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Kategorien: Kletter-G'schichten

Felsauftakt trotz bester Skitourenbedingungen

Familien-Osterurlaub im Trentino und im Climbers Paradise

Das Trentino bietet für einen österlichen Kletterurlaub der ganzen Familie genug Möglichkeiten

Das Trentino bietet für einen österlichen Kletterurlaub der ganzen Familie genug Möglichkeiten

Da schaust mal kurz auf den Kalender und plötzlich ist Karwoche. Unser Osterurlaub rückt erschreckend rasch näher. Am Gründonnerstag wollen wir - drei Familien mit insgesamt 5 Kindern - starten. Obwohl für die Ostertage perfekte Skitourenbedingungen zu erwarten sind, ist die Sachlage klar: Sportklettern ist angesagt - Skitouren sind mit den Kindern nicht organisierbar, zumindest nicht so dass jeder auf seine Kosten kommt. Einen Tag vor der Abreise ist das Ziel noch völlig offen. "Wie wärs mit Buzet in Kroatien?" schlage ich vor - in Kombination mit den nahe gelegenen Klettergebieten bei Osp in Slowenien und rund um Triest wäre die Auswahl groß genug für eine Woche. Sonja und Hans müssen aber schon am Montag heimfahren - fünf Stunden Fahrzeit für drei ganze und zwei halbe Klettertage gibt einen dicken Minuspunkt. "Vielleicht mal wieder nach Franken!" wirft Stefan ein. Die Kinder wollen aber unbedingt Eis und Pizza und rein kulinarisch tendiere ich auch deutlich mehr zu Nudeln statt zu Schäufele oder anderer fleischhaltiger fränkischer Kost. Als kleinster gemeinsamer Nenner bleibt wiedermal Arco, bzw. das nahe gelegene Etschtal, wo man den Rush zu Ostern weitgehend vermeiden kann.

Orme dei Dinosauri (I)

Noch vor Mittag erreichen wir unseren Zeltplatz bei Paolo zwischen Rovereto und Arco. Dieser ist für die Kinder perfekt - genug Platz zum Spielen, kaum herumfahrende Autos und wir sind im 20 Minuten Radius in Arco, im Val di Gresta und an den ersten Klettergebieten rund um Rovereto. Sonja, Hans, Stefan und ich machen uns sogleich auf die erste Erkundung zu den Felsen bei den Orme dei Dinosauri. Der Zustieg zieht sich in die Länge, dafür überrascht die Wand mit tollen Touren, die zum Teil gar nicht so kurz sind. Ich klettere noch sehr unbeholfen und in kürzester Zeit sind die Unterarme vom Laktat verstopft - kein Wunder nach fast 6 Monaten Felsabstinenz. Aber das Gebiet ist gut und auch der Wandfuß ist o.k., so dass wir beschließen, am nächsten Tag mit den Kids hierhier zu kommen. "Dort gibts versteinerte Spuren von echten Dinosauriern, sollen wir uns die morgen ansehen?" versuche ich die Kinder zu ködern. "Jaaaaa!" kommt das beigeisterte Echo. Bingo!

Fühlt sich noch recht ungelenk an - das Klettern nach fast 6 Monaten Pause...
Fühlt sich noch recht ungelenk an - das Klettern nach fast 6 Monaten Pause (Asterix 6b, Sektor A)
Stefan klettert Gatto Silvestro (7a) im Klettergebiet Orme dei Dinosauri
Stefan hingegen ist fit wie eh und je und klettert Gatto Silvestro (7a) onsight.

Orme dei Dinosauri (II)

Mit erstaunlichem Tempo tigern die Racker am nächsten Tag den steilen Schotterweg hinauf - es gibt viel zu entdecken. Den ersten Dino-Fußabdruck hinter einer Infotafel entdecken wir erst auf den zweiten Blick, aber die großen, regelmäßigen Fußstapfen oberhalb in der Felsplatte sind dann eindeutig. Mit Sonja lotse ich die fünf Kurzen durch die Steinwüste, während die anderen vier Erwachsenen schon zum Klettergarten voraus marschiert sind. Die Sonne brennt herab, richtiges Durstwetter. Die Trinkflaschen leeren sich beängstigend schnell, während die Kinder im Geröll nach versteinerten Dinozähnen suchen. Reichlich nach Mittag können wir Sie endlich in Richtung Kletterwand motivieren, wo dann Schichtwechsel ist und auch ich endlich an den Fels ran darf. Mit gestrafftem Zeitplan gehen sich dann immerhin noch sechs (eher kurze) Routen aus - und das ganze fühlt sich für mich zunehmend wieder nach Klettern an. Allerdings schmerzen meine Zehen, da ich einen neuen Kletterschuh teste, der noch nicht gscheit eingeklettert ist.

Kinderbande auf Aussichtsfels am Weg zu den Dinosaurierspuren
Kinderbande auf Aussichtsfels am Weg zu den Dinosaurierspuren
Dinosaurierspuren in den Felsplatten oberhalb von Rovereto
Eindeutig: Hier war ein Dino

Alternativprogramm in Drena

Am Samstagmorgen kommen wir nur sehr zäh in Fahrt. Keiner hat sich so richtig Gedanken gemacht, was wir heute unternehmen könnten. Meine 8jährige Tochter Fiona hat so gar keine Lust auf Klettern und möchte was Anderes angehen, während der Rest der Reisegesellschaft nach Pian di Levro fährt. Ich beschließe, meinen Zehen einen Ruhetag zu gönnen und schlage vor, mit ihr einen leichten Klettersteig zu gehen und im Anschluss die Burg von Drena zu besichtigen. Das Exklusivprogramm erntet bei der jungen Madame uneingeschränkte Begeisterung und ich hoffe, dass sie dem Klettersteig gewachsen ist - bisher hatten wir nur im Vorjahr so ein Drahtseilwegerl gemacht. Der Sallagoni-Klettersteig ist nur mit Schwierigkeit C eingestuft, was ich ihr leicht zutraue. Eine Klettersteigausrüstung besitzen wir nicht, die wollen wir uns in Arco ausleihen. Allerdings hatte ich den Oster-Ansturm unterschätzt - um 10 Uhr vormittags sind sämtliche Klettersteigsets verliehen. Jetzt haben wir für 100 Euro ein eigenes Klettersteigset für Fiona. Ich verzichte auf die professionelle Sicherung für diesen einfachen Weg und behelfe mir mit einer normalen Bandschlinge zum gelegentlichen Festhängen. Der Weg selbst ist nie schwierig - man marschiert durchgehend auf breiten Eisenklammern durch die schmale Klamm. Ausgesetzt ist es auch nicht, da man meist nur wenige Meter über dem Bach geht. Das größte Problem für Fiona mit ihren 1,30 m ist das hoch angebrachte Seil, das sie an manchen Stellen nur knapp erreicht und nahezu hangelnd zum nächsten Trittbügel schwingen muss. Der Weg ist landschaftlich superschön und man kommt direkt unterhalb der Burg raus, die wir im Anschluss noch besichtigen. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz machen wir einen Abstecher ins legendäre Bologna wo sich die junge Dame ihr verdientes Eis bestellt. Insgesamt also ein Tagesprogramm ganz nach ihrem Geschmack, was ihre Motivation für die Folgetage entscheidend verbessert.

Der Schlucht-Klettersteig am Rio Sallagoni bei Drena
Der Schlucht-Klettersteig am Rio Sallagoni bei Drena
Auf dem Bergried der Burg von Drena hat man einen super Blick über das Sarcatal
Auf dem Bergried der Burg von Drena hat man einen super Blick über das Sarcatal

Ostern in Crosano

Ostersonntag ist auch für mich wieder Klettertag. Das Klettergebiet Crosano war in unserer Jugend vor gut 20 Jahren einer der Top-Spots für Softmover rund um Arco. Liebliches Ambiente, viele leichtere, bestens gesicherte Routen, kurzer Zustieg - perfekt für einen chilligen Familientag. Inzwischen wird das Gebiet kaum noch besucht - selbst am Ostersonntag waren wir fast komplett alleine im gesamten Gebiet. Gut, die meisten leichten Routen sind sauspeckig, aber das sind sie in Nago, Massone oder an der Muro dell'Asino auch. Ansonsten ist mir schleierhaft, wieso der Fels so komplett in Vergessenheit geraten ist. Uns soll es recht sein und es wird ein richtig toller Klettertag. Auch die Kinder haben ihren Spaß. Bereits am Zustieg können sie aus der Begrenzungsmauer des Sträßchens die vom Osterhasen versteckten Süßigkeiten ernten und in den leichten Routen probieren alle im Toprope herum. Fiona entwickelt richtigen Ehrgeiz und kämpft sich tapfer die technisch schwierigen Plattenrouten hinauf. Mit Stefan und Hans erkunde ich den etwas abseits gelegenen Sektor D und wir werden mit vergleichsweise rauen und sehr lohnenden Routen belohnt. Ideales Testgelände für den neuen Scarpa Vapor-V 19 (Testbericht folgt!), der hier in dem technisch anspruchsvollen Fels gleich mal zeigen kann was er drauf hat. Als endlich alle genug geklettert sind machen wir uns auf den Rückweg zum Zeltplatz - natürlich nicht ohne einen Stop am Bologna.

Der Osterhase war auch fleissig
Der Osterhase war fleissig
Opera Buffa (6b), Sektor D in Crosano
So langsam kommt das Felsfeeling zurück
Oktobus (6a), Sektor A in Crosano
Fiona tüftelt eifrig in den speckigen und technischen Routen am Sektor A

Ausflug nach Trento

Der Montag ist für Sonja und Hans bereits Heimreisetag, wobei sie uns tagsüber noch zum Klettern begleiten wollen. Nachdem es von Rovereto nach Trento gerademal 30 Minuten sind, beschließen wir, uns das Klettergebiet Celva anzusehen. Die Kletterei ist komplett anders als in den Modegebieten rund um Arco. "Voll oldschool hier" stelle ich fest. Daher klettere ich Stefans Aufwärm-6c vorsichtshalber mal im Toprope, da sie alles andere als einfach aussieht und mir die etwas weiteren Hakenabstände für einen Kaltstart Respekt einflößen. Eine weise Entscheidung - an einer heiklen Reibungsstelle ein Stück über dem Haken hätte ich mich im Vorstieg vermutlich nicht mehr weitergetraut. Auch sonst sind die Linien hier sehr "alpin". Risse, Verschneidungen, Kamine, zwischendurch wackelige Plattenstellen. Das volle Programm, aber cool. Mir gefällt die Kletterei und viel zu schnell ist der Tag vorbei. Wenig unterhalb des Klettergartens lassen wir den Tag im Biergarten Zimirlo - mit sehr empfehlenswerter Pizzeria - ausklingen, bevor wir uns von Sonja und Hans verabschieden und zum Campingplatz zurückfahren.

Klettern in Celva bei Trento
Klettern in Celva bei Trento

Flucht in den sonnigen Norden

"Bääh, Regenwetter hatte ich nicht bestellt" schimpft Sabine am Dienstag morgen. Es regnet und der Südstau soll die nächsten Tage anhalten - nördlich des Alpenhauptkammes hingegen soll der Südföhn das schlechte Wetter noch einige Tage zurückhalten. Wir beschließen einen Ortswechsel. Zum Frühstücken fahren wir nach Arco und setzen uns ins Cafe Trentino. Während ein Teil der Gruppe noch Einkäufe in Arco erledigt, spielen wir mit den Kindern gemütlich Schafkopf, bevor wir in Richtung Brenner fahren. Kurz vor Sterzing gibt es einen Zwischenstopp an der Burg Reifenstein, die wir im Zuge einer sehr empfehlenswerten Führung besichtigen. Danach tuckern wir im Stau noch fast zwei Stunden bis Imst und schlagen bei Sonnenschein und +20 Grad am Aktiv-Campingplatz unsere Zelte auf. Rundherum grinsen noch dick verschneite Skiberge auf mich herab. Allerdings scheinen die Bedingungen nicht mehr so gut zu sein wie noch über Ostern: stürmischer Föhn in der Höhe, immer wieder Wolkenfelder, die die Abstrahlung behindern und generell sehr warme Temperaturen. Ich grinse also zurück und freue mich auf den nächsten Klettertag.

Kletterregion Imst

Um 7 Uhr schäle ich mich am Mittwoch aus dem Schlafsack und setze Tee auf. Es hat doch stärker abgekühlt als man abends erwartet hätte. Mit Stefan möchte ich heute früh zu zweit nach Nassereith fahren. Wir steigen zum Sektor Sparchet auf und verscheuchen erstmal ein großes Gamsrudel, das hier am Einstieg herumlungert. Die Tiere klettern die Felswand hinauf und bewerfen uns zum Dank mit Steinen. Direkt am Wandfuß sind wir aber sicher und die Geschosse schlagen in schöner Regelmäßigkeit einige Meter von der Wand weg ein. Daher klettern wir heute mit Helm. Die Kletterei ist besser als es von unten aussieht. Der gelbe Splitterfels entpuppt sich als griffige Leistenkletterei mit überraschend vielfältigen Bewegungen. Nach effizienten drei Stunden hat jeder von uns sechs Routen geklettert und wir ziehen gut geplättet von dannen. Am Campingplatz wartet das Mittagessen. Im Anschluß begeben wir uns alle zusammen zum Klettergarten "Putzen", wo unsere Frauen klettern, während wir mit den Kindern ein Stück unterhalb ein Waldhäuschen bauen. Der Klettergarten ist weniger schön, als wir erwartet hatten, die Kletterei ist eher inhomogen und gesucht und teils auch splittrig. Haken hat es aber mehr als genug, so dass sich die Mädels ihre Touren meist Teil selber vorsteigen.

Tiefblick vom Sektor Sparchet auf Nasserreith
Tiefblick vom Sektor Sparchet auf Nasserreith
Der Klettergarten Putzen
Der Klettergarten Putzen

Urlaubsabschluss im Ötztal

Und schon ist die Urlaubswoche wieder vorbei. An unserem Abschlusstag wollen wir noch in den "Affenhimmel" ein großes Klettergebiet bei Starkenbach zwischen Imst und Landeck. Der Föhn hat nochmal an Stärke zugelegt und bereits bei der Anfahrt pfeift es ordentlich. Ich hab eine ungute Vorahnung, trotzdem steigen wir in Richtung Wand auf. Mir gefällt die riesige Schrofenflanke oberhalb des Klettergartens nicht. Während wir noch 30 Meter vor der Wand die Helm aufsetzen, ertönt ein hässliches Pfeifgeräusch gefolgt von mehreren Einschlägen in unserer unmittelbaren Nähe. Bei der nächsten Windböe das gleiche, ständig lösen sich hoch oben Steine und prasseln herab. Angesichts dieses Artilleriebeschusses treten wir den Rückzug an und fahren ins Ötztal zum Klettergarten Ötz. Der kompakte Granit ist auch bei starkem Wind steinschlagsicher und es gibt auch für die Kinder genug Klettermöglichkeiten. Die sind heute sogleich hoch motiviert - Fiona steigt vor und die Jüngeren topropen eifrig. Der Kletterfluss wir nur von Toni's Eiswagen unterbrochen, dermit lautem Geklingle direkt unterhalb des Klettergartens hält, worauf die Kinderhorde sogleich darauf zustürmt. Danach gehts aber gleich wieder an den Fels. Stefan und ich sind erstmal nur Sicherungs- und Betreuungspersonal, Sabine und Susi dürfen klettern. Als Frauen und Kinder dann klettersatt sind, machen sie sich zum Spielplatz in Ötz auf und wir spulen noch so lange Routen ab, bis die messerscharfen Leisten die Hornhaut an den Fingern abgeraspelt haben. Die Pizzas beim "Heiner" in Ötz füllen dann unsere Mägen für die endgültige Heimfahrt, die mit nur eineinhalb Stunden für einen einwöchigen Kletterurlaub angenehm kurz ausfällt.

Komfortabler Klettergarten in Ötz
Komfortabler Klettergarten in Ötz
Urlaubshighlight für die Kinder: Toni's Eis direkt am Fels
Urlaubshighlight für die Kinder: Toni's Eis direkt am Fels

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