
Auch Alexander Huber setzt sich auf der Demo am 1. Mai in Nussdorf für den Erhalt des Heubergs ein (Foto: Tom Wittwer).

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative geformt, die massiv Widerstand gegen die Erweiterung des Steinbruchs leistet. Dieses Aktionsbündnis "Rettet den Heuberg" wird unter anderem vom Deutschen Alpenverein, von Mountain Wilderness und dem Verein zum Schutz der Bergwelt unterstützt. Die erste Demonstration gegen die Steinbruch-Erweiterung fand auf dem Sportplatz Nussdorf statt, trotz Corona und schlechtem Wetter fanden sich dort 450 Teilnehmer ein. Das zeigt, wie groß der Widerwillen in der Bevölkerung gegen dieses Projekt ist. Aktuelle Informationen zum Aktionsbündnis gibt es bei Facebook und auf Instagram.

Bericht des BR zur Demo

 

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