Skitour Tuxer Alpen - Innsbruck - Zillertal (2853 m)
Tuxer-Alpen-Haute-Route (6 Tage)
| Schwierigkeit
|
Gesamteindruck |
|---|---|
| 2-3 / WS+ |
| Höhenmeter | Gehzeit
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|---|---|
| 5000 m | 6 Tage h |
| Exposition | Lawinengefahr
|
|---|---|
| alle |
| Beliebtheit |
|---|
Großartige Skidurchquerung von Innsbruck ins Zillertal
Die Tuxer Alpen eignen sich wie nur wenige andere Berggruppen in den Ostalpen für Skidurchquerungen. Zum einen findet sich hier eine große Auswahl an Stützpunkten, die während des Winters geöffnet sind und komfortable Übernachtungen anbieten. Zum anderen ermöglicht die abwechslungsreiche Topografie unzählige Varianten für fast jede Schnee- und Lawinenlage. Ich möchte Euch hier eine großzügige, sechstägige Durchquerung vorstellen, die vom Innsbrucker Hausberg – dem Glungezer – bis nach Kaltenbach im Zillertal führt und auf der sich fast alle höheren Skiberge der Tuxer Alpen besteigen lassen. Bei guten Bedingungen eine gewaltige Tour mit technisch moderaten Anforderungen und mit „leichtem“ Gepäck.
Anfahrt
Mit dem Zug zum Innsbrucker Hauptbahnhof. Von dort fährt der Regionalbus Nr. 540 halbstündlich zur Talstation der Glungezerbahn in Tulfes. Wer mit der Variante a) am ersten Tag zum Meißnerhaus möchte, der fährt mit dem Regionalbus 560 zur Haltestelle Ellbögen-Mühltal. Am Ende der Tour in Kaltenbach im Zillertal warten dann nur gut 5 Minuten Fußmarsch bis zum Bahnhof der Zillertalbahn, von dem aus man bequem die Heimreise antreten kann.
Ausgangspunkt
Tulfes, Talstation der Glungezerbahn (ca. 950 m).
Routenverlauf
Tag 1: Tulfes – Glungezerhütte (600–1700 Hm)
Die Hütte befindet sich wenige Minuten unterhalb vom Glungezer. Bereits für diesen ersten Hüttenaufstieg gibt es viele Variationsmöglichkeiten. Am gängigsten ist die Auffahrt mit der Bahn in zwei Sektionen bis zur Tulfeinalm und der weitere Aufstieg mit nur noch 600 Hm, anfangs entlang der Piste, dann auf markierter Aufstiegsroute zur Hütte. Wer möchte, kann dann noch den Sonnenuntergang am nahen Glungezergipfel miterleben. Es gibt aber auch einen langen, wunderschönen Aufstieg, der fast komplett abseits des Skigebiets erfolgt, aber eine gute Schneelage bis ins Tal, einigermaßen sichere Lawinenverhältnisse und eine gute Kondition für 1700 Hm Aufstieg voraussetzt. Er folgt anfangs einer Forststraße und dem Sommerweg bis in die „Kalte Kuchl“ und steigt dann durchs Frauental hinauf zur Glungezer Hütte (siehe GPX-Track).
Variante: Bei schlechtem Wetter oder geschlossener Glungezerhütte empfiehlt sich der Start der Durchquerung mit dem Meißnerhaus. Der Zustieg führt dann bequem entlang einer Rodelbahn in 2 Stunden zur Hütte. Wer Zeit und Kondition hat, kann am Nachmittag noch auf den Glungezer oder den Morgenkogel steigen und wieder zur Hütte abfahren. Am nächsten Tag sind dann allerdings etwa 400 Hm mehr aufzusteigen, als der Start an der Glungezerhütte erfordert.
Tag 2: Glungezerhütte – Peeralm (1000 – 1600 Hm)
Diese selten durchgeführte Etappe muss aufgrund der vielen unterschiedlich exponierten Hänge gut geplant werden und erfordert einiges an Erfahrung, um die optimale Route für die herrschende Schnee- und Lawinenlage zu finden. Die Tour beginnt mit einer westseitigen Abfahrt zur Seegrube (bzw. gut 400 Hm Aufstieg vom Meißnerhaus) und einem nordseitigen Anstieg in das Durrenseejoch. Von dort kann man südseitig flach in den „Rosengarten“ abfahren und zur Grünbergspitze aufsteigen oder das Rosenjoch dorthin überschreiten (Ski kurz tragen). Die südseitige Abfahrt von der Grünbergspitze ist im Frühjahr durch die Tageserwärmung öfter lawinengefährdet.
Eine Alternative ist es, vom Durrenseejoch bis unter den Arztaler Hochleger abzufahren und nordseitig aufs Pfoner Kreuzjöchl zu steigen. Von dort führen relativ flache Hänge nach Nordosten zum Wetterkreuz und nach einer meist gut eingefahrenen Schneise rutscht man auf einer Forststraße bis kurz unterhalb der Peeralm hinab.
Tag 3: Peeralm – Lizumer Hütte (700–1200 Hm)
Diese Etappe wird häufig von Durchquerern begangen und hat zwei Routen zur Auswahl: Der Standardweg führt über das Klammjoch und ist bezüglich Lawinengefahr und Orientierung deutlich weniger anspruchsvoll. Die meiste Zeit folgt man Forststraßen und flachen Böden. Am Klammjoch kann man noch einen Abstecher auf die Mölser Sonnenspitze unternehmen.
Die spannendere Route führt von Westen auf den Geier (2857 m) - den zweithöchsten Gipfel der Tuxer Alpen - und über seinen großen Nordhang hinab zur Lizumer Hütte. Gute Sicht und sichere Lawinenlage sind dafür aber dringend zu empfehlen. Außerdem betritt man auf beiden Routen den Truppenübungsplatz der Wattener Lizum, in dem wochentags oft scharf geschossen wird. Unbedingt vorher an der Lizumer Hütte anfragen, über welche Routen und wann ihr aufsteigen und abfahren könnt. Ansonsten kann es Euch passieren, dass ihr zwei Stunden am Klammjoch in der Kälte warten müsst.
Tag 4: Lizumer Hütte – Weidener Hütte (800 – 1400 Hm)
Für diesen Übergang gibt es einen offiziell freigegebenen Weg und eine eigentlich auf einer kurzen Strecke verbotene Route, die aber häufiger gewählt wird. Die offizielle Route führt von der Lizumer Hütte hinab zur Innermelanalm und auf der beliebten Skitour in Richtung Grafennsspitze bis ins Grafennsjoch. Von dort fährt man über teils steile Ost- und Nordhänge hinab zur Grafennsalm und quert dann nördlich vom Hobarjoch etwas auf und ab zur Weidener Hütte.
Die Alternative führt von der Lizumer Hütte über die offizielle Skiroute auf die Torspitze und dann nordseitig die nicht freigegebene Route hinab zur Vallruggalm. Von hier folgt man der leicht ansteigenden Almstraße in Richtung Geiseljoch und steigt bei guten Bedingungen südseitig hinauf auf das Hobarjoch. Von dort gibt es verschiedene Abfahrtsmöglichkeiten zur Weidener Hütte. Bei schlechtem Wetter oder Zeitmangel kann man „den Hobar“ über das Geiseljoch umgehen.
Tag 5: Weidener Hütte – Rastkogelhütte (1200 – 1500 Hm)
Dieser Tag führt fast durchgehend durch perfektes Skigelände und es sind dabei unzählige Varianten denkbar. Von der Weidener Hütte muss man zuerst auf den Kamm zwischen Hohem Kopf und Halslspitze aufsteigen und jenseits ins Nurpenstal abfahren – die lawinensicherste Route lässt sich meist über den Hohen Kopf finden. Ebenfalls recht lawinensicher ist der weitere Aufstieg ins Pfundsjoch möglich und von dort mit mehreren kurzen Abfahrten und Aufstiegen der Weiterweg über das Sidanjoch zur Rastkogelhütte. Auch für den Umweg über den Rosskopf lässt sich meistens eine sichere Route finden.
Stabile Bedingungen benötigt die Besteigung des Rastkogels. Bei gutem Pulverschnee ist die Route über Halslspitze – Haglhütte – Rastkogel – Sidanalm oft das skifahrerische Highlight der gesamten Durchquerung.
Tag 6: Rastkogelhütte – Kaltenbach (650 – 1000 Hm)
Zum Abschluss wartet nochmal eine Etappe der Gegensätze. Während man anfangs seine Spuren durch die oft unberührten Hänge der Pigneidalm und der Krössbrunnalm zieht, taucht man zuletzt in den Rummel des Zillertaler Skizirkus ein, hat dafür aber dann eine recht schneesichere Talabfahrt bis kurz vor den Bahnhof. Auch hier gibt es wieder verschiedene Optionen, die sich gut an die jeweilige Schnee- und Lawinenlage anpassen lassen. Bei sicheren Bedingungen kann man zuerst auf den Kraxentrager steigen und anschließend über die Pigneidalm zur Krössbrunnalm abfahren. Dort fällt man nochmal auf und besteigt den Wimbachkopf. Nach einer schönen ostseitigen Abfahrt und einem kurzen Gegenanstieg stürzt man sich ins Getümmel und fährt über die Piste ins Tal. Kürzer, lawinensicherer und auch bei weniger guter Sicht machbar ist der Übergang über den Rauenkopf zur Pigneidalm und der direkte Aufstieg über die Hirschbichlaste zur Lift-Bergstation am Öfelerjoch.
Abfahrt
siehe bei Routenverlauf.
Varianten
Die meisten gängigen Varianten wurden in der Beschreibung bereits angesprochen. Die Tour ist auch in umgekehrter Richtung möglich, am besten steigt man zur Rastkogelhütte dann aber von der Skibushaltestelle am Ghs. Mösl zu oder man beginnt die Tour in Hochfügen (ebenfalls mit Skibus erreichbar), steigt auf den Kraxentrager und fährt zur Rastkogelhütte ab. Bei (seltener) Schneelage bis ins Inntal kann man dann vom Glungezer über 2000 Hm bis hinab nach Volders abfahren.
Hinweise
Die Lizumer Hütte befindet sich in einem Truppenübungsplatz. Für die Etappen zur und von der Hütte muss vorab mit dem Hüttenwirt geklärt werden ob es Sperrungen aufgrund Scharfschießen gibt.
Der angebotene Track ist nur ein Vorschlag und eine Möglichkeit von vielen. Die vorgestellte Route wurde von mir nicht am Stück genauso auf einer Durchquerung begangen, sondern abschnittsweise bei kürzeren Durchquerungen oder Tagestouren. Die Routenführung muss an die Schnee- und Lawinenlage angepasst werden!
