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Kategorien: Kletterausrüstung

Produkttest Kletterschuh: La Sportiva Skwama

Eingehender Praxistest dieses leistungsstarken Kletterschuhes des italienischen Herstellers La Sportiva.

Der Kletterschuh Skwama von La Sportiva

Der Kletterschuh Skwama von La Sportiva

Über eine PR-Agentur des Herstellers hab ich ein Paar des Kletterschuh-Modells Skwama von La Sportiva zum persönlichen Test bekommen. Ein Testbericht war keine Voraussetzung dafür, weitere Gegenleistungen gab es nicht. Trotzdem möchte ich Euch meine Erfahrungen damit nicht vorenthalten. Für Eure eigenen Erfahrungen empfehle ich euch bevorzugt den lokalen Kletterfachhändler Eures Vertrauens oder besonders jetzt in Coronazeiten auch den Versandhandel mit einem Preisvergleich bei Idealo.

Der Schuhhersteller La Sportiva ist einer der weltweit führenden Produzenten von Kletterschuhen. Von seinem Stammwerk im Val di Fiemme in den Dolomiten beliefert La Sportiva Kletterer auf der ganzen Welt mit seinem Sortiment aus etwa 40 verschiedenen Modellen von Kletterschuhen. Ich klettere seit Jahrzehnten immer wieder zeitweise mit Modellen dieses Herstellers - u.a. verwende ich auf längeren Gebirgstouren überwiegend den Kletterschuh Mythos. Dafür hab ich den Skwama von vorneherein nicht vorgesehen, da er alleine schon vom Schnitt und vom Typus für lange, eher leichtere Routen nicht optimal erscheint.

Erster Kontakt

Anfang Juli erreicht mich ein Paket von La Sportiva. Das nagelneue Paar Skwama erstrahlt noch in leuchtendem gelb-orange/schwarz. Der wespenfarbene Look suggeriert in der Tat etwas von Aggressivität. Das gilt auch für die Bauweise, die ausgeprägte Asymmetrie und einen vorgeformten Downturn aufweist. Sicherlich kein Schuh für den Einstieg ins Klettern und auch nicht unbedingt für lange leichtere Touren, wo man oft auf der gesamten Fußfläche steht. Der Skwama ist ganz klar für schwierige Wege und kleine Tritte konstruiert.

Meine normale Schuhgröße ist 45 bis 45,5, ich hab den Skwama in Größe 43,5 bestellt - Schuhgrößen snd ja besonders bei La Sportiva nur grobe Anhaltspunkte, für jedes Modell muss man seine ideale Passgröße erst herausfinden. Ich hatte vorher bei IKO-Sport in Raubling bereits die Gelegenheit in die Schuhe zu schlüpfen und mich für diese Größe zu entscheiden, vielen Dank dafür! Jetzt im Nachhinein, nach etwa einer Klettersaison mit diesem Schuh (der vielleicht an 20-30 Tagen zum Einsatz gekommen ist) kann ich feststellen, dass die Größenwahl gepasst hat. Wer beweglichere Großzehengrundgelenke hat als ich, kann den Schuh sicherlich noch eine halbe bis ganze Nummer kleiner tragen und dann vielleicht noch ein Quäntchen mehr Performance herausschinden. Gegenüber den ersten Einklettertagen ist der Schuh zwar noch ein wenig komfortabler geworden - substanziell an Längsspannung hat er aber nicht nachgegeben. Von daher kann man dem ersten Eindruck recht gut vertrauen.

Sobald es etwas steiler wird, ist man mit dem Skwama gut beraten
Sobald es etwas steiler wird, ist man mit dem Skwama gut beraten

Passform

Wie bereits oben erwähnt, handelt sich um einen asymetrischen Kletterschuh mit deutlichem Downturn. Etwa eineinhalb bis zweieinhalb Nummern (je nach Beweglichkeit im Zehengrundgelenk) kleiner als die normale Schuhgröße gewählt, sitzt er hauteng und nach einiger Gewöhnungszeit ziemlich bequem. Die Anpassung an den Fuß ist ein herausragendes Merkmal des Skwama, der sich tatsächlich wie eine zusätzliche Haut über den Fuß stülpt. Einschränkungen der Bequemlichkeit gibt es bei hohen Temperaturen, wenn der Fuß anschwillt, da der Schuh dann keinen Millimeter nachgibt. Auch bei Reibungsplatten und erst recht bei leichten Mehrseillängen, wenn man viel mit dem ganzen Fuß auftritt, wird der durch den Downturn gewölbte Fuß flach gedrückt, wodurch die Spannung auf die Zehen ansteigt. Das kann dann auf Dauer doch recht schmerzahft werden. Es empfiehlt sich also in jedem Fall, am Stand die Schuhe auszuziehen.

Eindrücke von den Testeinsätzen

  • Bayerische Voralpen - Sportklettern
    In meinen Hausbergen war ich im Herbst 2020 vor allem für die Recherche für die Neuauflage des Kletterführers Bayerische Alpen Band 3 unterwegs. Der Skwama war in folgenden Gebieten dabei: Krettenburg, Taubenstein, Sebaldstein, Plankenstein, Bad Heilbrunn, Hohenburg. Im Winter, bzw. Frühjahr 2021 war der Führer dann fertig und ich konnte mich wieder anderen Gebieten zuwenden, u.a. war ich noch im Biber-Nagelfluh klettern und Bouldern, sowie an den Platten der Bixlwand. Die Stärken des Skwama beim moderaten Felsklettern in meinem Schwierigkeitslevel (6. bis unterer 9. Grad) sind kleine und kleinste Leistchen, Dellen und Löcher, wie zum Beispiel im Nagelfluh der Biber, an den wasserzerfressenen nahezu senkrechten Platten am Sebaldstein und anden vielen Zacken, Splitter-Käntchen der Krettenburg der an den kleinen Splitter-Käntchen an der Hohenburg. Der Schuh ist sehr sensibel, so dass man die Tritte sehr gut spürt, selbst mit noch relativ neuer Sohle, trotzdem unterstützr er den Fuß auf dem Tritt ziemlich gut, so dass man mit vergleichsweise wenig Kraft antreten kann. Gewöhnungsbedürftig ist er auf Reibungsplatten (wie teilweise in Bad Heilbrunn oder auch stellenweise an der Bixlwand), wo ich mit dem Mythos besser zu recht komme. Eine herausragende Eigenschaft des Skwama ist die Performance bei Hooks aller Art (Heel- und Toe-Hook), wofür der Schuh optimiert wurde. Nachteil: Aufgrund der hohen Sensibilität werden ausdauernde Stehprobleme besonders auf kleinen scharfen Tritten zur Herausforderung für die Schmerztoleranz der Zehenspitzen.
  • Kletterurlaube
    Aufgrund der Corona-Pandemie hielten sich die Sportkletterurlaube im letzten Jahr stark in Grenzen. Mit Ausnahme einiger Tage rund um Arco, sowie einem Kletterurlaub in der Fränkischen Schweiz gab es für uns wenig Möglichkeiten. Die Arco-Fahrt konnte meine oben geschilderten Eindrücke weitgehend bestätigen. Zusätzlich konnte ich feststellen, dass der Skwama auf speckigen Tritten leider keinen Vorteil gegenüber anderen Schuhen bietet. Die Kletterei in Franken unterscheidet sich hingegen doch ein wenig von den Routen, die ich ansonsten so bevorzuge. Je steiler das Gelände, umso mehr kann der Skwama seine Vorteile ausspielen. Der Downturn und die gute Performance bei Hooks kommen dann erst so richtig zur Geltung. Dafür spielt die Schmerztoleranz auf kleinsten Tritten kaum noch eine Rolle.
  • Kunstwand
    Aufgrund der Corono-Pandemie war ich im gesamten Testzeitraum praktisch nicht an den Kunstwänden klettern. Nur ein oder zwei Besuche in der Kletter- und Boulderhalle Rosenheim im Sommer 2020 gingen sich aus, bevor der nächste Lockdown pünktlich zum Start in die Wintersaison kam. Grundsätzlich sind Kunstwände für meinen Klettersteil fußtechnisch eher eine schlechte Testumgebung. Auffallend war hier aber auch der große Vorteil beim Hooken.

Fazit

Der scharfkantige Fels am Sebaldstein schmerzt nicht nur an den Fingern, sondern mit dem Skwama auch an den Zehen
Der scharfkantige Fels am Sebaldstein schmerzt nicht nur an den Fingern, sondern mit dem Skwama auch an den Zehen

Die Einkletterphase ist erstaunlich kurz und schnell erreicht der Skwama eine gute und bleibende Passform. Die Stärken des Skwama liegen ganz klar im überhängendem Gelände. Tritte könne aufgrund der hohen Sensibilität und der Vorspannung mit viel Zug "gegriffen" werden, bei Toe-Hooks bietet die Schuhoberfläche optimale Reibung und bei Heelhooks einen wirklich begeisternden Fersensitz. Das ganze gibts in Verbindung mit einem verblüffend komfortablen Sitz am Fuß. Werden die Touren flacher verlieren sich aber diese Vorteile etwas. In filigraner, fußtechnischer Wand- und Plattenkletterei steht man zwar optimal, aber je weniger Gewicht an den Armen hängt und je kleiner und schärfer die Tritte sind, desto mehr Schmerztoleranz ist erforderlich. Gleichzeitig wird der vorgebogene Fuß in die Länge gezogen, was zusätzlich Druck auf die Zehen erzeugt, genauso wenn man mit dem ganzen Fuß auftritt. Noch weniger überzeugt bin ich von dem Schuh bei reiner Reibungskletterei. Daher würde ich den Skwama fürs gehobene Sportklettern in senkrechtem und überhängendem Gelände etwa ab dem 7. bis 8. Grad empfehlen. Bei schweren Mehrseillängenrouten sollte man die Schuhe an jedem Stand ausziehen (was dank Velcro gut geht).

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ Allround-Kletterschuh, mit dem sich jede Art von Kletterei bewältigen läßt
+ ideal im überhängenden Gelände
+ sehr sensibel auf Tritten, man spürt "jede Unebenheit".
+ Ideal für Hooks
+ sehr schnelle Einkletterzeit von wenigen Tagen, behält die Passform danach weitgehend bei
+ bequeme, asymetrische Form mit leichtem Downturn
+ durch Klettverschluß schnelles Ausziehen möglich

- bei reiner Reibungskletterei eher unbequem und durch den Downturn kein pefekter Formschluss
- erfordert bei kleinen scharfen Tritten Schmerztoleranz
- eher unbequem bei Mehr-Seillängen-Routen am Standplatz, ich muss ihn dort jedes Mal ausziehen
- Anziehen etwas mühsam
- nicht konstruiert für leichte, geneigte Touren - sind zwar damit prinzipiell möglich aber dafür gibts bessere Schuhe

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